Zürcher Obergericht
310'000 Franken erschlichen: Therapie statt Gefängnis für Sozialbetrüger

Der Birmensdorfer kassierte während vier Jahren widerrechtlich Sozialbeträge für rund 310000 Franken ein. Nachdem er bereits zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden war, erliess das Gericht die Strafe nun zugunsten einer Therapie.

Attila Szenogrady
Merken
Drucken
Teilen
Das Züricher Obergericht hat zugunsten des Betrügers entschieden. (Symbolbild)

Das Züricher Obergericht hat zugunsten des Betrügers entschieden. (Symbolbild)

Keystone

Glück für einen Birmensdorfer Familienvater, der Arbeitslosengelder sowie Sozialleistungen für rund 310'000 Franken ertrogen hat. Das Obergericht schob eine Freiheitsstrafe von 27 Monaten zugunsten einer ambulanten Psychotherapie auf.

Die happigen Vorwürfe gegen den heute über 50-jährigen Berater aus Birmensdorf waren vor Obergericht nicht mehr bestritten. So hatte er ab Sommer 2004 bis zum September 2008 immer wieder in grossem Stil widerrechtlich Arbeitslosengelder sowie andere Unterstützungsbeträge einkassiert.

Erfundene Arbeitsstelle

Zuerst führte der vorbestrafte Betrüger die Unia Dietikon hinters Licht, indem er sich als Erwerbsloser meldete und angab, dass er bei einer Chemiefirma eine gut bezahlte Arbeitsstelle verloren habe.

Er gab dabei einen versicherten Monatsverdienst von rund 8800 Franken an und erhielt dank dieser freien Erfindung und gefälschten Dokumenten bis zum Januar 2006 Entschädigungen von rund 130'000 Franken.

Verbindung zum Rotlicht-Milieu

Ab März 2007 prellte der Beschuldigte eine weitere Arbeitslosenkasse und sahnte weitere 125'000 Franken ab. Danach ertrog er mit einer falschen Unfallmeldung zusätzlich 50'000 Franken. Heute ist klar, dass der Beschuldigte nicht auf eigene Faust handelte, sondern im Auftrag der inzwischen verstorbenen Zürcher Milieu-Figur Felix D. (Name der Redaktion bekannt). Dieser hatte seinen Birmensdorfer Bekannten zu den krummen Geschäften überredet und einen Teil der Beute für sich eingesteckt.

Allerdings im Rahmen eines Teamworks, wie der Limmattaler vor Gericht einräumte. So fuhr er auch nach dem Ableben von Felix D., der an einer Überdosis Kokain verstorben war, mit den Delikten fort. Bis er einer misstrauisch gewordenen Arbeitslosenkasse zuvorkam und sich selber anzeigte.

Zuerst 27 Monate Gefängnis

Im Oktober 2012 musste sich der geständige Betrüger vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Er erhielt damals eine unbedingte Freiheitsstrafe von 27 Monaten. Die Richter gestanden dem psychisch angeschlagenen Täter eine ambulante Therapie zu. Allerdings nur im Rahmen des Strafvollzugs.

Die Verteidigung legte Berufung ein und forderte vor Obergericht nicht nur eine deutliche Strafsenkung auf noch 17 Monate, sondern auch den Aufschub der Sanktion zugunsten der bereits angelaufenen Psychotherapie. «Der Vollzug wäre für mich eine Katastrophe», führte der Beschuldigte aus. Schliesslich habe er sich wieder aufgerappelt.

Letzte Chance

Die Oberrichter gaben dem Beschuldigten eine letzte Chance und schoben die Strafe zugunsten der Psychotherapie auf. Dem Familienvater kam zugute, dass er sich seit Jahren wohl verhält und seine Persönlichkeit laut Obergericht stabiler geworden ist. Es mache wenig Sinn, den Beschuldigten, der heute in der Kosmetikbranche arbeitet, aus einer günstigen Entwicklung herauszureissen, sagte ein Oberrichter.