Für die Lernenden kann das Überstehen einer Probezeit ein grosser Druck bedeuten. Dieser muss nicht übermässig sein, erklärt Prorektor Dr. Andreas Messmer von der Kantonsschule. Grundsätzlich gäbe es aber keine allgemeingültigen Rezepte. 

Tipp 1: Gelassenheit – Wie lässt sich die Nervosität in den ersten Schultagen besiegen?

Um die neue Situation annehmen zu können, ist die bestmögliche Gelassenheit gefragt. Es hilft auch, sich bewusst zu werden, dass alle anderen 130 Lernenden im gleichen Boot sitzen, so banal dies klingen mag – so beruhigend kann es sein. Die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen hilft ebenfalls, denn neben dem Stoff werden sich Neueintretende einen Platz in der Schulgemeinschaft suchen (müssen). Die Zeit des Ankommens ist wertvoll und jeder erhält darin eine faire Einschätzung und Beurteilung. 

Tipp 2: Den Überblick behalten – Was ist in der Probezeit besonders zu beachten?

Man sollte bereit sein, Anstrengung auf sich zu nehmen. Verzichten können, gleichzeitig aber einen Ausgleich anstreben. Die Schultage gilt es als offen und motiviert anzugehen. Sehr wichtig ist auch eine optimale Organisation sowie den Überblick zu behalten, dies sind die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Probezeit. Wesentlich ist auch, die Kameradschaften in der Klasse zu pflegen, falsche Hemmungen sind da fehl am Platz. Gemeinsam vorgehen, lernen und entwickeln macht stark; Konkurrenzverhalten und falsche Scham sind wenig förderlich. 

Tipp 3: Kein Nachhilfeunterricht! – Sollte man sich, unabhängig vom Schulstoff, zusätzlich vorbereiten?

Wenn damit die Frage nach Förderkursen und Nachhilfe gemeint ist: Ein überzeugtes Nein! Langfristig wäre das weder hilfreich noch erfolgreich. Der Schulalltag ist zusammen mit den Hausaufgaben streng und lange genug. Es braucht noch Luft zum Atmen und irgendwann geht auch nichts mehr in den Kopf hinein. 

Tipp 4: Resultate analysieren – Wie soll man mit ersten schlechten Noten am besten umgehen?

Das Schwierige daran ist zunächst wohl der Umstand, dass man sich in aller Regel nicht gewohnt ist eine schlechte Note zu erhalten - konnte man doch in der Volksschule allenfalls ohne grossen Einsatz mit besten Resultaten glänzen. Man soll sich bewusst sein, dass eine schlechte Note auch zur Kanti gehört und versuchen, das Prüfungsresultat zu akzeptieren und zu analysieren. Woran lag es? Habe ich eine vernünftige Lerntechnik? Habe ich den richtigen Stoff richtig gelernt? Habe ich die Fragestellung richtig verstanden? Auch hier: Offen und aufmerksam auf die nächsten Stunden zugehen, keinesfalls abhängen oder verkrampfen. 

Tipp 5: Ungenügende Noten kompensieren – Welcher Notenschnitt wird für eine bestandene Probezeit erwartet?

Die Probezeit ist bestanden, wenn man in den Promotionsfächern nicht mehr als drei ungenügende Noten hat und die ungenügenden Noten doppelt kompensiert werden können. Wird z.B. die Leistung in einem Fach mit einer 3 bewertet, so muss man zur Kompensation in mindestens zwei Fächern eine 5 oder in einem Fach eine 6 haben.  

Tipp 6: Ruhe und Geborgenheit – Wie begleiten die Eltern am besten ihr Kind durch das Semester?

Die Eltern können einen verständnisvollen und ruhigen Hafen der Geborgenheit sicherstellen. Zudem können sie Unterstützung anbieten, Interesse zeigen, gelegentlich Wörtchen abfragen und an die Hausaufgaben erinnern. Keinesfalls sollten sie einen zu grossen Erwartungsdruck ausüben. Die Eltern sollen die Kinder zur Selbstständigkeit ermutigen und gewährleisten, dass diese zuhause in Ruhe lernen können.  

Tipp 7: Den Ausgleich finden – Sollte man auf Hobbys, Sport und Ausgang verzichten?

Neben der Schule benötigen speziell junge Menschen einen adäquaten Ausgleich, der individuell unterschiedlich sein muss und der zugleich als Ergänzung, keinesfalls aber als Hauptbeschäftigung zu gelten hat. Die ausserschulischen Aktivitäten müssen Platz haben, sind aber mit Rücksicht auf die spezielle Situation der Probezeit bedacht zu wählen.   

Tipp 8: Rat suchen – Welches Vorgehen ist bei Unstimmigkeiten mit den Lernkräften oder unter den Gymnasiasten sinnvoll?

Klassenlehrerinnen und -Lehrer bauen eine spezielle Beziehung zu ihren Schützlingen auf. Tauchen Sorgen und Unstimmigkeiten auf, sind sie die ersten Ansprechpersonen. Bei fachlichen Problemen wendet man sich direkt an die betreffende Fachlehrperson. Bei ernsthafteren Problemen weiss die Schülerberaterin Rat und es stehen verschiedene weitere, speziell ausgebildete Personen für Unterstützung, Beratung und Hilfe bereit. 

Tipp 9: Sich überall einsetzen – Wird eine besondere Begabung zusätzlich gefördert?

Es empfiehlt es sich, sich überall einzusetzen. Ihre Stärken können die Schülerinnen und Schüler jederzeit individuell einsetzen. Fachlich spezielle Begabungen und Interessen werden durch die verschiedenen Wahlmöglichkeiten im Laufe der gymnasialen Ausbildung Rechnung getragen. 

Tipp 10: Rechtzeitig reagieren – Bietet das Gymnasium bei nicht bestanderer Probezeit den Lernenden eine Unterstützung?

Von der Schulleiterkonferenz der Zürcher Mittelschulen (SLK) wurden in Zusammenarbeit mit Volksschul-Lehrkräften Vorkehrungen getroffen, dass Schülerinnen und Schüler nach nicht bestandener Probezeit den Anschluss in der ersten Sekundarklasse bezüglich Unterrichtsstoff ohne grössere Probleme schaffen sollten. In einem Papier der SLK sind «inhaltliche Treffpunkte» für einige Fächer formuliert worden, die unabhängig von den verwendeten Lehrmitteln den Übertritt erleichtern sollen. Zeichnet sich ab, dass der Probezeiterfolg gering ist, sollte man sich einen frühzeitigen Wechsel in die Sek überlegen. Die Erfahrung zeigte, dass durch die Verlängerung der Probezeit auf ein ganzes Semester mehr Schülerinnen und Schüler freiwillig aufhören und den Übertritt zur Sek beantragen.