Birmensdorf
30-jähriges Jubiläum: Wie ein Laientheater Geschichte schreibt

Vor 30 Jahren wurde die Theatergruppe geboren – jetzt kehrt sie zu ihren Anfängen zurück.

Jefimija Djukic
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2009: Die Theatergruppe Birmensdorf führt «Die unglaublichi Gschicht vom gstohlne Stinkerchäs» auf. Christian murer

2009: Die Theatergruppe Birmensdorf führt «Die unglaublichi Gschicht vom gstohlne Stinkerchäs» auf. Christian murer

Christian Murer

Zuerst ging es nur darum, Theater zu spielen anlässlich einer Aufführung des Frauen- und Männerchors. Doch was einer bescheidenen Abendunterhaltung dienen sollte, wurde bald zu ihrer grossen Passion. Denn kaum hatte sich der Vorhang geschlossen, war dem damaligen Regiesseur Kurt Rohner klar: «Jetzt gründen wir eine Theatergruppe.» Das war der Beginn der Theatergruppe Birmensdorf.

Dieses Jahr steht bereits das 30-jährige Jubiläum an. Zu dessen Ehren wird die Theatergruppe das Stück «S’neue Stüür-gsetz» aufführen, welches 1987 die allererste Mundartkomödie des Laientheaters war. Sie wurde unter dem Patronat des Birmensdorfer Kulturkreises gespielt, Regie führte Rohner. Das Stück erwies sich als voller Erfolg und wurde ausgesprochen gut besucht. Schon bald erfreute sich die Gruppe nicht nur in Birmensdorf, sondern auch im gesamten Limmattal grosser Bekanntheit.

1987: S’ neue Stüürgsetz.

1987: S’ neue Stüürgsetz.

zvg

Mit verantwortlich für den Erfolg ist nicht zuletzt Hildegard Rüttimann, seit 2005 Präsidentin des Vereins. Sie ist schon seit der ersten Aufführung dabei und war schon immer ein wichtiges Mitglied der Gruppe. Bei fast allen Aufführungen wirkte sie als Schauspielerin mit, meist übernahm sie grossen Rollen. So etwa 1994 beim Stück «Katharina die Kühne»: Rüttimann spielte die vorwitzige Putzfrau Katharina, die im Alleingang einen Mord aufklärt und dabei selber in Todesgefahr gerät. «Es war eine Herausforderung, aber trotzdem eine lustige Komödie und ich konnte mich in die Rolle gut hineinversetzen», erzählt sie.

1996: Tante Jutta.

1996: Tante Jutta.

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«Männer sind ängstlicher»

Eine Herausforderung für Rüttimann ist es immer wieder, Männer für die Gruppe zu finden. «Viele Theatergruppen haben grosse Probleme, da die Männer markant in der Unterzahl sind» sagt sie. «Männer sind auf der Bühne in der Regel ängstlicher als Frauen.» Da die Theatergruppe 2016 beim Stück «Frauepower» zu wenig männliche Schauspieler hatte, schlüpfte eine Frau in die Rolle des Brauereibesitzers Karl Fässler. Das Stück thematisierte ein politisches Thema auf witzige Art und Weise. Eine Frauengruppe in den 1980er- Jahren kandidiert für die Gemeinderatswahlen – was längst nicht allen Männern passt. Die Aufführung wurde unter anderen vom Birmensdorfer Gemeindepräsidenten Werner Steiner gelobt.

Die Birmensdorfer Gemeinde war schon früh eng verbunden mit der Theatergruppe. So fragte der Gemeinderat an, ob die Gruppe eine amüsante Geschichte habe, die in der Patengemeinde Brienz aufgeführt werden könne, wie Rüttimann erzählt. «Mit Chuchi Ateil» folgte 2000 dann die erste auswärtige Aufführung. «Wir packten unsere Siebensachen und fuhren gemeinsam mit dem Auto los. In Brienz angekommen, ernteten wir kuriose Blicke, da wir bereits verkleidet waren und einen künstlichen Papagei im Gepäck hatten», sagt Rüttimann und lacht.

2012: Bi üs klemmt gar nüt.

2012: Bi üs klemmt gar nüt.

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Starker Zusammenhalt

Obwohl sie viele amüsante Erlebnisse teilen, nehmen die Schauspieler ihre Aufgabe durchaus ernst. Denn hinter einer Aufführung steckt viel harte Arbeit. Die Proben beginnen jeweils nach den Herbstferien, dann wird bis Mitte Dezember einmal pro Woche geprobt. Anfang Januar muss dann alles ohne Skript sitzen. Während den Proben laufe nicht immer alles rund, verrät Rüttimann. «Es gab schon Momente, in denen ich das Handtuch werfen wollte. Aber der Zusammenhalt im Team ist stark. Wir motivierten uns gegenseitig, auch in schwierigen Phasen», sagt sie. Die Gruppe treffe sich auch privat. Jedes Jahr gibt es einen Ausflug, wobei zukünftige Aufführungen besprochen werden. Das neue Stück wird jeweils vor den Sommerferien geplant. Die Schauspieler können sich dabei alle mit Vorschlägen einbringen.

Inspiration aus Politik und TV

Ein gutes Theaterstück zu finden, sei gar nicht so einfach, sagt Rüttimann. Inspiration könne man beispielsweise in Politikberichterstattungen oder beim Fernsehen finden. So entstand auch das Stück «Bi üs chlemmt gar nüt», das 2012 auf die Bühne kam. Rüttimann sah die Komödie auf einem deutschen Sender und war begeistert. Sie rief sofort den Theaterverlag an, um das Skript des Stücks zu erhalten. «Das gesamte Skript war auf Bayerisch. Ich habe dann alles ins Schweizerdeutsche übersetzt», erzählt sie.

Als Rüttimann mit der Idee ankam, das alte Stück «S’neue Stüürgsetz» zum Jubiläum nochmals aufzuführen, hielt sich die Begeisterung der Gruppe zuerst in Grenzen. «Meine Kollegen waren erst einmal skeptisch, ob sie die Rollen genauso gut spielen können wie ihre Vorgänger», sagt Rüttimann. «Denn es war nicht nur unser erstes Stück, sondern auch unser Durchbruch. Doch jetzt freuen sie sich umso mehr auf diese Aufgabe.» Manch einer der ehemaligen Schauspieler wird die Aufführung als Zuschauer begutachten. «Ich hoffe, sie werden nicht dazwischenrufen, falls jemand einen Texthänger haben sollte», sagt Rüttimann und lacht.

Die Aufführung findet am 17., 18., 23., 24. und 25. März jeweils um 20 Uhr im Gemeindezentrum Brüelmatt in Birmensdorf statt.