Schlieren

20 Augenblicke reichen für Autobiografie des Westschweizers Eugène

Der Westschweizer Autor mit rumänischen Wurzeln, Eugène, spielte den Besuchern die Geschichten aus seinem Buch vor.

Der Westschweizer Autor mit rumänischen Wurzeln, Eugène, spielte den Besuchern die Geschichten aus seinem Buch vor.

Der Westschweizer Autor Eugène hat eine spezielle Art gewählt, sein Leben niederzuschreiben. Gleiches gilt für die Präsentation seines Buches.

Die Vergangenheit. Festgehalten in Geschichtsbüchern und Dokumentarfilmen. So starr und unbeweglich ist zumindest die persönliche Lebensgeschichte selten. Neue Erfahrungen und Erlebnisse kommen dazu, alte gehen vergessen. Die individuell wichtigsten oder prägendsten Erinnerungen jedoch überdauern Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Auch der Schriftsteller Eugène unterliegt diesem menschlichen Gesetz. Schwierig wird es jedoch, sollen aus dem mit den Jahren angewachsenen Fundus an Erinnerungen die 20 prägendsten herausgepickt werden.

Für eine etwas andere Autobiografie hat sich Eugène dieser Herausforderung gestellt. «Um die Liste mit den 20 Punkten zu machen brauchte ich viel länger als dann die Erinnerungen aufzuschreiben», erklärte der Schriftsteller, Bühnenautor und Journalist.

Schauspielerische Lesung

Als sechsjähriger Knabe dem kommunistischen Regime von Ceausescu in Rumänien entronnen, immigrierte er zusammen mit seinem zwei Jahre älteren Bruder in die Westschweiz. Er folgte seinen Eltern, welche mit einem Touristenvisum in die Schweiz reisten und hier Asyl beantragten. Seine neue Heimat und die ländlichen Gepflogenheiten nehmen so ebenfalls einen grossen Teil seiner Erinnerungen ein. «Ein unfassbares Land oder die Zwanzig Dinge meiner Kindheit» übertitelte er denn auch seinen Rückblick auf 27 Jahre zwischen dem 5. und 32. Lebensjahr.

Im Rahmen des Lesezyklus «Literatur am Mäntig», lud die Kulturkommission und die Bibliothek Schlieren den illustren Schreiberling zu einer Lesung. Dem Wort «Lesung» wurde der Anlass jedoch nur im sehr entferntesten Sinne gerecht. Viel mehr spielte Eugène einzelne Kapitel aus seinem Werk gleich selbst vor. Dabei handelte es sich nicht etwa um gesellschaftskritische und mitleiderregende Schilderungen an eine düstere Kindheit in der Ceausescu Diktatur. Es waren Erzählungen eines fünfjährigen Knaben, der sich auch mal aufgrund eines Lausbubenstreichs über ein reichhaltiges Abendessen freuen konnte. Prägend finden ebenso Eindrücke eines Schülers in der Westschweiz Platz, dessen Mutter die helvetischen Autobahnraststätten liebt und eine Familie, die das erste Mal mit Bergwanderungen und den damit zusammenhängenden Herausforderungen konfrontiert wird.

Auch wenn Eugène während der speziellen Lesung nicht sehr viel verrät, der fein eingestreute jugendliche Schalk dürfte auch im Buch durchgehend zu finden sein. Dabei kann der Autor über sich selbst lachen und verstreut dabei auch mal eine Spur schwarzen Humor.

«Manchmal hat man das Glück, ein Buch in die Hände zu bekommen, das einen nicht mehr loslässt», beschreibt die Organisatorin, Monique Roth, ihr Leseerlebnis beim Werk von Eugène. Bei all den Erinnerungen ist auch der Zeitgeist mit eingeflossen, handelt doch ein Kapitel von einem «Star Wars»-Bausatz. Obschon vielleicht einige Ansätze der Geschichten zum Denken anregen mögen, eigentlich will Eugène mit seinen Erzählungen nur unterhalten – und dies schafft er mit seinem feinen Humor wirklich gut. Davon zeugten die vielen Lacher aus dem Publikum.

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