Schlieren
18000. Schlieremerin: Eine mehr, die am Gubrist ansteht

Nicole Heiniger ist die 18000. Einwohnerin und passt laut Statistik perfekt in die Stadt.

Alex Rudolf
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Automobilistin Nicole Heiniger besitzt eines der rund 10000 Autos, welche die inzwischen 18000 Schlieremer besitzen.

Automobilistin Nicole Heiniger besitzt eines der rund 10000 Autos, welche die inzwischen 18000 Schlieremer besitzen.

Alex Rudolf

Erst hatte Nicole Heiniger ein ungutes Gefühl. Bis auf die Registrierung beim Einwohneramt ihres neuen Wohnortes Schlieren, hatte sie noch keinen Kontakt zur Verwaltung. Daher konnte sie sich erst nicht erklären, was es mit dem Anruf aus dem Stadthaus auf sich hatte, den sie kürzlich erhielt. Beim Rückruf erfuhr die Frau mit der hellen Stimme dann, dass mit ihrem Zuzug die Stadt auf 18 000 Einwohner angewachsen war und sie so zum Gesicht der Neu-Schlieremer wurde. «Ich wusste gar nicht, dass so viele Menschen hier leben», sagt sie.

Dass Schlieren wächst, ist hinlänglich bekannt. Zwischen den 1970er-Jahren und der Jahrtausendwende lebten stets zwischen 12 000 und 13 000 Menschen in der Stadt, doch dann begann diese Zahl konstant zu steigen, bis Anfang April eine neue Spitze erklommen wurde. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass die 18 000. Einwohnerin sehr gut zu den Schlieremern passt.

Mit ihrem 32 Jahren ist Heiniger in der anteilsmässig grössten Altersklasse. 34,3 Prozent der Schlieremer sind zwischen 20 und 39 Jahre alt. Mit 31,9 Prozent hat es knapp weniger 40- bis 64-Jährige. Nur gerade 4,4 Prozent der Bevölkerung sind 80 und älter. Auch Heinigers langjähriger Partner ist in derselben Altersklasse wie sie und darüber hinaus der Grund, warum sie ins Limmattal zog. Die gelernte Coiffeuse wohnt mit ihm im nördlichen Teil der Stadt in einer der gesamthaft 651 Wohngenossenschaftswohnungen, die es in Schlieren hat. Darüber hinaus sind Heiniger und ihr Partner einer der gut 2400 2-Personen-Haushalte. Von den rund 8160 Wohnungen werden nur noch mehr – es sind deren 2800 – von Einzelpersonen bewohnt, wie ein Blick in die Statistik zeigt.

Vorfreude auf den Gubrist-Ausbau

Seit über einem Jahrzehnt ist Heiniger nicht mehr als Coiffeuse tätig. Heute verkauft sie Beauty- und Wellnessprodukte in einem Geschäft im Glattzentrum in Wallisellen. Von ihrer Wohnung aus gelangt sie mit dem Auto zu ihrem Arbeitsort. Wenn es am Gubrist staut, dann brauche sie von Tür zu Tür rund 40 Minuten. Ist die Fahrbahn frei, beispielsweise am Samstagmorgen, dann schafft sie die Strecke in der Hälfte der Zeit. «Da ich nun eine mehr bin, die morgens und abends im Stau steht, freue ich mich auf den Bau der zusätzlichen Gubriströhre», sagt sie. Als Automobilistin ist Heiniger in guter Gesellschaft. Die 18 000 Schlieremer besitzen zusammen knapp 10 000 Autos und gut 1000 Motorräder. Einer dieser Maschinen ist im Besitz von Heinigers Partner, er sei ein bekennender Töff-Fan: «An schönen Tagen machen wir gerne Ausfahrten in die ganze Schweiz.»

Wenig Interesse legt Heiniger für Politik an den Tag, sei es auf nationaler oder regionaler Ebene. «Nur über Vorlagen, zu denen ich eine starke Meinung vertrete, befinde ich an der Urne», sagt sie. Auch in diesem Bereich passt sie gut in ihren neuen Wohnort. Bei den Nationalratswahlen im Jahr 2011 gingen nur 35 Prozent der Wähler an die Urne, der nationale Durchschnitt lag bei knapp 50 Prozent. Auch die Wahl der kantonalen Legislative von diesem April lockte gerade 22 Prozent der Stimmberechtigten an die Urne, knapp zehn Prozent weniger als der Durchschnitt des Kantons Zürich.

Bevölkerung Schlieren (Personen)

Bevölkerung Schlieren (Personen)

Statistisches Amt des Kantons Zürich

Sie fördert junge Menschen

Ihren Beitrag zum Wohl der Allgemeinheit ortet Heiniger anderswo: Als Lehrlingsausbildnerin in ihrem Betrieb will sie den jungen Erwachsenen in ihrer Obhut solides Fachwissen vermitteln, sodass sie selbstbewusst ins Berufsleben starten können, sagt sie. Zudem nimmt Heiniger als Expertin bei Lehrabschlussprüfungen der Lernenden im Verkauf von Schönheitsprodukten Abschlussprüfungen ab. «Junge Menschen müssen gefördert werden.»

Dank ihrem Schlieremer Partner fand sie schnell Anschluss in ihrer neuen Heimat. Ab und zu gehe Heiniger in der Stadt auswärts essen – für ein Lieblingslokal mag sie sich nicht entscheiden – und auch einige Dorffeste der Region hat sie bereits besucht. «Wir hatten im vergangenen Jahr viel Spass am Urdorffäscht und freuen uns bereits jetzt auf das anstehende Schlierefäscht», sagt sie. Sie wird eine von Tausenden Besuchern sein, die die Organisatoren erwarten.

Nela und Nemo so die Namen der beiden Hauskatzen, die Heiniger liebevoll Wollknäuel nennt. Eine ist rötlich getigert, die andere schwarz-weiss. Die Liste der tierischen Mitbewohner komplettieren Fische. Blaue Antennenwelsen, rote Hexenwelsen und Regenbogenbuntbarsche. Zahlen bezüglich der Haltung von Katzen, deren Farben und Verhalten gegenüber Fischen hält das statistische Amt nicht bereit.