Fahrweid
1. August-Feier: Irene Schori vergibt ihr Trikot an den lautesten Sänger

Mit einem «Hopp Schwiz» forderte die Curling-Weltmeisterin Irene Schori die Geroldswiler und Weininger zum Feiern auf und dazu, Sport nicht zur politischen Debatte zu machen.

Anina Gepp
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Weiningen und Geroldswil feiert dieses Jahr zum zweiten Mal gemeinsam
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1. August Feier 2016 Fahrweid
Nach der Rede wurde direkt der Grill angeschmissen
Die Bratwürste und Cervelats waren für alle Besucher umsonst
Irene Schori, Curling-Weltmeisterin, hielt die Rede für Weiningen und Geroldswil
Irene Schori, Curling-Weltmeisterin, war froh, dass die Rede schnell vorbei war
Fleissig wurde grilliert, sodass jeder Besucher zugreifen konnte
Der Biss in die Wurst nach der Rede zum ersten August

Weiningen und Geroldswil feiert dieses Jahr zum zweiten Mal gemeinsam

Anina Gepp

Sie sei nervöser als im Weltmeisterschaftsfinale, sagte Irene Schori kurz vor ihrer Rede zum 1. August und lachte sichtlich verlegen. Die Curling-Weltmeisterin trat hinter das Mikrofon räusperte sich merhmals, ehe sie die ersten Worte an die Festgemeinde richtete. Die Sportlerin aus der Fahrweid hielt die diesjährige Ansprache für die Gemeinden Geroldswil und Weiningen die zusammen vor dem Quartierzentrum Föhrewäldli feierten. Das Motto: «Die Schweiz und der Sport».

Eigentlich sei bei diesem Thema mit «Hopp Schwiz» schon fast alles gesagt, so Schori. Denn die Schweiz feiere Geburtstag, nicht mehr und nicht weniger. Und obwohl sie damit die Chance auf die kürzeste Augustrede gehabt hätte, wolle sie sich doch noch etwas mehr dazu sagen, sagte Schori. An Geburtstagen sei man dankbar und heiter. An solchen Tagen den Zeigefinger zu erheben erachte sie für falsch, so Schori. Herumnörgeln sei nicht ihre Art, besonders in ihrer Heimatgemeinde wolle sie nur Gutes anbringen. Oder eben ein «Hopp Schwiiz».

Sport und Politik trennen

Denn Sport solle nicht verpolitisiert werden, sagte Schori. Während den Fussball Europameisterschaften sei aber leider viel darüber diskutiert worden, ob die Nationalmannschaft denn überhaupt noch die Hymne der Schweiz singen solle oder gar dürfe. «Nur weil die Spieler Buchstaben wie X, Q oder C im Nachnamen tragen», so Schori. Sport müsse in der Schweiz immer wieder für allerlei Diskussionen herhalten. «Wenn Sie nun gedacht haben, dass ich mich einklinke und ebenfalls pseudopolitische Verknüpfungen suche, liegen Sie falsch», sagte die Rednerin.

Gar fern liege es ihr, über den Sport einen Bogen zur Europapolitik zu schlagen. Nie würde sie den Sport dazu missbrauchen, um Parallelen zu Weltgeschehnissen zu ziehen. «Dafür habe ich die Schweiz zu gerne und würde auch diese Feier nicht missbrauchen wollen», sagte sie.

Viel mehr wolle sie versuchen zu beschreiben wie es sich anfühle, in der Welt die Schweiz als Sportlerin zu vertreten. «Es gibt kein intensiveres Gefühl, als ein Trikot der Nationalmannschaft zu tragen», so Schori. Das Publikum applaudiert spontan. Als zweifache Weltmeisterin, zweifache Europameisterin und mehrfache Schweizermeisterin weiss sie, wovon sie spricht. An Wettkämpfen mische sich Stolz mit Demut und Verantwortung mit Dankbarkeit, fasste Schori ihre Gefühle in solchen Momenten zusammen. Wenn man zum Schluss auf dem Podest stehe, die Schweizer Flagge gehisst und die Hymne gespielt werde, sei das pure Freude und Hühnerhaut.

Der Lauteste gewinnt das Trikot

«Lasst uns deshalb auch heute freuen und feiern», sagte Schori und hielt ihr Trikot in die Luft. Wer die anschliessend gespielte Hymne am lautesten mitsinge dürfe ihr Trikot behalten. Das Publikum applaudierte erneut. «Aber Achtung, ich singe sehr sehr laut», fügte die Sportlerin an und lachte.

Tatsächlich griff das Publikum fleissig zu den ausgeteilten Notenblättern und sang inbrünstig die Nationalhymne mit. Die Grilleure nutzten indes die wenigen Minuten, um den Grill einzuheizen. Kaum war die Melodie zu Ende, standen auch schon die ersten hungrigen Gäste an, um sich eine gratis Cervelat oder Bratwurst zu schnappen.

Hier war auch Samuel Bosshard anzutreffen. Der Vize-Präsident des Quartiervereins Fahrweid, der zusammen mit den Gemeinden Geroldswil und Weiningen den festlichen Anlass organisierte, zeigte sich zufrieden. «Uns geht es am 1. August darum, den Zusammenhalt der beiden Gemeinden zu fördern und das ist heute bestimmt gelungen», sagte er. Dass mit Schori eine Sportlerin gesprochen habe, sei ausserdem sehr erfrischend gewesen.