Tierauffangstation Glanzenberg
11 Tiere landeten im Heim, ein einziges fand ein neues Zuhause

Wenn Tiere unüberlegt angeschafft werden, landen sie oft kurz danach im Tierheim. Heidi Illi, Leiterin der Station, kritisiert Halter wie auch Händler.

Julia Wartmann
Merken
Drucken
Teilen
Andi und Mara kuscheln gerne zusammen.
8 Bilder
Heidi kam in die Auffangstation als sie schon trächtig war.
Murmel ist mit neun Jahren das älteste Kaninchen in der Auffangstation. Er befindet sich seit 2011 dort und hat seine Partnerin überlebt.
In diesen Gehegen werden jeweils zwei Kaninchen zusammen gehalten.
Die Hasen werden häufig abgegeben, da sie "zu viel Arbeit" machen.
Tierauffangstation Glanzenberg
Peter wurde bei seiner Einlieferung sofort kastriert und muss jetzt getrennt von Heidi und den Kindern untergebracht werden.
Paul blieb übrig, als sein Partner wegen einer Augenkrankheit eingeschläfert werden musste.

Andi und Mara kuscheln gerne zusammen.

Julia Wartmann

Beim Betreten der Tierauffangstation Glanzenberg schlägt dem Besucher ein intensiver Kohlduft entgegen. Sie koche gerade für die beiden Schweine «Streifli» und «Fläckli», erklärt Heidi Illi, Leiterin derselben. Die richtige Ernährung sei essenziell bei der Tierhaltung. Wenn diese nicht eingehalten wird, äussere sich das in Dickleibigkeit und Atemproblemen. Bei vielen der abgegebenen Tiere stelle sie diese Symptome fest. Bei Pflanzenfressern habe Übergewicht besonders gravierende Folgen, da es ihnen fast unmöglich sei, abzunehmen. Sie haben einen Stopfdarm, was bedeutet, dass sie ständig Nahrung aufnehmen müssen, um diese überhaupt verdauen zu können.

Auch die beiden Zwerg-Geissen in der Auffangstation leiden an Übergewicht. Dies stamme daher, dass sie von Spaziergängern, trotz Verbotsschildern, immer wieder mit Brot und anderen Dickmachern gefüttert werden.

Massenhaft Kaninchen

Von den rund 30 Tieren in der Auffangstation sind 24 Kaninchen. Hunde, häufig gesehen in anderen Tierheimen, sind hier gemäss Pachtvertrag nicht erlaubt. «Die Leute kaufen oft unüberlegt Haustiere und merken erst nach einiger Zeit, wie viel Arbeit sie verursachen», sagt Illi. Sechs Zwerg-Kaninchen hat sie mittlerweile schon mit zu sich nach Hause genommen, da im Heim kein Platz mehr ist. Vier weitere Anfragen musste sie ablehnen. Im letzen Jahr wurden rund 11 Kaninchen in Glanzenberg abgegeben, und nur ein einziges fand ein neues Heim. Auch zwei Katzen, die jemand in Bananenkartons vor die Auffangstation gestellt hatte, quartierte Illi auf ihrem eigenen Estrich ein.

Die Frage, ob nach den Festtagen besonders viele Tiere abgegeben werden, verneint sie. Wenn es überhaupt eine Zeit gäbe, in der mehr Anfragen kommen, dann sei es vor den Sportferien. «Zu dieser Zeit realisieren die Besitzer, dass sie das Tier nicht alleine zurücklassen können, und geben es ab», sagt sie.

In letzter Zeit bekam sie es vermehrt mit jungen Erwachsenen zu tun, die sich nach dem Auszug bei den Eltern ein Haustier zulegten und es schon bald darauf nicht mehr wollten.

Ihrer Meinung nach sollten Züchter und Zoohandlungen die Käufer verstärkt auf den Aufwand, der ein Haustier bedeutet, hinweisen. Diese seien jedoch hauptsächlich an einem Verdienst interessiert, und nicht am Wohl der Tiere, sagt Illi.

Anforderungen erfüllen

Wer ein Kaninchen aus der Auffangstation adoptieren möchte, muss gewisse Voraussetzungen erfüllen. Idealerweise sollte ein Auslaufstall im neuen Zuhause vorhanden sein. Falls ein verstorbenes Kaninchen durch ein neues ersetzt werden soll, muss der Stall unterteilbar sein. Dies ist notwendig, um das neue Tier ans alte zu gewöhnen. Wer die Kaninchen in einem Käfig halten will, muss ihnen zwei der grössten erhältlichen Modelle nebeneinander zur Verfügung stellen. Illi lässt sich von potenziellen Besitzern zur Kontrolle Bilder zeigen, oder besucht diese auch mal zu Hause. Einmal, erinnert sie sich, habe sich eine potenzielle Kandidatin geweigert, ihr die Tier-Anlage zu zeigen. Sie habe sich deshalb geweigert, ihr die Tiere abzugeben. «Wenn es ums Wohlergehen der Tiere geht, mache ich keine Ausnahme», so Illi.