«Möösli»
1,4 Millionen Mehrkosten: Sanierung der Biobadi kommt teurer zu stehen

Unausgereifte Planung und unvorhersehbare Umstände führten bei der Sanierung der Badi zu Mehrkosten. Laut Stadtrat Christian Meier sei der Zeitdruck ein weiterer Grund für den überzogenen Kredit. Ein Saisonausfall sei nicht in Frage gekommen.

Florian Niedermann
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Über eine Million Liter Wasser warten in der Biobadi im Moos auf die Badigäste.

Über eine Million Liter Wasser warten in der Biobadi im Moos auf die Badigäste.

Die Bauabrechnung für die Sanierung des Schwimmbades Im Moos dürfte viele Schlieremer Steuerzahler leer schlucken lassen: Die Kosten belaufen sich auf knapp über 7,5 Millionen Franken. Das sind rund 1,4 Millionen Franken – oder ein Viertel – mehr als budgetiert. Am 13. Juni 2010 bewilligten die Stimmberechtigten an der Urne einen Kredit von rund 6,2 Millionen für die Sanierung des Schwimmbades mit vollbiologischer Wasseraufbereitung. Der zuständige Stadtrat Christian Meier (SVP) sagt, die Gründe für die Mehrkosten lägen einerseits im enormen Zeitdruck, unter dem die Sanierung realisiert werden musste, andererseits in unvorhersehbaren Tiefbau-Voraussetzungen, die den Bau erschwerten.

Restaurant mit Verlust: Stadt handelt

In der Bauabrechnung schreibt die Stadt, dass die avisierte Besucherzahl von 35 000 im Schwimmbad Im Moos 2012 nicht erreicht werden konnte. Einerseits sei dies dem schlechten Wetter geschuldet, andererseits auch dem verringerten Platzangebot, das durch den Bau der Regenerationsteiche und des Sprungbeckens zustande kam. Der Restaurationsbetrieb schrieb deshalb einen Verlust von 10 000 Franken, was die Stadt zum Handeln bewog. «Das Restaurant muss kostendeckend geführt werden können», sagt Stadtrat Christian Meier (SVP). Zum einen würden deshalb die Arbeitseinsätze des Personals reduziert. Am Morgen wird dafür künftig nur noch ein reduziertes Angebot an Getränken und Speisen vorhanden sein. Ausserdem versucht die Stadt, mehr Publikum in die Badi zu locken. Vorgesehen sind etwa ein «Vollmondschwimmen» mit speziellem kulinarischem Angebot und die verstärkte Zusammenarbeit mit Sponsoren. Ausserdem soll das Schwimmbad an elf bis zwölf Abenden pro Saison auch für private Anlässe gemietet
werden können, wie Meier sagt.

Saisonausfall kam nicht infrage

Die Zielsetzung der Stadt lautete, dass die Sanierung und Umrüstung der Badi auf biologische Wasseraufbereitung zwischen zwei Saisons realisiert werden muss. Den Auslöser für die Sanierung boten 2009 die in die Jahre gekommene Dichtungsfolie im Bassin des Freibads sowie die Badewasserheizung, die ausgefallen war. Man wollte schnell handeln. Aus diesem Grund habe man sich dazu entschieden, den Sanierungskredit bereits in einer frühen Planungsphase bewilligen zu lassen und kein fertiges Bauprojekt inklusive eingeholten Offerten vor das Volk zu bringen, erklärt Meier.

«Das war ein strategischer Fehler. Heute würden wir uns wohl dazu entschliessen, das Schwimmbad einen Sommer lang zu schliessen und die Planung dafür vor Baubeginn weiter voranzutreiben.» Der Entscheid der Stadt führte nämlich dazu, dass während der Bauphase Änderungen am Projekt vorgenommen werden mussten, um den kantonalen oder kommunalen Bewilligungsrichtlinien gerecht zu werden.

So musste etwa das Sprungbecken gemäss kommunalen und kantonalen Vorgaben einen Meter tiefer gegraben und weiter in den Hang hinein verlegt werden, was zusätzliche Kosten für den Aushub und die Geländeabstützung mit sich brachte. Hätte man die Planung vollständig abgeschlossen, bevor der Kredit vor das Volk kam, so hätte die Stadt diese Kostenpunkte wohl umgehen können. Zusätzliche Kosten erwuchsen wegen der mangelnden Planung im Vorfeld auch beim Ersetzen des Blockheizkraftwerks für die Badewassererwärmung (205 000 Franken) sowie der Umwelttechnik- und Filterinstallationen (260 000 Franken).

Die grösste Kostenüberschreitung resultierte aus den Tiefbauarbeiten. Sie seien in erster Linie den Voraussetzungen im Untergrund der Bassins geschuldet, sagt Meier. Zum einen stiess die Baufirma auf mehrere Findlinge, die ihre Arbeit erschwerten, zum andern konnte das Erdreich nicht mehr zum Auffüllen der Baugrube verwendet werden, weil es den materiellen Ansprüchen nicht genügte.

Man musste es in der Folge abführen und durch neues Material ersetzen. Die Mehrkosten gegenüber dem Budget, die sich im Bereich Tiefbau aufsummierten, betrugen schliesslich 565 000 Franken. «Diese Kosten hätten sich auch nicht vermeiden lassen, wenn man sich für die Planung mehr Zeit gelassen hätte», erklärt Meier.

Kosten erst bei Abschluss bekannt

Ein grosses Problem für die finanzielle Planung des Projekts bestand auch darin, dass die Mehrkosten erst gegen Ende der Bauphase bekannt wurden, wie Meier sagt. «Sie waren meist noch gar nicht abschätzbar, als sie anfielen.» Dass er als zuständiger Stadtrat angesichts der Kreditüberschreitung nicht gut dastehe, sei ihm bewusst, erklärt er. «Diese Zusatzausgaben wären aber auch angefallen, wenn man das Projekt vor der Kreditbewilligung vollständig ausgearbeitet hätte.» Man habe auch im Nachhinein keine Punkte gefunden, an denen man hätte sparen können.

Aufgrund der erheblichen Kostenüberschreitung liess der Stadtrat die Bauabrechnung vor der Bewilligung extern beurteilen. Der Bericht attestiert dem Projekt «einen wenig ausgereiften Projektstand» zum Zeitpunkt der Kreditbewilligung. Angesichts des hohen Zeitdrucks, unter dem die Realisierung stattfand, hätte im Baukredit eine Kostenungenauigkeit von 15 Prozent eingerechnet werden sollen.

Der Stadtrat veranlasste nun,dass ein Projekthandbuch erarbeitet wird, worin Vorgaben für die Organisation, dasBauprozessmanagement und die Veranschlagung von Krediten bei Bauprojekten festgelegt sind. Konkret bedeute dies, dass man in Zukunft bei Projekten dieser Grössenordnung nach dem Prinzip «erst planen, dann bauen» verfahren müsse, sagt Meier. «Politisch-strategisch ist das sicher cleverer. Dass es auf die Kosten im Fall des ‹Mööslis› tatsächlich einen Einfluss gehabt hätte, bezweifle ich jedoch.»