Dietikon

46-jährige Thailänderin ist nur knapp an Landesverweisung vorbeigeschrammt

Handel mit Crystal Meth: Eine 46-jährige Thailänderin hat im Mai 2017 mit Drogen gehandelt. Am Freitag wurde sie vom Bezirksgericht Dietikon zu einer bedingten Haftstrafe verurteilt.

Handel mit Crystal Meth: Eine 46-jährige Thailänderin hat im Mai 2017 mit Drogen gehandelt. Am Freitag wurde sie vom Bezirksgericht Dietikon zu einer bedingten Haftstrafe verurteilt.

Seit 26 Jahren lebt die Thailänderin in der Schweiz. Am Freitag wurde sie vom Bezirksgericht Dietikon wegen Handels mit Chrystal Meth zu einer bedingten Haftstrafe verurteilt.

Klar ist, dass die 48-jährige Thailänderin im Mai 2017 im Auftrag einer unbekannten Person einem Käufer in Schlieren für 6'000 Franken 50,86 Gramm reines Chrystal Meth übergeben hatte. Unklar ist, wieso sie das tat. Sie habe es nicht mit Absicht getan, entschuldigte sie sich am Freitag vor Einzelrichter Benedikt Hoffmann.

Seit 1996 lebt die Frau in der Schweiz; hier hat sie die Niederlassungsbewilligung. Sie ist geschieden, IV-Bezügerin und Mutter von drei Kindern. Die 25-jährige Tochter und der 30-jährige Sohn leben hier. Ein weiterer, 27-jähriger Sohn lebt in Thailand. Zu dem habe sie, versichert die Beschuldigte, ebenso wenig Kontakt wie zu weiteren Verwandten in ihrer Heimat. Bloss drei Mal sei sie in den vergangenen 26 Jahren für jeweils zwei oder drei Wochen in ihrer Heimat gewesen.

Nach ihrer Festnahme hatte die nicht Vorbestrafte ein vollumfängliches Geständnis abgelegt, zu dem sie auch vor dem Richter stand. Nach ihrem eigenen Drogenkonsum gefragt, betonte sie, in keiner Form süchtig zu sein. «Ich habe im Monat höchstes zweimal Chrystal Meth konsumiert und dann jeweils höchstens ein halbes Gramm», liess sie übersetzen. Dass sie nach über einem Vierteljahrhundert in der Schweiz kein Deutsch spricht, erstaunte Richter Hoffmann doch sehr. Sie verstehe gut Deutsch, rede aber nicht so gut. Nach der Dolmetscherin habe sie verlangt, «damit ich nicht unbeabsichtigt etwas Falsches sage».

104 Tage hatte die Frau in U-Haft gesessen. Als Strafe für den Handel mit und den Konsum von Drogen hatte der Staatsanwalt 12 Monate Freiheitsstrafe bedingt und 300 Franken Busse gefordert. Was aber für die Thailänderin bedeutend schwerer wog, war der Antrag auf Landesverweisung. Bei der Schwere der angeklagten Delikte schreibt das Gesetz eine solche zwingend vor – es sei denn, es liege ein Härtefall vor.

Urteilsfindung war nicht leicht

Dem sei in diesem Fall so, legte der Verteidiger dar. Für eine gute Integration könne und dürfte nicht allein der Umfang von Deutschkenntnissen ausschlaggebend sein. Seine Mandantin habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihrer Familie hier in der Schweiz. Sie lebe mit ihrem Sohn in einer Wohnung und bestreite ihren Lebensunterhalt mit bescheidenen 1000 Franken monatlich. Zudem stehe ihr eine grössere ärztliche Abklärung bevor, da sie Probleme mit dem Herzen habe. Es sei, so der Antrag des Verteidigers, also auf eine Landesverweisung zu verzichten. Einem Schuldspruch und dem beantragten Strafmass stimmte der Verteidiger zu. Richter Hoffmann und seine beiden Gerichtsschreiber machten sich die Urteilsfindung nicht leicht. Bezüglich Schuldspruch und Strafmass wurden die Anträge des Anklägers zum Urteil erhoben.

«Von einer Landesverweisung wird abgesehen. Was diesen Punkt betrifft, so haben wir lange und kontrovers diskutiert», betonte Hoffmann in der Urteilsbegründung. Eine Landesverweisung sei immer irgendwie ein Härtefall. Der Mangel an Deutschkenntnissen sei sicher nicht ausschlaggebend, aber auch ein Argument. Zudem habe die Beschuldigte hier auch kein grosses soziales Netzwerk und was ihre Gesundheit betreffe, so gebe es in Thailand zweifellos ebenfalls Menschen, die dieselben Probleme haben. Aus folgenden Gründen werde trotzdem von einer Landesverweisung abgesehen: «Zum einen ist die Beschuldigte nicht mehr 30, und dass sie hier IV bezieht zeige, dass sie auch nicht mehr arbeitsfähig sei. So würde sie nach Thailand in eine ausweglose Situation geschickt.

Was das Interesse der hiesigen Bevölkerung betrifft, so würde die Frau – würde sie weiter dealen – tatsächlich Hunderte von Menschen in den gesundheitlichen Ruin schicken. «Da wir aber davon ausgehen, dass sie das nicht wieder macht, geht von ihr keine Gefahr für die Bevölkerung aus.»

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