Bergdietikon
165 Länder hören per Internetradio nach Bergdietikon

Im Internetradio «80s Forever» hat weder Michael Jackson noch Madonna einen Platz in der Playlist. Vielmehr sind es unbekanntere Lieder, die Peter Greub digitalisiert und spielt.

Anina Gepp
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Ein Plattenspieler, ein Computer, ein Kopfhörer Mehr braucht es nicht.

Ein Plattenspieler, ein Computer, ein Kopfhörer Mehr braucht es nicht.

Anina Gepp

Schallplatte an Schallplatte reiht sich in einem grossen Gestell aneinander. Es sind Hunderte, alles vergessen oder verloren gegangene Schätze aus den Achtzigerjahren. Über der Sammlung hängt ein schwarzweisses Plakat der englischen New-Wave-Band «The Police» an der Wand, direkt daneben ein Bild von Deborah Harry, der Sängerin der Band «Blondie». Und überhaupt: Der ganze Raum ist dekoriert mit Erinnerungsstücken aus den Achtzigern.

Dass von hier aus Musik in die ganze Welt gesendet wird, ist auf den ersten Blick nicht zu sehen. Ein Plattenspieler, ein Computer, ein Kopfhörer - das ist Pete Greubs gesamte Ausrüstung. Doch der Bergdietiker wollte nie ein normales Hitradio auf die Beine stellen. «Viel mehr spiele ich alte Songperlen, die fast niemand mehr kennt», sagt er. «80s Forever» heisst sein Internetradio, das bewusst keine Musik der damaligen Superstars Michael Jackson, Madonna oder Milli Vanilli spielt. Die Songs, die er laufen lasse, gab es teilweise nie auf CD. «Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, solche besondere Stücke zu digitalisieren.»

Mittlerweile besteht Greubs Playlist aus über 5000 Liedern. Darunter sind viele schräge Titel, die bis zu zehn Minuten lang sind. «Mein Radio ist etwas für Fans. Für solche, die genug haben von den üblichen Achtzigerradios», sagt Greub.

Zu Beginn zählte das Radio gerade einmal 20 Hörer. Mittlerweile sind es bis zu 200 am Tag. Leute aus 165 verschiedenen Ländern haben schon in Greubs Kanal reingehört. Die meisten davon sind aus Deutschland. Ab vier Uhr nachmittags, wenn auch die USA erwachen, schaffen es die Amerikaner zeitweise, die Deutschen hörermässig zu überbieten.

Greub gefalle die Vorstellung, dass irgendjemand am anderen Ende der Welt seinen Radiosender höre. Ab und zu bekomme er Mails von Fans im Ausland. «Einmal hat mir eine Weissrussin geschrieben und nach Merchandise-Produkten des Senders gefragt», erzählt Greub. Der Gedanke, sein Logo auf T-Shirts und Kugelschreiber drucken zu lassen, bringt den zweifachen Familienvater zum Lachen.
«Gerne würde ich mehr Zeit haben für das Radio», sagt Greub. Doch von einem Internetradio lässt sich nicht leben. Greub arbeitet hauptberuflich beim Schweizer Fernseher SRF als Musikberater. Während er weg sei, entscheide das Zufallsprinzip, welcher Song als Nächstes abgespielt werde. Das soll sich bald ändern: «In einem Monat können die Hörer auf der Internetseite Wünsche abgeben, die dann gespielt werden.» Auch erweitere er die Liedauswahl ständig. «Ich bin immer auf der Suche nach unbekannten Titeln aus den Achtzigern.» Greubs momentaner Lieblingssong ist «Contrasting Strangers» von der Band «The Light».

Gerade als er ihn einspielen will, ertönt einer der Jingles: «Eighties Forever - we keep the Eighties alive». Es spricht eine tiefe Männerstimme. Diese Ansprachen habe er von professionellen britischen Textsprechern lesen und aufnehmen lassen, sagt Greub. Ansonsten sei der Sender ein reines Musikradio. «Sogar ohne Werbung», ergänzt er. Es gehe ihm alleine um die Musik. Denn aus diesem Grund habe er sein eigenes Internetradio erschaffen: «Es gab nie ein Radio, wie ich es mir gewünscht hatte. Und so rief ich es eben selbst ins Leben.»