Wie der Verkehr am Schlieremer Bahnhof künftig geführt wird, darüber besteht grosse Uneinigkeit. Am Donnerstag wurde die zweite Initiative eingereicht, die sich dieser Ausgestaltung annehmen will. So schlagen die Gemeinderäte Markus Weiersmüller (FDP), Sarah Impusino (CVP), Boris Steffen (SVP) und CVP-Präsident Andres Uhl vor, eine grosszügige Tempo-30-Zone auf der Güter-, Bahnhof-, Graben-, Bach- und Neuen Fossertstrasse einzuführen. Die zum Zustandekommen der Initiative notwendigen 200 Unterschriften wurden übertroffen, es kamen deren 458 zusammen. Selbst die Initianten schienen von diesem Ergebnis überrascht zu sein. «Wir sammelten im Rahmen unserer drei Parteien – ohne Standaktionen und während der Sommerferien», betonte Weiersmüller anlässlich der Übergabe der Unterschriften gestern Nachmittag im Stadthaus. Doch auch Inhaltliches kam zur Sprache. So habe man erkannt, dass die Schlieremer und Schlieremerinnen sichere Fussgängerwege mit einer Trennung zwischen motorisiertem und nicht motorisiertem Verkehr wollen, sagte er weiter.

Eigentlich könnte gebaut werden

Geht es um das Verkehrsregime am Schlieremer Bahnhof, haben die Stimmberechtigten die Qual der Wahl. Vorschläge hat es genug. Der Stadtrat wollte ursprünglich eine grosse Begegnungszone mit Tempo 20 auf der Güterstrasse zwischen Grabenstrasse und Personenunterführung West bauen lassen. Dabei würden Velos, Fussgänger und Autos auf derselben Fläche ohne Trottoir verkehren, Fussgänger hätten jedoch stets Vortritt. Dem Parlament ging dies zu weit. Westlich zwackte es an seiner Sitzung Ende vergangenen Jahres rund 50 Meter ab, sodass die Begegnungszone nur noch bis zur Neuen Fosserstrasse reicht und die beiden SBB-Bauten mit Post und Denner mit Tempo 50 angefahren werden können. Dieser Entscheid ist rechtskräftig und könnte rein theoretisch sofort umgesetzt werden.
Nur wenige Tage nach dem Parlamentsentscheid von Ende 2017 reichten Exponenten der SP, der Grünen und der Grünliberalen eine Initiative ein, welche die Umsetzung des stadträtlichen, langen Vorschlags verlangt und noch die Bahnhofstrasse als künftige Begegnungszone vorsieht.

An seiner Sitzung von vergangener Woche behandelte der Stadtrat die Initiative der SP, der Grünen und der Grünliberalen. Ein Antrag ans Parlament wird kommende Woche veröffentlicht. Bis Ende Jahr muss der Stadtrat die Initiative von SVP, FDP und CVP ans Parlament weiterleiten, wie Stadtschreiberin Ingrid Hieronymi gestern sagte. Und dann? Hat dann das Stimmvolk zeitversetzt über die beiden Initiativen abzustimmen? Keineswegs. «Der Stadtrat wünscht, dass wir dem Stimmbürger keine allzu komplizierte Abstimmungsvorlage vorlegen», sagte Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP). Man wolle die beiden Initiativen in einer Abstimmung behandeln. «Dazu braucht es aber von allen Seiten ein wenig Goodwill», so Bärtschiger. Darüber abstimmen, wie in der Bahnhofsgegend künftig verkehrt wird, können die Schlieremer voraussichtlich erst 2019.

Pascal Leuchtmann (SP), der im Frühling in den Stadtrat gewählt wurde und Initiant der Unterschriftensammlung für die grosse Begegnungszone ist, bleibt entspannt. «Dass es in der entsprechenden Volksbefragung wegen der verschiedenen Vorschläge eine Stichfrage braucht, ist klar», sagt er. «Unser Komitee steigt selbstbewusst in den Abstimmungskampf.»