Geroldswil
15 Bürgermeister aus Polen bestaunen Recyclingwesen

15 Bürgermeister aus der Gegend um Rzeszów im Osten des Landes weilen in Geroldswil, um die Organisation des hiesigen Abfallwesens kennenzulernen. Sie staunen, wie diszipliniert hierzulande der Abfall getrennt wird.

Sandro Zimmerli
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Die Gäste aus Polen studieren auf der Abfallsammelstelle Giessacker das hiesige Abfallwesen.

Die Gäste aus Polen studieren auf der Abfallsammelstelle Giessacker das hiesige Abfallwesen.

Sandro Zimmerli

«Am Anfang haben sie gewitzelt, wir hätten all die Leute bestellt, um einen guten Eindruck zu erwecken», sagt Pietro Paladino und muss lachen. Der Leiter Bau und Werke der Gemeinde Geroldswil steht auf der Abfallsammelstelle Giessacker, wo an diesem Nachmittag viel Betrieb herrscht. Fast pausenlos kommen Leute, um Flaschen, Zeitungen oder Karton zu entsorgen.

Beeindruckt von Disziplin

Das ist allerdings nicht der einzige Grund für das rege Treiben auf der Sammelstelle. Der zweite ist eine Delegation aus Polen. 15 Bürgermeister aus der Gegend um Rzeszów im Osten des Landes weilen in Geroldswil, um die Organisation des hiesigen Abfallwesens kennenzulernen.

Die Gäste sind beeindruckt von der Organisation und der Disziplin der Leute. «Auch in Polen gibt es Abfallsortierung. Nur funktioniert es bei uns noch nicht so perfekt wie hier», sagt Kazimierz Golojuch, der die Bürgermeisterdelegation auf ihrer Studienreise begleitet. Er ist Abgeordneter im Sejm, neben dem Senat die zweite Kammer des polnischen Parlaments. Golojuch kennt die Schweiz bestens. Er ist Mitglied der Schweizerisch-Polnischen Parlamentariergruppe.
Auch Jerzy Melech staunt, wie diszipliniert hierzulande der Abfall getrennt wird. Melech ist Präsident der «Local Action Group Eurogalicja», einer lokalen Aktionsgruppe, die sich um die Belange der ländlichen Entwicklung kümmert. «Wir wollen die Menschen bei uns auch dazu bringen, den Abfall so sorgfältig zu trennen wie hier», sagt er. Deshalb wolle man eine Kampagne starten, um die Leute für das Thema zu sensibilisieren.

Organisiert hat das Treffen zwischen den polnischen Bürgermeistern und Vertretern der Gemeinde Geroldswil die Organisation Swiss Recycling. «Wir erhalten immer wieder Anfragen aus dem Ausland. Dieses Mal geht es darum, den polnischen Bürgermeistern die Organisation unseres Abfallwesens näher zu bringen», sagt Patrik Geisselhardt, Geschäftsführer von Swiss Recycling. Mit der Anfrage reagierten die Besucher auf eine Gesetzesänderung in Polen. Künftig müssten die Gemeinden bei der Abfallentsorgung mehr Verantwortung übernehmen als bis anhin.

Ausgezeichnete Sammelstelle

«Wir haben ihnen beispielsweise gezeigt, wie das PET-Recycling organisiert ist. Zudem haben wir die Abwasserreinigungsanlage und das Kehrichtheizkraftwerk der Limeco in Dietikon besucht», so Geisselhardt. Die Abfallsammelstelle in Geroldswil habe man ausgesucht, weil sie sehr vorbildlich sei. «Wir haben in Geroldswil einen Check-Up der Sammelstelle gemacht. Sie hat dabei einen sehr guten Eindruck hinterlassen», sagt Geisselhardt.
In Geroldswil freut man sich über das Lob. «Für uns ist es ein Kompliment, dass unsere Sammelstelle für die Besichtigung ausgesucht wurde», sagt Sozial- und Gesundheitsvorsteherin Veronika Neubauer. Die Anlage sei zehn Jahre alt, so hohen Besuch habe man hier aber noch nie gehabt.

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