Die schlechte Nachricht: Die 270 Millionen Franken, die das Stimmvolk der Spital-Zweckverbandsgemeinden im September 2013 für das Neubauprojekt «LimmiViva» bewilligt hatte, reichen nicht aus. Die gute Nachricht: Sie reichen nicht aus, «weil das ‹Limmi› viel erfolgreicher war, als wir uns das 2011 vorstellen konnten», wie Spitaldirektor Thomas Brack am Mittwoch den Delegierten der Trägergemeinden des Spitalverbands erklärte.

Denn der grösste Brocken der insgesamt 9,5 Millionen Franken, die nun zusätzlich für das Neubauprojekt selbst sowie damit verbundene Vorhaben hermüssen, ist darauf zurückzuführen, dass das Spital viel stärker ausgelastet ist als erwartet und auch nichts darauf hinweist, dass sich dies so bald ändern wird.

Heute beschäftige das Spital 300 Leute mehr als 2011, als die Pläne für das neue Spital erstellt wurden, so Brack. Die Gründe für das starke Wachstum: eine älter werdende Gesellschaft, damit verbunden komplexere Krankheitsbilder und die Tendenz, dass die Menschen häufiger ein Spital aufsuchen als in Zeiten, in denen noch jeder einen Hausarzt hatte. «Das neue Spital wird vom ersten Tag an pumpenvoll sein», so Brack. So steht heute auch schon fest, dass von den zehn Prozent an strategischen Freiflächen bereits sieben Prozent verplant sind. «Ich kann Ihnen also versichern, wir planen hier nichts auf Vorrat.»

Die Delegierten konnten dies nachvollziehen und bewilligten den grössten Nachkredit von 3,2 Millionen Franken einstimmig. Dieses Geld ist zusätzlich zu den im ursprünglichen Kredit enthaltenen 28 Millionen für die Ausrüstung des Neubaus nötig, also für das Zügeln, für neues Mobiliar sowie für die Informations- und Medizintechnik. Man habe sich bis zur Decke gestreckt, um die Zusatzkosten tief zu halten, und auf Neues verzichtet, soweit es gehe, erklärte Brack – doch irgendwo habe das Sparen auch Grenzen. Schliesslich will man auch als Arbeitgeber attraktiv bleiben. Und: «Wenn das Zügeln von altem Mobiliar teurer wird als das Anschaffen von neuem, ist das auch nicht gerade sinnvoll», fügte Spitalpräsident Markus Bärtschiger an.

Schadstoffsanierung wird teurer

Weitere 2,5 Millionen Franken hatte der Spitalverwaltungsrat bereits gesprochen. Diese gebundene Ausgabe braucht es für die Sanierung der Schadstoffe, die beim Rückbau der alten Gebäude zutage gekommen sind. Dafür übernimmt der Totalunternehmer Losinger Marazzi, an den sonst fast alle finanziellen Risiken der Projektumsetzung übertragen wurden, keine Haftung. Ausgegangen war man ursprünglich von 900 000 Franken für die Schadstoffbeseitigung, tatsächlich schlagen sie nun aber mit fast fünf Millionen Franken zu Buche. Zusätzlich zum vom Verwaltungsrat gesprochenen Geld müssen deshalb rund 2,2 Millionen Franken der im 270-Millionen-Kredit enthaltenen Reserve entnommen werden. Dieser wird zudem rund eine Viertelmillion für die Herstellung von Chemotherapie-Medikamenten entnommen. Damit ist nun rund die Hälfte der fünf Millionen schweren Reserve verplant.

Ebenfalls einstimmig bewilligten die Delegierten einen vom 270-Millionen-Kredit separaten Kredit über 3 Millionen Franken für den neuen Stützpunkt des Rettungsdiensts. Dieser muss, wenn es 2018 an den Rückbau des alten Spitals geht, aus seinem dortigen Provisorium weichen. Er wird auf dem heutigen Parkplatz im Nordwesten des Spitalareals gebaut, gleich neben der künftigen Haltestelle der Limmattalbahn. Die Nutzungskosten sollen gegenüber heute von 176 000 auf 180 000 Franken leicht steigen. Allerdings ist die allgemeine Entwicklung des Rettungswesens im Kanton Zürich noch mit Unsicherheiten behaftet. Mitte 2018 treten strengere Anforderungen an die Rettungsdienste inkraft, wobei noch nicht alle Details geklärt sind.

Mit weiteren 800 000 Franken schlägt die Teuerung zu Buche. Die neuerlichen Investitionen könne sich das Spital aber leisten, wie der jährlich angepasste Businessplan zeige, so Brack. Durch die Anpassungen wurde dieser robuster, da er nun die Realität besser widerspiegle, zudem sei das Rating des Spitals mit A+ weiterhin gut und werde als «stabil» eingeschätzt, was wichtig für die Refinanzierung der aufgenommenen Kredite ist. Auch baulich sei man erstaunlich gut auf Kurs, so Bärtschiger, sodass der geplanten Eröffnung des «LimmiViva» im Herbst 2018 nichts im Wege stehen dürfte.