Bezirksgericht Dietikon
14 Monate Knast: Heiratsschwindler kommt mit blauem Auge davon

Ein Chauffeur wird von Betrugs- und Vergewaltigungsvorwürfen freigesprochen. Doch er wurde wegen Körperverletzung, Drohung, versuchter Nötigung, Sachbeschädigung sowie Hausfriedensbruchs für schuldig befunden.

Attila Szenogrady
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Das Bezirksgericht Dietikon.

Das Bezirksgericht Dietikon.

Limmattaler Zeitung

Laut Anklage hat ein Heiratsschwindler gleich drei Frauen zum Teil um Geld betrogen, körperlich attackiert und sogar vergewaltigt. Da das Gericht den Beschuldigten von gewichtigen Vorwürfen freisprach, setzte es anstelle einer 42-monatigen Freiheitsstrafe nur noch 14 Monate ab. Was zu seiner sofortigen Haftentlassung führte.

Die Vorwürfe gegen den heute 39-jährigen Chauffeur aus dem Kanton Schaffhausen wogen schwer. Wegen Betrugs, versuchter Erpressung, Nötigung, Drohung, Körperverletzung, Vergewaltigung und weiteren Delikten drohte ihm am Bezirksgericht Dietikon seit letzter Woche eine unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren.

Die Anklageschrift gegen den Mann setzte im Frühling 2012 ein. Damals gaukelte der Beschuldigte einer Sicherheitsangestellten eine Liebebeziehung vor und sprach von einer baldigen Heirat. Die Frau glaubte das Märchen und überwies ihrem Verehrer für den angeblichen Kauf einer Bar in Zürich innert weniger Wochen über 165 000 Franken.

Veröffentlichung von Nacktfotos

Sicher ist, dass der Beschuldigte das Geld für sich verbrauchte und damit auch die Hochzeit mit einer zweiten Freundin finanzierte. Als die geprellte Dame ihr Geld zurückverlangte, drohte er ihr, Nacktfotos von ihr zu veröffentlichen.

Nicht zuletzt hatte der Heiratsschwindler in Dietikon eine dritte Freundin, die er nicht nur geschlagen, sondern auch vergewaltigt haben soll. Nachdem der Beschuldigte im Mai 2014 seine Gattin in der ehelichen Wohnung in Thayngen gewürgt hatte, wurde er von der Polizei festgenommen und sitzt seither im Gefängnis.

Hauptvorwürfe nicht erwiesen

Am Donnerstag kam der nicht geständige Chauffeur am Bezirksgericht Dietikon mit einem blauen Auge und einer unbedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten davon. So wurde er zwar wegen Körperverletzung, Drohung, versuchte Nötigung, Sachbeschädigung sowie Hausfriedensbruchs für schuldig befunden, von den Hauptvorwürfen des Betrugs sowie Vergewaltigung mangels Beweisen aber entlastet.

Beim Betrug verneinte das Gericht ein Lügengebäude, da er aus der Hochzeit mit seiner zweiten Freundin kein Geheimnis gemacht habe. Was er getan habe, sei zwar moralisch fragwürdig, strafrechtlich aber nicht verboten, führte der Gerichtsvorsitzende Stephan Aeschbacher aus. Bei der eingeklagten Vergewaltigung habe die dritte Geschädigte viel zu widersprüchliche Aussagen getätigt, begründeten die Richter diesen gewichtigen Teilfreispruch.

Strafe bereits verbüsst

Schuldsprüche gab es aber bei der Drohung und beim Würgen zulasten der Ehefrau sowie bei der versuchten Nötigung mit den Nacktfotos. Hinzu kam noch ein Hausfriedensbruch bei der dritten Geschädigten. Was insgesamt zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten führte. Da der Beschuldigte bereits 413 Tage verbüsst hat, wurde er vom Gericht nach der Urteilseröffnung aus der Haft entlassen.

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