Wirtschaftspodium Limmattal

20 Jahre Wirtschaftspodium — gehört die Welt wirklich den Mutigen, wie man sagt?

Nur Mut alleine reicht nicht zum Erfolg: Am 20. Wirtschaftspodium Limmattal diskutierten die Gäste darüber, wie wichtig mutige Entscheide für den Weg nach ganz oben sind.

Gehört die Welt wirklich den Mutigen, wie man sagt? Wie viel Mut braucht es, um Karriere zu machen? Und wie viel, um auf dem Höhepunkt wieder abzutreten? Diese und ähnliche Fragen standen am 20. Wirtschaftspodium Limmattal im Zentrum der Diskussion. Für OK-Präsident Fredi Pahr war es jedenfalls ein mutiger Schritt, den Anlass im Jahr 2000 ins Leben zu rufen.
«Unser Ziel war es, eine Plattform zu schaffen, um Politiker und Unternehmer im Limmattal zusammenzuführen», sagte Victor Erni, erster Präsident und Initiant des Wirtschaftspodiums. Schon bei der ersten Auflage hätten rund 400 Gäste den Weg in die Dietiker Stadthalle gefunden, erinnerte er sich. Mittlerweile ist die Stadthalle zu klein für den Anlass. Bereits zum zweiten Mal diente deshalb die Umweltarena Spreitenbach als Austragungsort. Über 1000 Gäste konnte Pahr am Mittwoch in der ausverkauften Halle begrüssen. Darunter auch die drei Finalisten, die für den erstmals vergebenen Jungunternehmerpreis nominiert waren (siehe Text unten). Auch ihr Mut sollte belohnt werden.

Wille, Disziplin und die Bereitschaft zum Verzicht

Wie sich in der von Stephan Klapproth moderierten Diskussionsrunde aber auch zeigte, ist Mut nicht die einzige Eigenschaft, die einen nach oben bringt. Ob nun alt Bundesrätin Doris Leuthard, die Gründerin der Cat Aviation AG, Helene Niedhart, die Co-Direktorin des Zurich Film Festival, Nadja Schildknecht, oder der zweifache Zeitfahr-Olympiasieger und Unternehmer, Fabian Cancellara; sie alle brauchten auch Wille, Disziplin und die Bereitschaft zum Verzicht, um ihre Ziele zu erreichen.

«Es braucht alles, Wille, Mut und Biss», fasste Cancellara zusammen. Auf vieles habe er während seiner Karriere verzichtet. «Ich war immer um 22 Uhr zu Hause, während die Kollegen noch im Ausgang waren», erzählte der ehemalige Radstar. Dennoch habe es für ihn so gestimmt. «Ich brauchte das alles nicht», so Cancellara. Auch Doris Leuthard musste während ihrer Polit-Karriere zurückstecken. «70- bis 80-Stunden-Wochen sind als Bundesrat normal. Und nicht alle diese Stunden machen Spass», sagte sie. Doch das sei Teil der Disziplin. «Solange man Freude hat, sollte man sich auch zu hundert Prozent einsetzen», befand sie.

Grossen Einsatz musste auch Nadja Schildknecht an den Tag legen, um ihren Traum von einem Zürcher Filmfestival zu verwirklichen. «Wir haben sieben Tage die Woche gearbeitet», sagte sie. Ihr sei damals aber nicht bewusst gewesen, auf was sie sich eingelassen hatte. Schildknecht gab zu, dass sie nicht sicher sei, ob sie diesen Weg auch eingeschlagen hätte, wenn sie damals schon gewusst hätte, wie viele Hürden es zu bezwingen geben werde.
Ähnliches gilt für Helene Niedhart. Auch sie hat sich nicht beirren lassen. Ein Flug über den Grand Canyon weckte ihre Begeisterung für die Aviatik. Sie machte einen Pilotenschein. Weil sie als Frau bei keiner Schweizer Airline einen Pilotenjob erhielt, kaufte sie sich eine zweimotorige Cessna und gründete 1987 ihre eigene Airline. Von den männlichen Pilotenkollegen wurde sie dafür belächelt. Sie würde es in diesem Business nie schaffen, seien sich ihre männlichen Pilotenkollegen sicher gewesen, so Niedhart. «15 Jahre lang habe ich mir keinen Lohn ausbezahlt. Der Businessplan musste ja irgendwann aufgehen», sagte sie.

Mutige Entscheide auf dem Weg nach ganz oben

Auch wenn der Durchhaltewille und die Disziplin auf dem Weg nach oben eine zentrale Rolle spielen, ist Mut ebenfalls ein wichtiger und nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor. «Mutig war es, trotz all der Schwierigkeiten nicht aufzugeben», meinte etwa Schildknecht. Und auch Cancellara musste wichtige und mutige Entscheide treffen, um zu einem der besten und erfolgreichsten Radfahrer seiner Zeit zu werden. Einer dieser wegweisenden Entscheide stand ganz am Anfang seiner Laufbahn. Es war jener Moment, als er seine Lehre abbrach und seinen ersten Profivertrag unterzeichnete.

Aber auch am Ende einer Laufbahn bedarf es eines gewissen Masses an Mut, um loszulassen und neue Wege einzuschlagen. Bei allen vier Podiumsteilnehmern ist aber klar, so schwer der Abschied fiel oder noch fallen wird, sie alle freuen sich auf das, was die Zukunft bringen wird. Für Niedhart ist klar, dass sie nicht einfach in Pension gehen kann. «Denn nichts machen, das ginge nicht», sagte sie.

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