Vor einem guten Jahr befürwortete der Grossteil der Limmattaler Bevölkerung die Limmattalbahn. Das ergab im Januar 2014 eine repräsentative Umfrage, die das Schweizer Marktforschungsinstitut Isopublic im Auftrag der Limmattalbahn AG durchführte.

Nun haben die Gegner der geplanten Bahn, die beiden Vereine «Limmattalbahn – Nein» und «Limmattalbahn – so nicht», eine eigene Umfrage in Auftrag gegeben. Auffällig daran: Sie zeigt ein Resultat, das praktisch um 180 Grad anders ist als das Resultat der letzten Befragung.

Während sich bei der Umfrage der Limmattalbahn AG 61 Prozent der Bevölkerung in den Standortgemeinden für die Bahn aussprach, 6 Prozent dagegen und 33 Prozent unentschlossen waren, präsentiert sich in der Umfrage der Gegner ein komplett anderes Bild: Hier sind 60 Prozent der Befragten gegen die Bahn, 35 Prozent dafür und 5 Prozent unentschlossen.

Doch nicht nur die Resultate sind unterschiedlich: Die beiden Befragungen sind unter ganz anderen Rahmenbedingungen entstanden. So wurde die erste Umfrage mit Isopublic (heute Léger Schweiz) von einem der renommiertesten Marktforschungsinstitute der Schweiz durchgeführt, welches 2000 Personen befragt hat: 1000 im Kanton Zürich und 1000 im Kanton Aargau. Erhoben wurden sowohl Zahlen für den ganzen Kanton als auch für die Limmattaler Standortgemeinden der Bahn, also Dietikon, Schlieren, Urdorf, Spreitenbach, Killwangen und Zürich.

Die Befragung der Gegner wurde vom Institut Z-Analyse in Hergiswil NW durchgeführt. Beim Verband Schweizer Markt- und Sozialforschung, der garantiert, dass seine Mitglieder wissenschaftlich abgesicherte Methoden anwenden, keine Interviews mit Werbeabsichten durchführen und Richtlinien einhalten, hat man von Z-Analyse noch nie gehört. Inhaber Urs Zweifel bestätigt, dass er nicht Mitglied des Verbands sei, sich aber an dessen Richtlinien orientiere.

250 Personen befragt

In der gestern verschickten Medienmitteilung wird die Umfrage als repräsentativ bezeichnet. Sie sei in Dietikon und Schlieren telefonisch durchgeführt worden. Nicht angegeben wird jedoch die Anzahl der befragten Personen oder deren Zusammensetzung. Auf Anfrage der Limmattaler Zeitung zeigt sich Zweifel erstaunt darüber, dass diese Angaben von Interesse seien. Er habe sie in der Mitteilung aus Platzgründen weggelassen. Befragt worden seien 250 Personen, die nach Alter und Geschlecht proportional zur Stimmbevölkerung verteilt seien, sagt er.

«Jetzt kennt man die Nachteile»

Gemäss Angaben des Schweizer Marktforschungsverbands geht man bei Abstimmungsumfragen davon aus, dass sie repräsentativ sind, wenn mindestens 1000 Personen befragt werden. Auf seiner Website schreibt Zweifel: «Die Stichprobe sollte einen minimalen Umfang haben. Üblich sind heute minimal 500 Fälle.» Er weist darauf hin, dass die Stichprobengrösse in diesem Fall mit dem sehr bescheidenen Budget der Auftraggeber zusammenhänge. Viel wichtiger sei aber die Zusammensetzung. «Auch kleinere Stichproben liefern zuverlässige Grössenverhältnisse.»

Für Hugo Panzeri, Präsident des Vereins «Limmattalbahn – Nein» ist das Resultat der Umfrage eine grosse Genugtuung: «Man hat uns immer gesagt, die Mehrheit der Bevölkerung sei für die Bahn. Jetzt wissen wir, dass das nicht stimmt», sagt er. Dass das Resultat so komplett anders ist als dasjenige der letzten Umfrage, erstaunt ihn nicht: Damals hätten viele Leute noch nicht gewusst, was die Bahn bedeute. «Erst jetzt weiss man, welche Nachteile sie bringt», sagt er. Nun müsse man Alternativen prüfen. Auch Rudolf Dober, Präsident des Vereins «Limmattalbahn – so nicht», ist froh, dass man nun die wahre Haltung der Bevölkerung kenne, wie er sagt. Die Leute seien auf die erste Umfrage hereingefallen, weil sie noch nicht gewusst hätten, worum es gehe. Panzeri und Dober betonen beide, die Umfrage sei aus Mitglieder- und Spendenbeiträgen finanziert worden. Das sei schwierig gewesen, so Panzeri: «Aber es war uns wichtig.»

Sehr erstaunt über die Resultate zeigt sich Hans Egloff, SVP-Nationalrat aus Aesch und Co-Präsident der Allianz Pro Limmattalbahn. Zur Umfrage selber könne er keine Stellung nehmen: «Dazu fehlen mir die Hintergrundinformationen.» Seine eigene Wahrnehmung der Stimmung in der Bevölkerung sei aber eine komplett andere. Sie habe sich seit der ersten Befragung nicht geändert. Egloff verweist auf die Limmattalbahn-Debatte, die im Zürcher Kantonsrat Ende März, im Aargauer Grossrat wahrscheinlich etwa vier Wochen später stattfinden wird. Er gehe davon aus, dass sich beide Parlamente komfortabel für die Bahn aussprechen und dass es weder zu Behörden- noch Volksreferenden kommen werde.