Der heute 35-jährige IT-Manager hinterliess vor Gericht einen selbstsicheren Eindruck. «Wir wollten nur miteinander schlafen», erklärte der erfolgreiche Ökonom, der einen Jahresverdienst von 158 000 Euro nach Hause trägt. Hinzu kommen noch Boni in unbekannter Höhe. Er sei jedenfalls absolut unschuldig, bekräftigte er wiederholt und stellte seine Ex-Freundin als gewaltbereite und unberechenbare Person hin.

Anders sah es der zuständige Staatsanwalt, der dem Beschuldigten eine Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, Entführung, versuchte Nötigung und diverse weitere Delikte anlastete. Sein Strafantrag auf dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe unbedingt fiel dementsprechend hoch aus.

Die Anklage ging auf den 12. August 2010 zurück. Damals holte der Beschuldigte seine Ex-Freundin an ihrem Arbeitsplatz im Kanton Basel mit seinem Personenwagen ab, um ein angeblich kurzes Gespräch über das gemeinsame Kind zu führen.

Fest steht, dass der Beschuldigte mit der Geschädigten losfuhr und sich plötzlich in Richtung Autobahn bewegte. Dann begab er sich an seinen Wohnort im Limmattal, wo er seine körperlich weit unterlegene Ex-Partnerin in seine Wohnung trug und sie für mehrere Stunden lang dort einsperrte.

Laut Anklage warf er sie plötzlich auf das Bett und zwang sie gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr. Nach der Vergewaltigung forderte er sie auf, ihren neuen Freund anzurufen und mit diesem die Beziehung zu beenden. Allerdings ohne Erfolg. Kurz darauf flüchtete die Frau auf den Balkon und schrie um Hilfe. Bis er sie packte und zurück in die Wohnung stiess. Erst danach liess der Beschuldigte die Geschädigte wieder frei. Worauf sie Strafanzeige erstattete und er danach 29 Tage in Untersuchungshaft verbrachte.

Freispruch verlangt

Der Verteidiger verlangte einen vollen Freispruch und machte eine Racheaktion der heutigen Privatklägerin geltend. Es habe sich dabei um das umstrittene Besuchsrecht für das gemeinsame Kind gehandelt. Auch sei eine Retourkutsche für ein früheres Fremdgehen seines Klienten denkbar, plädierte der Anwalt.

Zum Schluss obsiegte in weiten Teilen der Staatsanwalt. Das Gericht verurteilte den Beschuldigten in den meisten Anklagepunkten und setzte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten fest. Sechs Monate davon soll der IT-Manager absitzen. Zudem soll er seiner Ex-Partnerin ein Schmerzensgeld von 10 000 Franken bezahlen.

Die Geschädigte habe übereinstimmende, plausible und glaubhafte Aussagen gemacht, erklärte der Vorsitzende Stephan Aeschbacher bei der Urteilseröffnung. Zudem habe die Privatklägerin ihr teilweise unvorteilhaftes Verhalten zugegeben. So habe sie beim Beschuldigten eine Vase zertrümmert und mit ihm noch einen Monat vor dem Vorfall freiwillig geschlafen. Obwohl sie schon damals mit dem neuen Freund zusammen gewesen sei.

Weiter habe eine Anwohnerin beobachtet, wie die Geschädigte auf dem Balkon um Hilfe geschrien habe.

Das Gericht ortete pure Machtdemonstration als Tatmotiv. «Der Beschuldigte konnte sich mit der Trennung einfach nicht abfinden», brachte Aeschbacher den umstrittenen Fall auf den Punkt.

Der bisher erfolgsverwöhnte Ökonom nahm den Entscheid sichtlich aufgebracht entgegen. Er musste vom Vorsitzenden Aeschbacher energisch zur Ruhe ermahnt werden. Eine Berufung scheint sicher wie das Amen in der Kirche.