Gefällte Bäume, aufgerissener Asphalt und ratternde Baumaschinen zeugen von der Baustelle, auf die viele Bergdietikerinnen und Bergdietiker lange gewartet haben. Seit Oktober läuft nun die Sanierung der Bergstrasse. Nur einen Steinwurf von dieser Hauptschlagader des Bergdietiker Verkehrs entfernt wurde gestern eine weitere Baustelle eingeweiht. Und die geht weit in den Boden hinein. An fünf Punkten soll 350 Meter tief nach unten gebohrt werden. Um in der Tiefe das Gestein zu bezwingen, ist ein Diamant-Bohrkopf nötig.

Das Ziel: Die Überbauung der Stiftung Altersgerechtes Wohnen (AGW) im Schlittental soll künftig mittels Erdsonde-Wärmepumpe statt Heizöl-Verbrennung beheizt werden. Aber nicht nur Senioren werden ab der nächsten Heizperiode mit Wärme aus der Tiefe versorgt. Denn neben den 18 Alterswohnungen umfasst das Gebäude unter anderem die Praxis des Bergdietiker Dorfarzts Claudio Lorenzet.

Gemäss Heinz Schöni, Energieberater und Projektleiter der Regionalwerke Baden, die der Stiftung die neue Heizung im Sommer schlüsselfertig übergeben wird, betrug der Heizölverbrauch der Stiftung bisher 18 000 Liter jährlich, was einem Energiewert von rund 180 000 Kilowattstunden entspreche. Mit der Erdsonde-Wärmepumpe soll nur noch ein Strombedarf von rund 45 000 Kilowattstunden nötig sein.

Rund drei Wochen wird gebohrt

Gerne würde Schöni auch das Gebäudedach in Beschlag nehmen, um darauf eine Photovoltaikanlage zu bauen. Der Stiftungsrat hat diese Idee geprüft, kam aber zum Schluss, dass das derzeit noch zu teuer wäre. Die 300 000 Franken, die die Stiftung für die Erdsonden-Wärmepumpe ausgibt, seien schon ein grosser Brocken. Sinken die Preise und erhöht sich der Wirkungsgrad von Photovoltaik-Anlagen, werde man das aber nochmals prüfen, sagte der Alt-Gemeinderat und Stiftungsratspräsident Urs Vogel.

Vertreter des Stiftungsrats, des Gemeinderats und der beteiligten Unternehmen trafen sich gestern, um auf den Anfang der Bohrarbeiten anzustossen. Diese werden rund drei Wochen dauern. In dieser Zeit hat es vor dem AGW etwas weniger Parkplätze. Eines der Bohrlöcher befindet sich genau auf einem Parkplatz. Im Sommer, ausserhalb der Heizperiode, wird dann die Heizung ausgewechselt. Auch während der Bauzeit sind warme Wohnungen und warmes Wasser garantiert.

Ebenfalls vor Ort war Werner Weibel, Präsident der katholischen Kirchenpflege. Als Herr über das 20 Jahre alte katholische Pfarreizentrum, das von Anfang an auf eine Erdsonde-Wärmepumpe setzte, meinte er: «Es freut uns, dass nun auch unser grosser Nachbar diesen Schritt tut.»

Auch Heinz Schöni zeigte sich erfreut. «Ich bin überzeugt, dass sich künftige Generationen denken werden, dass der Stiftungsrat hier einen guten Entscheid getroffen hat.»