Dutzende Zeichnungen von Schulkindern zieren die Schaufenster der Schlieremer Bibliothek. Sie zeigen, was sich die jüngsten Leser für die Zukunft der Bibliothek wünschen: getrennte Bereiche für Kinder und Erwachsene, eine Rutschbahn und viel Raum für Kreativität.

Für Leiterin Monique Roth ist dieser Ausblick besonders wichtig und gar nicht so weit weg von ihren eigenen Vorstellungen. «Dass die Bibliothek ein Treffpunkt für verschiedene Generationen ist, wo sich alle wohlfühlen können, scheint mir fast der wichtigste Punkt zu sein», sagt sie.

Heuer wird das 40-jährige Bestehen der Bibliothek gefeiert. Hierfür haben sich am Samstag, ganz nach Roths Wunsch, Klein und Gross in den Räumen an der Bahnhofstrasse eingefunden. «Wir werden regelrecht überrannt», sagt Roth und blickt glücklich in die klatschende Menge. Gerade treten der Clown Enrique Sáenz und der Musiker Edy Orozco auf.

Der Clown Enrique Sáenz in Action am 40. Jubiläum der Bibliothek Schlieren

Der Clown Enrique Sáenz in Action am 40. Jubiläum der Bibliothek Schlieren

Der Clown Enrique Sáenz führte allerhand Tricks vor.

Medienstand verfünffacht

In den letzten 40 Jahren hat sich in der Schlieremer Bibliothek einiges getan. Die vielleicht augenfälligste Veränderung ist die Grösse. Vor 17 Jahren konnte die Fläche von 200 auf 400 Quadratmeter verdoppelt werden und der Medienbestand hat sich im Laufe der Jahre verfünffacht. Ein grosser Schritt war vor rund 20 Jahren zudem die digitale Erfassung aller Medien, die nun elektronisch abgerufen werden können. «Anfänglich wurde das Recherchieren in den Zettelkästen vermisst», sagt Rothund.

«Heute ist die elektronische Katalogsuche nicht mehr wegzudenken und ermöglicht eine umfassendere Suche im Bestand.» Nach wie vor sei es aber essenziell, dass die Bibliothekarinnen den Bestand und die Präferenzen der Kundschaft gut kennen. Dass junge Menschen heute weniger lesen, kann Roth nicht bestätigen.

«Wir beobachten, dass die meisten Kinder freudig Bücher aussuchen und sich dann entscheiden, welche sie lesen möchten», sagt sie. In der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen gebe es natürlich immer wieder sogenannte Leseknick – Zeiten in denen ihnen andere Beschäftigungen wichtiger seien.

«Uns freut es aber immer wieder, wenn ehemalige Schülerinnen und Schüler als Erwachsene dann wieder in die Bibliothek kommen», so Roth. Diese Beobachtung deckt sich mit der Mike-Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). Sie belegt, dass das Lesen als Freizeitbeschäftigung immer noch weit vorne liegt, sogar noch vor dem «Gamen».
Ein wichtiger Anziehungspunkt der Schlieremer Bibliothek ist auch die Cafeteria, die von vielen Stammkunden aufgesucht wird.

Hier wird Zeitung gelesen oder ein Schwatz gehalten. Auch am Jubiläumsfest schenken die Bibliotheksangestellten fleissig Saft aus. Während sich die Eltern und Grosseltern hier erfrischen, sind die Kinder in ihre Bilderbücher vertieft. Die Gesichter der Kleinen sind sichtlich traurig, als sie ihre Leseecke wieder verlassen müssen.

Doch spätestens in fünf Wochen werden sie wieder hier sein: Schulkinder kommen vom Kindergarten bis zur sechsten Klasse in diesem Abstand in die Bibliothek. An diesen Tagen suchen sie nicht nur Bücher aus. «Sie bekommen immer auch eine Geschichte erzählt, lösen Rätsel, lernen Sprachspiele kennen und bekommen Bücher vorgestellt», erklärt Roth.

Auch viele Oberstufenlehrkräfte besuchen mit ihren Klassen die Bibliothek. Sprachförderung und ein interkulturelles Angebot sei wichtig, sagt Roth. Die Bibliothek verfügt denn nebst deutschsprachigen Büchern auch über Literatur in rund zehn weiteren Sprachen.