Die Ausgangslage: Am 1. Mai 1902 wurde die ab 1895 geplante Zugstrecke zwischen Bremgarten und Dietikon eröffnet. Nun, rund 115 Jahre später, wird wiederum an einem grossen Schritt für die Bremgarten-Dietikon-Bahn (BDB) geplant: Der Streckenteil innerhalb der Stadt Dietikon soll auf Doppelspur ausgebaut werden – insbesondere der Verkehrssicherheit, dem Verkehrsfluss und dem Fahrplan zuliebe. Mithin werden die befahrbaren Strassenspuren breiter, was auch Velofahrern zugutekommt. Heute bleiben die Züge zum Beispiel bei der Haltestelle Stoffelbach immer wieder länger als nötig stehen, weil sie die Gegenzüge abwarten müssen, bevor sie die eingleisigen Abschnitte befahren können.

Gleichzeitig wird die BDB innerhalb der Stadt Dietikon endgültig zur Strassenbahn. Der Ausbau beinhaltet auch 106 Meter lange behindertengerechte Perrons in der Strassenmitte, sodass die Bahn neu mit längeren Zügen (Dreifachtraktion) verkehren kann. Heute ist die BDB maximal in Zweifachtraktion unterwegs.

Wie der Doppelspur-Ausbau auf Stadtgebiet geplant ist, konnten Laien bisher nur werweissen. Das ist jetzt anders: Die Bahnbetreiberin BDWM Transport AG hat ihre Pläne gestern erstmals öffentlich vorgestellt – zusammen mit dem Tiefbauamt des Kantons Zürich. Die Limmattaler Zeitung stellt das Projekt in vier Punkten vor.

Die grössten Änderungen:

Der neue Doppelspur-Bereich beginnt gleich nach der langgezogenen Kurve der Bernstrasse (siehe Grafik rechts), hier noch auf eigenem Trassee zwischen Strasse und Wald. Auf diesem Streckenteil wird auch der unterirdische Tobelbach-Durchlass erneuert. Das Konzept wurde vom Zürcher Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) bereits bewilligt.

Bei der Kreuzung von Bremgartner- und Bernstrasse bleiben die Gleise im Gegensatz zu heute westlich der Strasse, sodass die Bahn nicht mehr über die Kreuzung fährt – und diese nicht mehr blockiert. Ebenfalls noch abseits der Strasse befindet sich die neue Haltestelle Stoffelbach. Auch der Bachdurchlass Stoffelbach wird erneuert, das Konzept dazu ist schon bewilligt.

Gleich nach der Haltestelle Stoffelbach wechseln die beiden neuen Gleise auf die Strassenmitte. Damit das reibungslos klappt, wird der Verkehr hier neu mit Lichtsignalanlagen geregelt. Nach dem Wechsel auf die Strassenmitte fahren die Bahnführer grundsätzlich auf Sicht – so wie Tramführer in der Stadt Zürich. Die Strassensituation präsentiert sich dann wie folgt: östlich ein 2,35 Meter breites Trottoir, mittig das 7,5 Meter breite Kombitrassee für Bahn und restlichen Verkehr und schliesslich westlich ein 1,5-Meter-Radstreifen und ein 2-Meter-Trottoir. Auf dem Rest der Strecke sind die Zahlen etwa gleich, zum Teil sind die Trottoirs breiter.

Bei der Haltestelle Bergfrieden zeigen sich folgende Zahlen: östlich ein 2-Meter-Trottoir, dann ein 4-Meter-Kombitrassee, das 3 Meter breite Perron, ein 3,6-Meter-Kombitrassee, der 1,5-Meter-Radstreifen und wieder ein 2-Meter-Trottoir. Beim neuen Haltestellen-Perron Schöneggstrasse sind die Masse ähnlich.

Zwischen den Haltestellen Bergfrieden und Stoffelbach befindet sich die Kreuzung von Guggenbühl-, Windegg- und Bremgartnerstrasse, die durch einen Kreisel mit Rotlicht ersetzt wird, über den die Bahn fahren wird.

Die übersichtliche Grafik zum Doppelspurausbau: Klicken Sie darauf, um im Vollbildmodus alle Details der Grafik anzuschauen.

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Nach der Einmündung der Schönegg- in die Bremgartnerstrasse fährt die Bahn weiter auf Doppelspur über die Kirchplatz-Kreuzung bis zum Bahnhof Dietikon. Dieser Abschnitt gehört aber nicht zum Doppelspur-Ausbau der BDB, sondern ist Teil der Plangenehmigung der Limmattalbahn. Er wird gleichzeitig mit der Limmattalbahn gebaut.

Von beiden Projekten nicht betroffen ist die Haltestelle Reppischhof ausgangs Dietikon. Die dortige Haltestelle hat schon zwei Gleise und ist genug lang für Züge in Dreifachtraktion – Letzteres gilt übrigens auch für die Haltestellen Rudolfstetten, Rudolfstetten Hofacker und Berikon-Widen.

Die wichtigsten Termine:

Nach Abschluss des Vorprojekts soll das Bau- und Auflageprojekt bis Mitte 2018 fertig sein, woraufhin dann das voraussichtlich zweijährige Plangenehmigungsverfahren beginnt. In der ersten Jahreshälfte 2020 sollen dann die Bau- und Ingenieuraufträge ausgeschrieben werden, sodass voraussichtlich Ende 2021 das Ausführungsprojekt vorliegt. Die Bauarbeiten starten voraussichtlich 2022, damit die Doppelspur 2024 in Betrieb genommen werden kann.

Die Finanzierung:

Total werden die Arbeiten voraussichtlich 36,1 Millionen Franken beanspruchen. Die Strassenarbeiten belaufen sich auf 16,9 Millionen Franken, wovon der Kanton Zürich 11,7 Millionen und der Bund 5,2 Millionen Franken zahlen soll. Die Schienenarbeiten schlagen mit 18,6 Millionen Franken zu Buche, wovon der Kanton Aargau 10,3 Millionen, der Bund 5,7 Millionen und der Kanton Zürich 2,6 Millionen zahlen sollen.

Die Stadt Dietikon wird auch etwas investieren, aber nicht für das Bahnprojekt: Sie wird Werkleitungen sanieren, da die Strasse sowieso aufgerissen wird. Diese werden mit 600 000 Franken zu Buche schlagen. Die erwähnten Bundesgelder kommen daher, dass der Doppelspur-Ausbau zur zweiten Generation des Agglomerationsprogramms des Bundes gehört. Die Gelder dafür haben National- und Ständerat bereits im September 2014 freigegeben. Die Kantonsgelder werden der Aargauer Grosse Rat und der Zürcher Kantonsrat voraussichtlich 2019 bewilligen. Der hohe Aargauer Anteil am Schienenbau ergibt sich durch einen Staatsvertrag, der besagt, dass bei allen Investitionen auf der Strecke Wohlen–Bremgarten–Dietikon der Kanton Zürich 20 Prozent und der Aargau 80 Prozent der Kosten übernimmt – dies nach Abzug der Bundesbeiträge.

Die weitere Zukunft:

Die BDWM Transport AG, die die Bremgarten-Dietikon-Bahn, zahlreiche Buslinien im Limmattal und ab 2022 auch die Limmattalbahn betreibt, hat weitere Visionen, die der Doppelspur-Ausbau ermöglicht. So ist ein Shuttle-Betrieb zwischen den Bahnhöfen Dietikon und Berikon-Widen geplant, der die Strecke zu den Hauptverkehrszeiten entlasten wird und in ferner Zukunft ganztägig betrieben werden könnte. So würde sich dann der heutige werktägliche 15-Minuten-Takt von 6 bis 21 Uhr zwischen Berikon und Dietikon auf 7,5 Minuten verdichten. In einem Visionspapier aus dem Jahr 2013 hielt die BDWM zudem die Idee fest, die Marken Limmattalbahn und Limmat-Bus dereinst unter einer Marke zu vereinen, so etwa als Verkehrsbetriebe Limmattal (VBL). Mehr als eine unverbindliche Papieridee ist das aber noch nicht.

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