Dietikon
2023 findet die «Phänomena» im Dietiker Niderfeld statt

Das grosse Zürich pocht auf städtische Regeln, während Dietikon der Wissenschaftsausstellung den roten Teppich ausrollt.

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Die Stadt Dietikon packt die Chance und wird Austragungsort der Phänomena 2023.

Die Stadt Dietikon packt die Chance und wird Austragungsort der Phänomena 2023.

Sandra Ardizzone

Die Stadt Dietikon wird Gastgeberin der naturwissenschaftlichen Ausstellung Phänomena 2023. Dies geht aus einer am Dienstag versandten Einladung zu einer Medienkonferenz am Freitag hervor. Ursprünglich wollten die Organisatoren, der Verein Forum Zürich, mit der Neuauflage der bereits 1984 durchgeführten Ausstellung wiederum in der Stadt Zürich gastieren. Doch das klappte nicht. Denn der Zürcher Stadtrat störte sich am von den Initiatoren vorgesehen Standort auf der Allmend.

In einer Antwort auf eine dringliche schriftliche Anfrage der beiden Gemeinderäte Marco Denoth (SP) und Severin Pflüger (FDP) hiess es Anfang Februar, dass die Phänomena 2023 aufgrund der langen Dauer und der zahlreichen massiven baulichen Infrastrukturen nicht kompatibel sei mit den Vorgaben des Nutzungskonzepts Allmend Brunau.

Es geht um eine Fläche von fünf bis sieben Hektaren

Als Alternativstandorte schlug der Zürcher Stadtrat die ETH Hönggerberg, den Golfplatz beim Dolder, die Hardturm­brache oder den Flugplatz Dübendorf vor.

Für die Organisatoren waren dies keine valablen Standorte. Und so sind sie nun in Dietikon, genauer im Niderfeld, fündig geworden. Wie es in der Einladung zur Medienkonferenz vom Freitag heisst, planen die Organisatoren der Phänomena 2023 auf einer Fläche von fünf bis sieben Hektaren eine Neuauflage der Erfolgsausstellung, diesmal zu den Themen Klima, Biodiversität, künstliche Intelligenz, Gesellschaft, Energie, Mobilität und Digitalisierung.

Mit der Limmattalbahn ein idealer Austragungsort

Der Dietiker Stadtrat habe die Idee geprüft und sei überzeugt, dass sich das Gebiet zwischen Dietikon und Spreitenbach nach Fertigstellung der zweiten Bauetappe der Limmattalbahn ideal als Austragungsort eigne, heisst es weiter.

Die Phänomena 1984 fand am Zürichhorn statt und zog rund 1,2 Millionen Besucherinnen und Besucher an, die sich über Naturphänomene aus Gebieten wie Optik, Wasser, Gravitation, Astronomie, Pflanzen, Musik, Chemie, Energie oder Magnetismus informieren wollten. Initiiert wurde sie von Georg Müller.

Nun übernimmt dessen Sohn, Urs J. Müller, die Projektleitung. Unterstützt wird die Ausstellung unter anderem von Bundesrätin Simonetta Sommaruga, den Regierungsräten Silvia Steiner und Martin Neukom, Nobelpreisträger Richard Ernst und ETH-Ratspräsident Michael Hengartner. Sie alle sind Mitglied im Patronatskomitee.

Einer der Höhepunkte der Phänomena 2023 in Dietikon soll ein imposanter, 140 Meter langer und 50 Meter hoher Brückenbau werden, der vom Zürcher Künstler Johannes Peter Staub entworfen wurde, heisst es in der Mitteilung der Stadt Dietikon. In diesem Holzbau werde der Kern der Ausstellung zu finden sein. Ergänzt wird dieser Holzbau durch mehrere Themenpavillons.

Die Nachricht, dass Dietikon Gastgeberstadt – oder moderner: Host City – der Phänomena wird, sorgte gestern in der Stadt Zürich teils für ziemlich lange Gesichter. Der Gemeinderat Marco Denoth, der wie Gemeinderat Severin Pflüger ebenfalls im Patronatskomitee sitzt, zeigte sich gestern gegenüber dem «Tages-Anzeiger» «sehr enttäuscht» darüber, dass es die Stadt Zürich nicht fertiggebracht hatte, die Phänomena in Zürich zu ermöglichen. Und Pflüger sprach gegenüber der Zeitung von einem «ganz schlechten Zeichen» für Zürich.

Initiant Urs J. Müller, der zwar auch Zürich als Austragungsort bevorzugt hätte, lobte die Stadt Dietikon derweil in vollen Zügen. «Da wurde auffallend professionell, schnell und pragmatisch entschieden, während Zürich bürokratisch und bremsend auftrat», sagte er gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Anders gesagt: Standortförderer Adrian Ebenberger und Stadtpräsident Roger Bachmann erkannten die Chance fürs Dietiker Image sofort. (liz)