In diesen Tagen streifen sie vermehrt durch die Wälder: die Pilzsammler. Ausgerüstet mit einem Korb, geeignetem Schuhwerk und einer guten Spürnase sind die fleissigen Sammler auf der Suche nach essbaren Pilzen. Ob in einem Risotto, mit Hackfleisch gefüllt oder auf einem Salat garniert, die Aussicht auf eine leckere Mahlzeit lockt derzeit viele Menschen in die Natur.

«Bis jetzt ist die Saison gut angelaufen», sagt Hans-Peter Neukom, Sekretär der Schweizerischen Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane (VAPKO). Die starken Niederschläge im Juli hätten dazu geführt, dass die Pilze sprichwörtlich aus dem Boden geschossen seien. «Die Pilzkontrolleure hatten bereits vor den offiziellen Öffnungszeiten viel zu tun», sagt Neukom. In grösserer Anzahl seien vor allem die allseits beliebten Steinpilze und Eierschwämme gewachsen. Dem stimmt auch Norbert Walker, Pilzkontrolleur für die Gemeinden Urdorf, Uitikon, Birmensdorf und Aesch, zu. Seit dieser Woche hat er in der Pilzkontrollstelle in Urdorf seine Arbeit aufgenommen. Viele, so Walker, seien mit Steinpilzen und Eierschwämmen von den Ferien aus dem Bündnerland, dem Schwarzwald oder dem Tessin zurückgekehrt. «In unserer Region sind Steinpilze aber zurzeit sehr schwach vertreten», sagt er. Je nach Wetter könne sich die Situation in 14 Tagen bereits ändern.

Im Limmattal würden Pilzsammler vor allem auf Täubling, Reizker, Lärchen-Röhrling, Semmel-Stoppelpilz und Bovist stossen. «Die Artenvielfalt ist im Moment gross», sagt der Pilzkontrolleur. Denn die Feuchtigkeit und die Wärme haben das Wachstum begünstigt. Der feuchte Boden, so VAPKO-Sekretär Hans-Peter Neukom, habe bewirkt, dass essbare Herbst-Pilze wie die Herbst-Trompete und der Durchbohrte Leistling früher als erwartet in den Wäldern wachsen. Ob diese Pilze im Herbst einen zweiten Wachstumsschub erfahren, sei schwierig vorauszusehen. «Der weitere Saisonverlauf ist abhängig von der Trockenheit und der Bise, die beiden grössten Feinden des Fruchtkörpers», führt Neukom weiter aus.

In der Schweiz sind rund 5500 Grosspilzarten – Pilze, die mit blossem Auge sichtbare Fruchtkörper bilden – dokumentiert (siehe Infobox «das Reich der Pilze»). Pilze gehören zu den ältesten bekannten Lebewesen der Welt und erscheinen in allen möglichen Formen und Farben. Fasziniert von dieser Vielfalt ist Pilzkontrolleur Norbert Walker. Ein bis zwei Mal pro Woche streift er durch die Wälder auf der Suche nach Pilzen. «Für mich ist es mehr ein Genuss für das Auge. Ein volles Körbli interessiert mich weniger», sagt der Urdorfer.

Wer in die Natur «pilzlen» geht, der muss die Pilzschutzverordnung des Kantons Zürich beachten (siehe Infobox «Pilze sammeln»). Walker empfiehlt Anfängern, sich dem Pilzreich Schritt für Schritt zu nähern: «Unkundige Sammler sollten sich zu Beginn auf wenige Pilzarten beschränken.» Auch rät er, unbekannte Pilze separat vom Sammelgut zu halten. «Plastiksäcke sind aber ungeeignet», sagt der Pilzkontrolleur. Benutzt werden sollten Körbe, die eine gute Durchlüftung gewährleisten. Sekretär Hans-Peter Neukom weist zudem darauf hin, auf giftige Doppelgänger zu achten. So sei die Verwechslungsgefahr von essbaren grünen Täublingen mit dem hochgiftigen Grünen Knollenblätterpilz gross. Auch der zurzeit gehäuft vorkommende giftige Pantherpilz könne gerne mit dem essbaren Perlpilz verwechselt werden. «Anfänger, aber auch gestandene Pilzsammler, sollten daher immer ihr ganzes Sammelgut einem ausgewiesenen Pilzkontrolleur vorlegen», sagt er.

Wer sich vom Sammelfieber anstecken lassen oder mehr über Pilze erfahren möchte, der kann sich in der Region beispielsweise dem Pilzverein Dietikon oder dem Verein für Pilzkunde Schlieren anschliessen. Seit Anfang August treffen sich die Mitglieder von Letzterem zum Bestimmungsabend. Einmal pro Woche werden die gesammelten Pilze anhand der Anweisungen der technischen Kommission studiert und bestimmt. Die Abende und die Ausflüge, die der Schlieremer Verein periodisch organisiert, sind nicht ausschliesslich für Mitglieder bestimmt: «Gerne dürfen auch Interessierte vorbeischauen», sagt Vizepräsidentin Adeline Tomaschett.