Urdorf
16-jährige Comic-Zeichnerin zeigt ihr Werk erstmals öffentlich

Die preisgekrönte Jungzeichnerin Sina Stähli zeigt ihr Werk erstmals öffentlich. Trotz des vielen Lobes bleibt sie bescheiden.

Florian Schmitz
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Comiczeichnerin Sina Stähli
10 Bilder
Einblicke in das Schaffen der talentierten Zeichnerin.
Viele ihrer Zeichnungen sind eher nachdenklich gestimmt.
Comicfiguren im Manga-Stil gehören zu ihren Stärken.
Ihre Lieblingszeichnung trägt den Titel "Imagine" und bietet viel Raum zur Interpretation.
Mit diesem Comic gewann Sina Stähli 2014 am Fumetto in Luzern den Publikumspreis. (1/4)
Mit diesem Comic gewann Sina Stähli 2014 am Fumetto in Luzern den Publikumspreis. (2/4)
Mit diesem Comic gewann Sina Stähli 2014 am Fumetto in Luzern den Publikumspreis. (3/4)
Mit diesem Comic gewann Sina Stähli 2014 am Fumetto in Luzern den Publikumspreis. (4/4)
Auch Weihnachtskarten für die Familie hat sie schon angefertigt.

Comiczeichnerin Sina Stähli

Florian Schmitz

An einen bestimmten Auslöser für ihre Leidenschaft erinnert sie sich nicht: «Ich habe von klein auf immer schon gern gezeichnet», sagt Sina Stähli. Als sie in der Spielgruppe einen Osterhasen malte, der damals schon wirklich wie ein Hase aussah, realisierten Andreas und Susanne Stähli, dass ihre Tochter nicht nur äusserst gerne malte, sondern auch gut. Das Talent fürs Zeichnen scheint ihr in die Wiege gelegt worden zu sein.

Mittlerweile besucht die heute 16-jährige Schülerin aus Hedingen die Kantonsschule in Urdorf. Über die Jahre hat sie ihr Talent fürs Zeichnen weiter geschärft und darf mittlerweile als preisgekrönte Comiczeichnerin bezeichnet werden. 2011 gewann sie am renommierten Schweizer Comicfestival Fumetto den ersten Preis in der Kategorie bis 12 Jahre. Im vergangenen Jahr legte sie nach und wurde von den Besuchern überraschend mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

Alles ist neu

Kein Wunder stiess die Gemeinde Urdorf bei ihrer Suche nach Künstlern für eine gemeinsame Ausstellung im Gemeindehaus auf das Nachwuchstalent. Heute abend beginnt die bis zum 16. Oktober dauernde Ausstellung mit einer Vernissage. «Das ist alles noch ganz neu für mich, ich weiss noch nicht, wie ich mich am Donnerstag fühlen werde», sagt Sina Stähli. Denn öffentlich präsentiert hat sie ihr Werk bisher noch nie.

Nervös sei sie aber noch nicht. Dafür hatte sie auch gar nicht so viele Gelegenheiten, denn neben der Schule nahmen die Vorbereitungen viel Zeit in Anspruch. Alle Bilderrahmen mussten bestellt, mit Aufhängevorrichtungen ausgerüstet und mit ausgewählten Zeichnungen bestückt werden. «Mein Vater hat mir viel dabei geholfen. Er musste mich ab und zu auch antreiben, damit es vorwärtsgeht», sagt die Schülerin lachend. Zu sehen gibt es im Urdorfer Gemeindehaus eine Zusammenstellung ihrer Lieblingszeichnungen. «Ich freue mich sehr darauf, mein Werk mal in diesem Rahmen zu sehen.»

Trotz Vorfreude hängt Sina Stähli ihre Kunst allgemein nicht an die grosse Glocke. Nur wenigen Kolleginnen hat sie bisher von der Ausstellung erzählt: «Vielleicht werde ich das morgen in der Schule noch machen», sagt sie lachend. Überhaupt wissen nur ihre engeren Schulfreunde um ihr Talent, immer wieder zeigen sich besuchende Kolleginnen beeindruckt, wenn sie Zeichnungen in ihrem Zimmer erblicken. Im Gespräch mir ihr wird deutlich, dass sie nicht für ein Publikum oder Anerkennung zeichnet, sondern aus Freude am Handwerk. Komplimenten weicht sie mit einem verlegenen Lächeln aus, sie scheinen ihr eher unangenehm.

Inspiration von innen

Obwohl schöne Bilder anderer Künstlern sie immer wieder zum Ausprobieren anspornen, schöpft Sina Stähli Inspiration für neue Kunstwerke vor allem aus innerer Ruhe. Wenn sie mal nicht beschäftigt ist und den Kopf frei hat, «dann kommen mir die Ideen meistens ganz spontan», sagt sie. Das funktioniere viel besser, als zwanghaftes Kopfzerbrechen auf der Suche nach neuen Sujets. Da passt es gut, dass sie mit ihrer Familie idyllisch auf einem Bauernhof etwas abgelegen vom Dorf wohnt.

Realität und Fantasie im Gemeindehaus

Unter dem Motto «reality meets fantasy» beleben die Künstler Sylvie Kik, Sina Stähli und Hans-Ulrich Näf in den nächsten Wochen das Urdorfer Gemeindehaus mit ihren Bildern. Kiks Werk taucht mit Bleistiftzeichnungen und Gouachen von alten Urdorfer Gebäuden in die reichhaltige Geschichte des Dorfs ein. Näfs Bilder enthalten klare Aussagen und gehen trotzdem geheimnisvoll in die Tiefe. Mit den erklärenden Worten des Künstlers erzählen sie spannende Geschichten.
Heute um 18 Uhr startet die Ausstellung mit einer Vernissage in Anwesenheit der drei Künstler. Bis zum 16. Oktober können die Werke während der Öffnungszeiten der Verwaltung betrachtet werden. (flo)

Zu ihren grossen Stärken gehört das Zeichnen im japanischen Manga-Stil. Im Alter von 8 Jahren stiess sie in der Bibliothek auf ein Zeichenbuch, das die Merkmale dieser Richtung erklärte, etwa die oft kindlichen Proportionen von Menschen mit grossem Kopf und vergrösserten Kulleraugen. Das junge Mädchen fand gefallen und machte sich den Stil zu eigen.

Allerdings reduziert sich ihr Werk keinesfalls auf Mangas. Zurzeit hat sie grossen Gefallen an realistischen Darstellungen. Wegen der erhöhten Komplexität freue sie sich bei realistischen Arbeiten besonders über gelungene Bilder. Werkübergreifend gibt es dennoch gewisse Tendenzen: «Ich zeichne am liebsten Menschen», sagt sie. Inhaltlich fühlt Sina Stähli sich eher von Nachdenklichem angezogen und schreckt auch vor negativen Darstellungen nicht zurück. Um bestimmte Aussagen gehe es ihr dabei aber weniger. Sie lässt ihre Zeichnungen lieber offen für eigene Gedanken und Interpretationen.

In Zukunft will die Kantischülerin ihr grosses Hobby auch im Beruf nutzen. «Mit Comics ist es schwer, Geld zu verdienen», doch sie würde gerne im grafischen Bereich arbeiten. Trotz allem Realismus hat sie mit ihrer Leidenschaft noch lange nicht abgeschlossen.