Bezirksgericht Dietikon

11-jähriger Nachbarsbub von Familienvater missbraucht

Die Richter hielten dem Beschuldigten weder seine Vorstrafenlosigkeit noch einen angeblich eigenen sexuellen Missbrauch in seiner Kindheit zugute.

Die Richter hielten dem Beschuldigten weder seine Vorstrafenlosigkeit noch einen angeblich eigenen sexuellen Missbrauch in seiner Kindheit zugute.

Ein Familienvater erhält drei Jahre Gefängnis und ein Rayonverbot – das Gericht hielt seine Rechtfertigungen für Ausreden.

Es war am 23. September vor einem Jahr, als die Polizei einen Hotelangestellten aus Dietikon festnahm. Eine benachbarte Mutter hatte den Familienvater wegen sexueller Übergriffe zulasten ihres damals elf-jährigen Sohnes verzeigt. Die Ermittlungen ergaben, dass das missbrauchte Kind ein Freund des Sohnes des Beschuldigten war, und dessen Wohnung am 21. September 2013 aufgesucht hatte.

Sexuell missbraucht

Die Anklage führte aus, dass sich der Hotelangestellte alleine in seiner Wohnung aufhielt und die Gelegenheit ausnutzte, um den Nachbarsbuben sexuell zu missbrauchen. Unter anderem griff er in den Gentalbereich des Kindes. Zudem versuchte er auch, mit seinem Glied in das Opfer einzudringen, was ihm glücklicherweise nicht gelang. Allerdings stellten die Untersuchungsbehörden am Körper des geistig zurückgebliebenen Schülers Spermaspuren sicher.

Der Geschädigte erzählte jedenfalls kurz nach den Übergriffen alles seiner Mutter und schilderte seine schlimmen Erlebnisse auch gegenüber der Polizei. Dabei erwähnte er einen weiteren Vorfall, der sich bereits im Frühling 2013 ereignet haben soll. Laut Anklage rieb der beschuldigte Vater schon damals am Penis des minderjährigen Knaben.
Am Dienstag musste sich der inhaftierte Beschuldigte wegen mehrfacher sexuellen Handlungen mit Kindern vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Ihm drohte eine unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren.

Der depressive Mann hinterliess nicht den besten Eindruck. Das Gericht lastete ihm nach der Befragung ein ausweichendes, widersprüchliches und anpasserisches Aussageverhalten an.

Der Beschuldigte machte einerseits Erinnerungslücken wegen Medikamenten und einen Dämmerzustand für die Tatzeit geltend. Erst als er aufgewacht sei, habe er bemerkt, dass er gar keine Hosen mehr anhatte, sagte er. Zudem brachte er eine Geschichte vor, wonach der Geschädigte vor den Vorfällen etwas Sexuelles mit seinem Sohn getan habe.

Zu viele Medikamente?

Der Beschuldigte führte zudem aus, dass er herzkrank sei und heute täglich bis 15 Medikamente einnehmen müsse. Was den Verteidiger dazu veranlasste, im Hauptantrag einen vollen Freispruch zu fordern. Die Schuldfähigkeit seines phasenweise verwirrten Klienten sei massiv eingeschränkt gewesen, plädierte er. Ein Vorsatz sei ihm deshalb schlicht nicht nachzuweisen. Im schlimmsten Fall eines Schuldspruchs sei eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten angemessen.

Volle Schuldfähigkeit

Das Gericht lehnte die Dämmerungs-Version der Verteidigung entschieden ab und berief sich auf den Gerichtspsychiater, der für die Tatzeit dem Hotelangestellten eine volle Schuldfähigkeit attestiert hatte. Dabei spielte es eine grosse Rolle, dass der Beschuldigte die angeblichen Erinnerungslücken zu Beginn der Untersuchung noch mit keinem Wort erwähnt hatte. Zudem stufte das Gericht die Aussagen des geschädigten Kindes als glaubhaft, zurückhaltend und plausibel ein. Der geistig beeinträchtige Schüler sei gar nicht in der Lage, irgendwelche Geschichten frei zu erfinden, führte der Gerichtsvorsitzende Stephan Aeschbacher aus. Er sprach von einem «gravierenden Missbrauch eines Kindes».

Ein Kilometer Abstand zum Kind

Zum Schluss hielten die Richter dem Beschuldigten weder seine Vorstrafenlosigkeit noch einen angeblich eigenen sexuellen Missbrauch in seiner Kindheit zugute. Hingegen seinen angeschlagenen Gesundheitszustand, was zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren führte. Die Hälfte davon unbedingt. Das Gericht auferlegte ihm zudem ein Rayonverbot für die Probezeit von zwei Jahren. Demnach muss er ständig einen Abstand von mindestens einem Kilometer zum Wohnort des Geschädigten einhalten.
Der Beschuldigte wurde zudem verpflichtet, dem Opfer einen Schadenersatz von 430 Franken sowie eine Genugtuung von 5000 Franken zu bezahlen. Er soll zudem grundsätzlich für allfällige weitere Schäden des Kindes aufkommen.

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