Im Saal wird gelacht, als Hans-Peter Trutmann, ehemaliger Präsident des Katholischen Turnvereins (KTV) und Dietiker Lokalhistoriker, das Bild eines alten Holzschopfs zeigt und kommentiert. Auf der Schwarz-weiss-Fotografie ist die erste Turnhalle des Turnvereins zu sehen. Darin standen einige Barren, rundherum wuchsen gründe Wiesen und Bäume. Vor hundert Jahren, als der KTV gegründet wurde, war Dietikon ein kleines Dorf, das mehrheitlich aus Grünflächen bestand, wie eine ältere Luftaufnahme zeigt. Selbst im Ortszentrum war reichlich Platz vorhanden, der körperlichen Ertüchtigung nachzugehen.

Zu jedem Haus eine Geschichte

Trutmanns Ausführungen zur Geschichte des KTV waren das Filetstück der 100-Jahr-Feier, die der Verein am Samstag im Pfarreizentrum St.Agatha abhielt. Trutmann führte ein hochinteressantes Stück Stadtgeschichte vor und egal, welche Fotografie gerade auf der Leinwand erschien, er kannte all die Häuser und Personen und über alles und jeden eine Geschichte: etwa über das Gründungsmitglied Ulrich Kollbrunner, der einst geholfen hatte, den Gotthard zu bauen und dann als Sekundarlehrer nach Zürich gehen musste, weil man es in seinem neuen Wohnort Dietikon nicht guttierte, dass er von Schulen ohne Konfessionstrennung sprach; oder von der Fasnacht 1930, als die Dietiker gegen die Einstellung ihrer Strassenbahn protestierten. «Ein sehr aktuelles Thema», wie Trutmann scherzhaft kommentierte.

Das Referat erinnerte an die goldenen Zeiten des Vereins, an die Sonntagsspaziergänge mit Anzug, Hut und eigener Marschkapelle in der Frühzeit oder an die Sechzigerjahre, als der Verein über 700 Mitglieder zählte und Tausende von Turnern zu einem Turnfest nach Dietikon holte.

Diese Glanzzeiten sind vorbei. Doch in Form von Traditionen würden sie vorerst weiter bestehen, wie Stadtpräsident Otto Müller in seiner Ehrung betont. «Ich bin stolz, dass unter den über hundert Vereinen in Dietikon auch solch traditionsreiche wie der KTV mitwirken», sagte der Politiker und gratuliert im Namen des Stadtrats.

Gratulanten aus dem Wallis

Von überall wurde der KTV mit Gratulationen und Geschenken überhäuft. Etwa vonseiten der anderen Turner in der Stadt, Satus Dietikon und dem STVDietikon, die früher erbitterte Feinde waren und heute gute Freunde geworden sind. Dazu kommt eine ganze Liste von Vertretern des Turnsports, doch auf eine Gruppe im Saal war KTV-Präsident Jürg Meier besonders stolz. Extra aus dem Wallis angereist war nämlich eine Delegation des KTV Glis-Gamsen, der vor allem während seiner Anfangszeit in den Fünfzigerjahren treue Unterstützung aus Dietikon erhielt. Ihre freundschaftliche Zuneigung drückten die Walliser in Form einer riesigen Flasche Wein und eines Korbes mit geräucherten Wurstwaren aus.

Neben Ehrungen und Geschenken bot der Abend auch ein schmackhaftes Menu und gute Unterhaltung. Für letztere war vor allem ein angeheuerter Clown und Zauberer verantwortlich, der die etwa zweihundert geladenen Gäste während des ganzen Abends mit kleinen Spässen und Kunststückchen neckte.