Mit 65 Prozent lehnten die Stimmberechtigten die Initiative zwar klar ab, aber die Diskussion eines eigenen Bezirks im Limmattal war damit noch nicht vom Tisch. Noch heute lamentieren die damaligen Befürworter der Initiative darüber, dass die Schaffung des Bezirks Dietikon nur unnötige Kosten verursacht habe.

Limmattal war gegen Bezirk

Die «Abschaffungsinitiative» von 1988 war die Krönung einer jahrelangen Auseinandersetzung, die 1954 ihren Anfang nahm. Damals gab es im Kantonsrat einen ersten Vorstoss zur Bildung eines Bezirks im zürcherischen Limmattal. Erst im Jahr 1985 dann stimmte der Kanton Zürich über dieses Vorhaben ab. Die Initiative wurde mit 155 080 zu 114 543 Stimmen angenommen. Für eine grosse Überraschung sorgte aber, dass alle elf betroffenen Gemeinden im Limmattal gegen die Vorlage gestimmt hatten.

«Da habe ich beschlossen, dass wir etwas tun müssen», sagt der Uitiker Werner Dörig, der damals Statthalter des Bezirks Zürich war. Er sagt, die Bevölkerung im Kanton Zürich hätte fälschlicherweise angenommen, die Limmattaler wünschten sich ihren eigenen Bezirk. Nur habe sich nach der Abstimmung gezeigt, dass die Limmattaler weiterhin zum Bezirk Zürich gehören wollten, fährt Dörig fort. Zusammen mit dem Dietiker Kantonsratskollegen Hans Wiederkehr gab Dörig den Anstoss für die Lancierung einer Volksinitiative. Sie wollten den neu gebildeten Bezirk wieder aufheben.

Ihr Vorhaben scheiterte. Die Zürcher Bevölkerung sagte abermals «Ja» zum Bezirk Dietikon. Und das Limmattal sprach sich abermals mit 54 Prozent dagegen aus. Immerhin drei der elf Limmattaler Gemeinden konnten sich dieses Mal für den Bezirk begeistern lassen. Für die Bezirksgegner war klar, dass sie sich dem Willen des Kantons beugen mussten. Sie akzeptierten als faire Verlierer die nun definitive Entscheidung.

Die Meinungen über Sinn und Unsinn des Bezirks Dietikon gehen aber auch heute noch – 25 Jahre später – weit auseinander. Hans Wiederkehr sagt: «Es gab überhaupt kein Problem im Limmattal. Wir brauchten diesen Bezirk nicht.» Geändert habe sich am Ende nichts, ausser dass jetzt in Dietikon ein riesiges Bezirksgebäude und ein Gericht an der tollsten Lage stehe, spöttelt der Urdietiker.

«Nie ein populistisches Thema»

Wiederkehrs damaliger politischer Widersacher, Heinrich Meier, hält ebenfalls an seiner Meinung fest: Der alt Stadtpräsident von Schlieren sagt: «Unsere elf Gemeinden im Limmattal haben nicht zum Bezirk Zürich gepasst. Ich wollte nicht, dass wir uns weiterhin an Zürich binden müssen.» Heute kenne man die Leute, die in der Bezirksbehörde sitzen. Früher, in Zürich, sei das nicht so gewesen, so Meier.

Markus Notter, der zwei Jahre nach der Abstimmung das Stadtpräsidium in Dietikon übernahm, sieht das ähnlich. «Der Bezirk Zürich war zu gross und es machte verwaltungstechnisch Sinn, den Bezirk Dietikon zu gründen.» Das Thema sei dann aber überbewertet worden. «Die Bevölkerung hat das eigentlich gar nie gross tangiert. Es war nie ein populistisches Thema», sagt Notter. Der Bezirk Dietikon sei von Anfang an eine Limmattaler Politikerforderung gewesen, die der besseren Organisationsstruktur dienen sollte.

Ein Vierteljahrhundert ist seit der «Abschaffungsinitiative» vergangen und das Limmattal ist und bleibt unter dem Bezirk Dietikon zusammengefasst. Der heutige Statthalter von Dietikon, Adrian Leimgrübler, sagt: «Ich glaube, heute fühlen sich alle elf Gemeinden dem Bezirk zugehörig. Und wir werden als eine eigenständige Region wahrgenommen.» Er selbst habe damals, am 6. März 1988, für den Bezirk gestimmt.