Dietikon

40. Kinder-Fasnachtsumzug: So wurde aus dem Umzügli ein Grossanlass

Der Anfang war spontan und improvisiert – heute ist die Kinderfasnacht aus Dietikon nicht mehr wegzudenken.

Beim ersten Umzug 1978 lief er als 13-jähriger Tambour vor fünf maskierten Kindergartengruppen her, die an einem Nachmittag in der Fasnachtszeit durch die Strassen zogen. Beim 40. Kinder-Fasnachtsumzug am 28. Januar ist der Dietiker Pius Baggenstos immer noch im Einsatz, inzwischen aber seit etwa 20 Jahren als Präsident des Organisationskomitees (OK). Aus den mehr oder weniger improvisierten Anfängen mit ein paar Dutzend Kindern wurde über die Jahre ein Grossanlass mit an die 1200 Teilnehmenden.

Zu verdanken ist diese Bereicherung des fasnächtlichen Lebens der Stadt der Initiative von Gardi Kissling. Zusammen mit einer Kollegin organisierte die Kindergärtnerin 1978 das erste kleine Kindergarten-Fasnachtsumzügli, das von der Bevölkerung wie vorbeiziehende Paradiesvögel bestaunt wurde.

Im ersten Aufruf schrieb sie: «Der Umzug goht em zwei a; mir fanged bim Chindergarte Neumattstrasse 11 a und bööged dänn dur die ganz Stadt bis zum Chinzgi Zingge. Alle Lüüt – öb gross öb chlii, wo au Freud a der Fasnacht händ, sind ganz herzlich iglade, doch au am Umzug mitzlaufe, aber natürli – nu maskiert!» Immerhin beteiligten sich daran bereits fünf der damals 23 Dietiker Kindergärten. Kissling war es auch gelungen, schon beim ersten Mal die Gugge Reppischfäger, die sich 1976 neu gegründet hatten, mit ins Boot zu holen.

Mit Sammeleifer zum Erfolg

Zwei Jahre später waren es schon 18 Kindergärten, die teilnahmen. Unterstützung bekamen die Organisatorinnen nach ein paar Jahren von unerhoffter Seite. Hanny Seebacher, die sich auch im Theaterverein engagierte, begann mit ein paar Freundinnen, Geld für den Anlass zu sammeln. Baggenstos: «Sie war das ganze Jahr in der Sache unterwegs, sogar im Gemeinderat hat sie für den Umzug Geld eingesammelt.» Kissling: «So waren wir erstmals selbsttragend, vorher haben die Kindergärtnerinnen den Umzug aus eigener Tasche bezahlt.» 1981 hatten die Organisatorinnen auf diese Weise 3050 Franken zur Verfügung, 500 Franken kamen von den Schulen, 200 von der Stadt und 2350 Franken von den Sammlerinnen. Im fraglichen Jahr machten erstmals alle Dietiker Kindergärten mit.

Initiatorin des Kinder- Fasnachtsumzugs

Gardi Kissling

Initiatorin des Kinder- Fasnachtsumzugs

Seit Hanny Seebachers Tod vor sechs Jahren sicherte das OK die Finanzierung durch den Verkauf von Plaketten zu fünf Franken und durch die Gewinnung von Sponsoren. Mittlerweile ist der Umzug so gross geworden, dass die Durchführung ohne Letztere überhaupt nicht mehr möglich wäre, so Baggenstos. Das Budget beträgt inzwischen 45 000 bis 50 000 Franken. Allein die Miete der Stadthalle für die Party nach dem Umzug kostet 4000 Franken. Auch die Gagen und Verpflegungen für die Gruppen, die Security, die Dekoration, der Druck der Plakate und die Musik bei der Kinderparty gehen ins Geld. Für den Jubiläumsanlass wurde der Glarner «Zirkus Mugg» engagiert, der sich bei der Party mit Stelzengehern und Hochrädern unter das närrische Jungvolk mischt.

Viele mit Migrationshintergrund

Ganz am Anfang wurden die Plakate noch selbst geschrieben und gemalt. Das Sujet darauf – ein fröhlicher Clown – ist aber über die ganzen 40 Jahre dasselbe geblieben. Die Vorbereitung des Anlasses ist für das OK-Team, das lediglich zwölf Personen umfasst, ein Kraftakt, vor allem seit vor etwa 20 Jahren auch alle Schulen eingebunden wurden. Zu dieser Zeit stiess Sibylle Wettstein, Lehrerin am neuen Kindergarten Guggenbühl, zum OK. Sie koordiniert alle Schulfragen und sorgt für eine reibungslose Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen.

Baggenstos und Wettstein sind ein gutes Team. «Wenn er einmal aufhört, höre ich auch auf», meint sie lachend und Baggenstos stimmt ihr zu: «Das gilt umgekehrt auch für mich.»
Seit etwa zehn Jahren wird der Umzug von den Guggi-Häxe und den Luschtigen Dietikern durchgeführt. Baggenstos ist dankbar, dass die Stadt dem Anlass wohl gesonnen ist. 

Mit Armin Strässle, Leiter Jugend und Freizeit, ist auch ein Delegierter der Stadt Teil des OKs. Baggenstos: «Das Team investiert enorm viel Zeit in den Fasnachtsumzug. Drei Tage muss es richtig krampfen, vom Aufbau am Freitag bis dann am Sonntagabend das letzte Konfetti aus der Stadthalle geputzt ist.» Man müsse sich nur einmal anschauen, was das Deko-Team auf die Beine stelle: «Die verwandeln die Stadthalle in einen Fasnachtstempel.»

Besonders freut Baggenstos, dass so viele Menschen mit Migrationshintergrund mit grosser Begeisterung beim Umzug mitmachen. «Es ist ja unsere Tradition, unser Brauchtum. Ich kann da wirklich nur Positives berichten.» Und auch, dass inzwischen Eltern, ja sogar Grosseltern am Strassenrand stehen, die schon selbst als Kinder mitgelaufen sind, freut den OK-Präsidenten. «Der beste Lohn für das Organisationsteam sind viele Leute am Strassenrand.» Und Sibylle Wettstein ist dankbar für die makellose Bilanz von 40 Jahren Fasnachtsumzug: «Es gab nie einen Unfall, und auch mit dem Wetter hatten wir immer Glück.»

Besuch aus den Hochburgen

In den nächsten Tagen wird noch eifrig gebastelt werden in den Schuleinheiten. Jede Gruppe kann sich ein eigenes Sujet auswählen.

Mit am Start sind beim Jubiläums-Umzug ausser den etwa 600 Kindern nicht nur die Lokalmatadoren Reppischfäger, die Luschtigen Dietiker, die Guggi-Häxe, die Spreitenbacher Bräusivögeli, d’Schrubber vo Urdorf, die Urdorfer Knabengesellschaft und die Urdorfer Clique Schäflibach. Auch die Innerschweizer Fasnachtsgrössen Chottlebotzer aus Luzern und die Grunz-Gaischter aus Basel werden erstmals das Dietiker Publikum in Stimmung bringen.

Eine Ehre, meint Baggenstos. «Schliesslich sind wir hier ja Fasnachtsexoten.» Stolz macht ihn, dass immer mal wieder auswärtige Fasnachtsgesellschaften zum Zuschauen kommen und sich staunend und anerkennend äussern. Ins Staunen kommt auch Gardi Kissling: «Wer hätte sich diesen Erfolg beim ersten Umzug 1978 träumen lassen?»

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