Einen ersten Vorgeschmack gab es bereits: So hingen zuletzt unter anderem am Zürcher Hauptbahnhof halbe Plakate. «Eine halbe Li macht», war dort zu lesen. Gestern kam die zweite Hälfte der Plakate hinzu. «Eine halbe Limmattalbahn macht keinen Sinn», heisst es jetzt. Es ist die Kernbotschaft der Limmattalbahn-Befürworter. Sie werben für ein Nein zur Stopp-Initiative, die am 23. September im Kanton Zürich an die Urne kommt und die die zweite Bahnetappe von Schlieren bis zum Bahnhof Killwangen-Spreitenbach verhindern will. Bei der ersten Abstimmung 2015 hatte das Volk des Kantons Zürich der Bahn zugestimmt. Der Bezirk Dietikon sagte Nein.

Josef Wiederkehr, Präsident des Industrie- und Handelsvereins Dietikon und CVP-Kantonsrat, erklärt, wieso die Limmattalbahn gut ist für die Wirtschaft und die Bevölkerung

Josef Wiederkehr, Präsident des Industrie- und Handelsvereins Dietikon und CVP-Kantonsrat, erklärt, wieso die Limmattalbahn gut ist für die Wirtschaft und die Bevölkerung.

«Ab sofort sind wir kantonsweit präsent mit unseren Plakaten», sagte Kampagnenleiterin Jasmina Ritz gestern beim Kampagnen-Startschuss des Komitees «Nein zur halben Limmattalbahn». Es hat drei Kernbotschaften: Neben der Sinnlosigkeit und dem kantonalen Volks-Ja erwähnte Ritz, dass mit einem Stopp viele in die Planung investierten Steuergelder aus dem Fenster geschossen würden.

Kampagnenleiterin Jasmina Ritz erklärt, wie die Befürworter für die Limmattalbhan kämpfen wollen und sie sagt, wie hoch ihr Spendenziel ist

Kampagnenleiterin Jasmina Ritz erklärt, wie die Befürworter für die Limmattalbahn kämpfen wollen und sie sagt, wie hoch ihr Spendenziel ist.

Schlieremer Projekte wie der vom Volk bewilligte und bald fertiggestellte Stadtplatz müsste man bei einem Stopp als «Auswuchs gigantischer Fehlplanung» ansehen, sagte der Schlieremer alt Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP).

Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) erklärt, wieso der Dietiker Stadtrat für die Limmattalbahn ist, obwohl das Dietiker Stimmvolk 2015 dagegen war

Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) erklärt, wieso der Dietiker Stadtrat für die Limmattalbahn ist, obwohl das Dietiker Stimmvolk 2015 dagegen war.

Der Dietiker Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) sagte, die Bahn sei ein wichtiges städtebauliches Element. Denn Dietikon hat entlang des Bahntrassees viel alte Bausubstanz. Projekte zur Siedlungserneuerung gebe es bereits. «Der Stopp der Limmattalbahn würde der positiven Dynamik den Schwung nehmen», so Bachmann. Auch die Entwicklung von Urdorf, Spreitenbach und Killwangen sei auf die Bahn abgestimmt, sagte zudem der Dietiker alt Stadtpräsident Otto Müller (FDP).

Rosmarie Joss (SP), Präsident der Kantonsratskommission für Energie, Verkehr und Umwelt (Kevu), erklärt, wieso ihre Kommission geschlossen gegen die Stopp-Initiative ist und was sie an den Limmattalbahn-Gegnern besonders stört

Rosmarie Joss (SP), Präsident der Kantonsratskommission für Energie, Verkehr und Umwelt (Kevu), erklärt, wieso ihre Kommission geschlossen gegen die Stopp-Initiative ist und was sie an den Limmattalbahn-Gegnern besonders stört.

«Handelsrouten, die entsprechende Infrastruktur und Verkehrswege sind seit Jahrhunderten, ja gar Jahrtausenden, ein Garant für Wohlstand», sagte der Dietiker CVP-Kantonsrat und Präsident des Dietiker Industrie- und Handelsvereins, Josef Wiederkehr. Das Gesamtverkehrsprojekt Limmattalbahn mit den ergänzenden Strassenmassnahmen löse viele Limmattaler Stau-Probleme.

NEUES VIDEOS VERWENDEN Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Die Redaktoren der Limmattaler Zeitung sind die künftige Strecke schon einmal abgefahren respektive abgelaufen.

Ob die Strassenmassnahmen ohne die Limmattalbahn überhaupt funktionieren oder nicht sogar das Chaos verschlimmern würden, fragte Rosmarie Joss (SP), die Dietiker Präsidentin der Kantonsratskommission für Energie, Verkehr und Umwelt (Kevu). Sie hielt fest, dass die Dietiker Stimmbevölkerung im März die Chance hatte, den Limmattalbahn-Gegner Bernhard Schmidt (parteilos) in den Stadtrat zu wählen. «Sie hat sich demokratisch dagegen entschieden», so Joss.

Kantonsrat Martin Neukom (Grüne, Winterthur) verwies darauf, dass das Stadtzürcher Volk 2015 der Bahn klar zustimmte. Es handle sich nicht nur um eine Limmattaler Angelegenheit.

Gewerbeverband ist auch dabei

Beim Komitee gegen die Stopp-Initiative sind unter anderem 22 Verbände und Parteien dabei, darunter der kantonale KMU- und Gewerbeverband und der Gewerbeverband Limmattal, wie Ritz betonte. Auch Kantons- und Regierungsrat hatten sich für die Bahn ausgesprochen.
Das Spendenziel der Kampagne belaufe sich auf 300 000 Franken, wie Ritz gestern sagte. Erreicht sei es noch nicht. Neben der Plakatwerbung nutze man unter anderem die eigene Website und die sozialen Medien. Auf Facebook haben die Bahn-Befürworter 185 Likes (Stand am Dienstagabend). Auf den sozialen Medien werde es noch eine Überraschung geben, so Ritz.

Am 27. August unterzeichnen zudem Vertreter aus Politik und Wirtschaft ein Manifest für die Limmattalbahn.