Uitikon
2,4 Millionen für den Ortsbus? – Nur eine Partei zeigt sich offen

Der Abstimmungskampf über den Kredit für einen Ortsbus nach Schlieren kommt nicht in Fahrt.

Alex Rudolf
Merken
Drucken
Teilen
Führt bald eine direkte Bus-Verbindung von Uitikon aus nach Schlieren? Für den Testbetrieb von vier Jahren beantragt der Gemeinderat einen Kredit von 2,4 Millionen Franken. (Symbolbild)

Führt bald eine direkte Bus-Verbindung von Uitikon aus nach Schlieren? Für den Testbetrieb von vier Jahren beantragt der Gemeinderat einen Kredit von 2,4 Millionen Franken. (Symbolbild)

Thinkstock

Ist den Uitikern eine direkte Busverbindung ins Limmattal 2,4 Millionen Franken wert? Darüber befinden die Stimmberechtigten am 25. September. Dann beantragt ihnen der Gemeinderat einen Kredit für einen vierjährigen Testbetrieb der Verlängerung der Busline 201 von Uitikon bis zum Bahnhof Schlieren.

Der ausgearbeiteten Vorlage liegt eine Petition aus der Bevölkerung zugrunde. Im Jahr 2012 sammelten zwei Uitikerinnen Unterschriften für die Anbindung nach Schlieren – eine Umfrage in der Bevölkerung zeigte, dass der Bedarf nachgewiesen sei. Laut Angaben des Gemeinderates würde sich die Reisezeit zwischen Uitikon und Schlieren von heute bis zu einer Stunde auf acht Minuten reduzieren. Dies wäre eine Entlastung der stark beanspruchten Achse Uitikon–Triemli–Hauptbahnhof, wie der Gemeinderat in der kürzlich veröffentlichten Abstimmungsbroschüre schreibt. «Der Flughafen oder Zürich-West, wo laufend neue Arbeitsplätze entstehen, könnten mit diesem Bus effizienter und mit geringerem Zeitaufwand erreicht werden.» Auch das prognostizierte Wachstum der Gemeinde spreche für die Bus-Verlängerung. So werden rund 1000 neue Einwohner im Gebiet Leuen-Waldegg erwartet: «Dieses Wachstum wird insbesondere während der Stosszeiten ein erweitertes öV-Angebot nötig machen», schreibt der Gemeinderat weiter.

Ab dem Fahrplanwechsel von Ende 2017 würde der Ortsbus nach Schlieren unter der Woche und samstags halbstündlich und an Sonntagen stündlich verkehren. Zur Einhaltung dieses Fahrplans müsste ein zweites Fahrzeug angeschafft werden, um die je 32 Hin- und Rückfahrten bewältigen zu können.

Soziale Behörde: Erneut kämpfen drei Kandidaten um den einen Sitz

In Uitikon braucht es einen zweiten Anlauf, um den seit Dezember 2015 vakanten Sitz in der Sozialbehörde zu besetzen. Nach dem ersten Wahlgang vom vergangenen Juni erreichte keiner der Kandidaten das absolute Mehr. Nun gilt als gewählt, wer am meisten Stimmen erreicht. Zur Wahl stellen sich erneut: Betriebsökonom Ingo Engelmann (CVP), Ingenieur Heinrich (Henry) Salzmann (FDP) und Change-Manager Philipp Uhlmann (parteilos). (aru)

Ist der Testbetrieb über vier Jahre vorbei, besteht die Möglichkeit, dass der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) die Linie ins Regelangebot übernimmt und somit selber für die Betriebskosten aufkommt, wie es etwa bei der aktuellen Linie 201 ab dem Jahr 1999 der Fall war. Zentral dabei ist, dass die Linie einen Kostendeckungsgrad von 30 Prozent erreicht, also zu 30 Prozent selbsttragend ist. Doch selbst wenn dieser Deckungsgrad und die anderen Kriterien erfüllt seien, sei eine Übernahme durch den ZVV nicht garantiert, schreibt die Exekutive.

Verhaltener Abstimmungskampf

Aus der vorberatenden Gemeindeversammlung vom vergangenen Mai gingen fast nur positive Voten hervor. Bei den Ortsparteien ist man bezüglich dieses Geschäfts jedoch verhaltener. So verzichtet die SVP darauf, eine Parole zu fassen. Wie Präsident und Gemeinderat Walter Schelling auf Anfrage sagt, sei das Geschäft im Vorstand auch nicht diskutiert worden. Die CVP ist hin- und hergerissen. So sehe man im möglichen Dorfbus durchaus eine Attraktivitätssteigerung für die Gemeinde, sagt Präsidentin Mirjam Umbricht. «Jedoch sind die Kosten sehr hoch und es fragt sich, ob dies der richtige Zeitpunkt ist, da in nächster Zeit auch sonst hohe Kosten auf die Gemeinde zukommen.»

Die Uitiker Grünen unterstützen das Anliegen. Der Vorstand ist sich jedoch der finanziellen Risiken des Projekts bewusst: «Doch würde mit der Bus-Verlängerung eine wichtige Lücke im lokalen öV-Netz geschlossen. Wir begrüssen dies», sagt Vorstandsmitglied Margrith Gysel auf Anfrage.

FDP und RPK dezidiert dagegen

Für die Gegner der geplanten Verlängerung sind die Kosten der grösste Kritikpunkt. Die Uitiker Rechnungsprüfungskommission erachtet den Nutzen einer Ortsbus-Verlängerung bei einem Einsatz von umgerechnet 1,66 Steuerprozent als zu gering. Ursprünglich hatte die Exekutive einen einmaligen Betrag von 150 000 Franken für diese Verbindung eingestellt: «Die Kosten für den Probebetrieb übersteigen die Erwartungen somit bei Weitem.» Auch sei nicht sicher, ob der ZVV die Linie ab dem Jahr 2021 tatsächlich ins Regelangebot übernehme. Die Hauptbedingung – ein Kostendeckungsgrad von mindestens 30 Prozent – sei wohl nur schwer zu erreichen, da der Ortsbus aktuell auf deren 27 kommt. «Auch gibt es keine Garantie dafür, dass dann noch dieselben Beurteilungskriterien gelten», schreibt die RPK.

Ähnlich sieht dies die FDP-Ortspartei. Wie FDP-Präsident Ulrich Walt auf Anfrage sagt, wurde das Projekt an der FDP-Parteiversammlung aus Kosten-Nutzen-Gründen abgelehnt.