Die Bilder haben sich tief in das Gedächtnis eingebrannt: Tausende von Flüchtlingen strandeten im August auf ihrem Weg nach Europa auf der griechischen Insel Kos. Tage- und wochenlang lebten sie eingepfercht in einem Fussballstadion, Bevölkerung und Behörden waren innert kurzer Zeit völlig überfordert. «Wir wollten diesem Elend nicht länger zusehen», sagt der Dietiker Fabian Hauser. Zusammen mit zwei Bekannten aus der Stadt und zwei Bergdietikern gründete er den Verein «Jetzt – Helfer helfen Helfern», der künftig Hilfe vor Ort leisten will.

Ab morgen Freitag bis und mit Dienstag sammelt der Verein im Raum ONE an der Bremgartnerstrasse 23 in Dietikon Sachspenden aus der Bevölkerung, um sie anschliessend auf Kos an Flüchtlinge zu verteilen. Hauser und seine Mitstreiter haben auf der Vereins-Website eine Liste von Gütern erstellt, an denen es auf Kos mangelt. «Wir haben uns bei der privaten Hilfsorganisation ‹KOS Solidarity› darüber informiert, was wir sammeln sollten», so Hauser (siehe Kontext). Am dringendsten ist das Bedürfnis nach Schlafsäcken, Decken, Hygieneartikeln, Rucksäcken und Spielsachen – entgegen der landläufigen Vorstellung gehören Kleider derzeit noch nicht dazu.

Es ist Platz für drei Kubikmeter

Den Transport bewerkstelligt die österreichische Organisation «Griechenlandhilfe.at», die monatlich Hilfstransporte organisiert. In deren Lastwagen ist Platz für drei Kubikmeter Hilfsgüter aus Dietikon reserviert. Doch was gedenkt der Verein zu tun, wenn so viele Spenden zusammenkommen, dass dies nicht ausreicht? «Kein Problem», sagt Hauser, «dann würden wir einfach Platz im nächsten Transporter reservieren. So leicht kommen wir nicht ans Limit.»

Angesichts der gegenwärtigen Flüchtlingssituation auf dem Balkan, in Ungarn oder auch in Österreich mutet es auf den ersten Blick seltsam an, dass sich «Jetzt – Helfer helfen Helfern» mit ihrer Aktion auf die Insel Kos konzentrieren. Doch diese Wahl ist wohlüberlegt, wie Hauser sagt: «Auf dem Festland leben mehr Menschen. Deshalb werden die Flüchtlinge dort von privaten Initiativen bereits breit unterstützt.» Zwar würden auch die rund 34 000 Einwohner auf Kos helfen, wo sie können. Doch nachdem dort innert weniger Wochen schätzungsweise zwischen 50 000 und 60 000 Flüchtlinge angekommen seien, sei deren Versorgung immer schwieriger geworden. «Viele der Flüchtlinge leben am Strand, das macht die sanitäre Situation sehr schwierig. Dazu kommt, dass auf einer Insel Hygieneartikel schneller ausgehen als auf dem Festland», so Hauser. Von den bekannten Hilfsorganisationen seien zudem bisher nur die «Ärzte ohne Grenzen» vor Ort. Die Bevölkerung brauche daher dringend Hilfe, um die Versorgung der Gestrandeten längerfristig gewährleisten zu können, sagt der selbstständigerwerbende Audio- und Designentwickler.

Der Verein beschränkt sich aber nicht nur auf das Sammeln und Organisieren: Vier Mitglieder werden in ihren Herbstferien vor Ort mitanpacken. Eigentlich habe er mit seiner Partnerin und deren Tochter nach Mailand fahren wollen, sagt Hauser: «Nun haben wir aber beschlossen, nach Kos zu fliegen, um sicherzustellen, dass die Spenden am richtigen Ort ankommen. Fünf Tage lang werden dort wir zudem Helfer unterstützen.»

Der Entscheid bewegte den Verein «Jetzt – Helfer helfen Helfern» dazu, neben Sach- auch Geldspenden zu sammeln. Die Flugtickets der Flüchtlingshelfer kosten je rund 1000 Franken. Dazu kommen 1000 Franken für den Transport der drei Kubikmeter an Sachspenden, die sie in den kommenden Tagen zu sammeln hoffen. Scheitert die Spendenaktion also, wenn diese 5000 Franken nicht zusammenkommen? «Nein», sagt Hauser wie aus der Pistole geschossen, «dann springen wir selbst in die Bresche.»