Bewegte Geschichte

110 Jahren Gasnetz: Als Dietikon ein künstliches Licht aufging

Stadtrat Lucas Neff dankte der Infrastrukturabteilung.

Stadtrat Lucas Neff dankte der Infrastrukturabteilung.

Vor exakt 110 Jahren nahm Dietikon sein erstes Gasnetz in Betrieb – ein Blick zurück zeigt die bewegte Geschichte der Gasversorgung.

Heute vor 110 Jahren floss zum ersten Mal Gas durch Dietikon. Fortan leuchteten Häuser und Fabriken heller als zuvor, als Kerzen und Fackeln verwendet wurden. Und auch Kochen und Heizen wurden erleichtert. Im Februar 1909 hatte die Gemeindeversammlung beschlossen, eine eigene Gasversorgung zu gründen. Gespiesen wurde das Netz vom ein paar Jahre zuvor eröffneten Gaswerk Schlieren.

Zum 110-Jahr-Jubiläum lud die Stadt Dietikon alle Mitarbeitende der Infrastrukturabteilung zum Spaghettiplausch ein. Davor blickte Infrastrukturvorstand Lucas Neff (Grüne) in einer Ansprache im Werkgebäude auf die bewegte Geschichte der Gasversorgung zurück. «Wir widmen diesen Geburtstag allen Mitarbeitenden der Infrastrukturabteilung, die täglich im Einsatz sind», sagte Neff. Auch Stephan Kündig, Leiter Infrastrukturabteilung, richtete ein paar Wort an die Anwesenden. Er habe sich im Vorfeld überlegt, ob es wirklich etwas zu feiern gäbe, weil Gas im Zuge der ökologischen Energiewende eher ein schlechter Ruf anhafte. «Aber wir sehen mehr Chancen als Risiken für Gas», sagte er. Gas spiele etwa eine wichtige Rolle, um überschüssige Sonnenenergie für die kalten Monate aufzusparen.

Dabei nimmt Dietikon eine Vorreiterrolle ein. 2021 will die Limeco schweizweit die erste Power-to-Gas-Anlage in Betrieb nehmen. Diese stellt mit elektrischer Energie Wasserstoff her und wandelt diesen zusammen mit dem CO2 aus dem Klärgas der Abwasserreinigungsanlage in Biogas um.

Auch Neujahrsheft widmet sich der Gasversorgung

Unter den Gästen war neben dem Dietiker Stadtpräsidenten Roger Bachmann, dem Schlieremer Infrastrukturvorstand Andreas Kriesi (GLP), Vertretern der Limeco und der Erdgas Regio AG auch Heini Lüthy. Er hat für das am Samstag in einer Woche erscheinende Dietiker Neujahrsheft einen umfassenden Beitrag zur Geschichte und Zukunft der Gasversorgung in Dietikon geschrieben. Das Werk wurde am Jubiläumsanlass als separate Broschüre verteilt.
Zunächst bezog die Stadt vor allem sogenanntes Leucht- oder Stadtgas, das ab dem 20. Jahrhundert durch die Vergasung von Kohle gewonnen wurde, schreibt Lüthy in seiner Chronik. 1974 stellte die Stadt die Gasversorgung von Leuchtgas auf Erdgas um. Dieses enthält mehr Energie und weniger Kohlenmonoxid, dass beim Leuchtgas zu vielen Vergiftungen führte. Weil sich beide Gasarten unterscheiden, wurde mit der Umstellung der Druck auf ein für Erdgas sinnvolles Level erhöht. Die führte vor allem bei älteren Leitungen zu grossen Gasverlusten. Deshalb musste Dietikon in den 70er-Jahren tief in die Tasche greifen, damit die Gasversorgung im grösseren Stil Leitungen abdichten konnte. Wegen dem grossen Aufwand wurde sogar die komplette Stilllegung des Netzes erwogen.

Seit Mitte der 2000er-Jahre ist Dietikon an der Erdgas Regio AG beteiligt. Diese beschafft heute Gas für insgesamt 19 Aktionäre von Brugg bis Glarus. Neben Dietikon und Zürich gehört auch Schlieren dazu. Die gemeinsame Beschaffung machte die Gasversorgung preislich konkurrenzfähiger.

Seit 2016 enthält das Gas in Dietikon standartmässig

20 Prozent Biogas aus erneuerbaren Quellen. Damit wollte die Stadt dem zunehmenden Bewusstsein für Umweltschutz und Nachhaltigkeit Rechnung tragen. Das Gasnetz in Dietikon ist in der 100-jährigen Geschichte stets gewachsen und musste immer wieder den steigenden Anforderungen angepasst werden. In der ganzen Zeit blieb die Gasversorgung immer in städtischer Hand und wird von der Infrastrukturabteilung betrieben. Heute sind gut 80 Prozent des Dietiker Siedlungsgebiets an das Gasnetz angeschlossen. Das Gas wird hauptsächlich zum Heizen und zu einem kleineren Teil zum Kochen verwendet.

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