Weinigen
22 Jahre lang brachte Ueli Frei die Königin zum Erklingen

Morgen wird der Organist Ueli Frei nach 22 Jahren im Dienst der Musik verabschiedet. «Die Musik ist mein Leben. Sie ist alles für mich», sagt er.

Ana Valeria Legat
Drucken
Teilen

Ueli Frei macht den Eindruck eines vorsichtigen und zurückhaltenden Mannes. Jemand, der vielleicht nicht gleich gesehen wird. Spricht man ihn aber auf die Musik an, mit der er die Kirchgänger der reformierten Kirchgemeinde Weinigen 22 Jahre lang erfreut hat, kommt Frei aus sich heraus. Voller Begeisterung erzählt er über sein Leben als Organist und wie er zur «Königin der Instrumente» – der Orgel – gekommen ist.

Am Anfang war das Klavier

Sein Weg zu dieser Königin begann am Klavier. Schon als kleiner Junge in Oetwil spielte er Kinderlieder und eigene kleine Stücke – nur nach Gehör. Als er in der ersten Klasse war, begann er Unterricht bei Robert Appert zu nehmen. Die Möglichkeit, bei einem Lehrer des Konservatoriums zu lernen, sei ein unglaubliches Glück gewesen, so Frei. Appert, der ebenfalls in Oetwil wohnte, sei ein strenger Lehrer gewesen. «Für mich war das nie ein Grund, aufzuhören», sagt Frei, «denn die Musik war mein Leben und ich machte schnell grosse Fortschritte.»

Ein weiterer Glücksfall führte ihn zur Orgel. Er wurde angefragt, an einer Schulabschlussfeier in der Kirche Weiningen zu spielen. So musizierte der damals 14-Jährige – oder improvisierte – zum ersten Mal auf einer Orgel. «So prima vista ab Blatt konnte ich nie gut spielen. Ich spiele ab Gehör», sagt Frei. Der damalige Organist der reformierten Kirche hörte ihn und ihm gefiel das Spiel. Danach konnte Frei immer wieder die Ferienvertretung des Organisten übernehmen.

Bevor Frei sich aber ganz der Musik verschrieb, besuchte er das Lehrerseminar, um «erst etwas Richtiges zu lernen». Seine Liebe zur Musik war aber stärker und so wechselte er nach drei Jahren vom Seminar an die Musikakademie Zürich und studierte bei Hans Schicker. Frei schloss sein Studium mit dem Klavierlehrerdiplom ab und unterrichtet heute an der Musikschule Oetwil-Geroldswil.

Heimkehr zur Orgel

Die Orgel war während des Studiums an der Musikhochschule sein zweites Instrument. Sein Interesse galt damals aber vor allem dem Klavier und der Musiktheorie. Die Königin musste noch etwas warten – doch nicht lange.

Denn Frei bekam die Gelegenheit, während einer Hochzeit in der Kirche St. Peter in Zürich auf der Orgel zu spielen. Das Spiel auf der grossen Orgel in der mächtigen Kirche begeisterte ihn: Etwas Fantastischeres als den Klang dieses Instrumentes in einem grossen Raum gebe es nicht für ihn, sagt Frei. Die drei Manuale, also die Tastaturen, die 50 Register, welche die Luft in die Orgelpfeifen fliessen lassen, und die 256 Setzer, mit denen die Register bedient werden, zogen Frei ein für alle Mal in ihren Bann. Und ein weiteres Glück ereignete sich: Die damalige Organistin der Kirche erklärte sich bereit, den jungen Musiker zu unterrichten.

Ein Leben für die Musik

Da Frei bereits Erfahrungen als Organist hatte sammeln können, wurde aus seiner Stellvertretung bald eine feste Anstellung. Als der Organist Hans-Peter Kern sein Amt 1991 niederlegte, wurde Frei sein Nachfolger. Er musste aber ein Jahr bis zu seiner Ernennung warten. Ab 1992 spielte Frei dann regelmässig in den Gottesdiensten der reformierten Kirchen in Weinigen und Geroldswil. Seine musikalische Begleitung erfreute bei unzähligen Hochzeiten und tröstete während Beerdigungen. Oft durfte er dabei Solisten begleiten und nahm Rücksicht auf die Musikwünsche: Er spielte von Klassik über Jazz bis Pop fast alles.

Jetzt, nach 22 Jahren, sei es Zeit, Abschied zu nehmen. «Es waren bereichernde und interessante Jahre, die ich mit und für die Musik verbracht habe», sagt Frei. Und die Musik, die wird ihn weiter begleiten, ob als Lehrer an der Musikschule Oetwil-Geroldswil oder beim privaten Spiel auf der Orgel in der reformierten Kirche Geroldswil. Denn: «Die Musik ist mein Leben. Sie ist alles für mich.»

Ueli Freis Verabschiedung findet im Gottesdienst vom 30. März 2014 (9.15 Uhr) in der reformierten Kirche Weinigen statt.