Der Champagnerkorken fliegt durch die Eingangshalle und die elektronische Rikscha erhält den Namen «Coco». Die Bewohnerinnen und Bewohner des Alters- und Gesundheitszentrums Dietikon (AGZ) applaudieren zur gelungenen E-Rikscha-Taufe. Passend zur fröhlichen Atmosphäre singen die geladenen Clowns ein Ständchen.
«Die E-Rikscha ist dafür da, die Bewohner an Orte in der Stadt und auf dem Land zu fahren, die sie noch von früher kennen», sagt Christoph Schwemmer, der Gesamtleiter des Zentrums, in seiner Ansprache.

Namenswettbewerb für die elektronische Rikscha
Im Vorfeld der Taufe reichten Betreuerinnen und Betreuer sowie die Bewohner einige Namensvorschläge ein. Schliesslich hat die Mehrheit entschieden: Die E-Rikscha soll «Coco» heissen. An der Taufe schneidet die Namensgeberin, eine Mitarbeiterin des Zentrums, das rote Geschenkband durch. Ihr Name hat sich gegen andere Vorschläge wie «Butterfly» oder «AGZ-Blitz» durchgesetzt. Die Anschaffung wurde durch das Legat einer verstorbenen Bewohnerin möglich.
Während der Taufe erinnert sich ein Bewohner daran, dass er früher selbst Radrennen gefahren ist. Eine andere Bewohnerin knipst mit ihrem Smartphone einige Fotos, um «die interessante Neuheit» festzuhalten. Ob sie diese auch selbst ausprobieren will, war sie noch nicht sicher.
«Wenn man mit der E-Rikscha durch das Land fährt, spürt man den Wind in den Haaren», sagt Schwemmer. Das sei etwas ganz anderes, als wenn man mit dem Auto einen Ausflug unternehme. Auf das Recht auf «Wind in den Haaren» stossen die Bewohner sowie die Betreuer im Anschluss an die Rede an.


E-Rikscha nach dänischem Vorbild
Den Anstoss, eine E-Rikscha zu kaufen, bekam Schwemmer von der Angehörigen einer Bewohnerin. Ursprünglich stammt die Idee der E-Rikschas aber aus Dänemark. Dort haben bereits 40'000 Seniorinnen und Senioren Zugang zu einem solchen Gefährt. In der Schweiz erarbeitete der Verein «Radeln ohne Alter» ein Konzept, um dieses Erlebnis auch hier zu ermöglichen. Doch: Anders als in Dänemark, musste die E-Rikscha des Altersheims in der Schweiz noch einen Test im Strassenverkehrsamt passieren. Um das Fahren auf der Strasse sicherer zu machen, wurden zusätzlich Bremsen und eine Federung angebracht.
Mit dieser Ausrüstung kann «Coco» nun auch steinige Waldwege überwinden. Doch die Ausflüge sind auf 40 Kilometer begrenzt: Dann ist der Akku leer. Ohne diesen wird die Fahrt mit Passagieren entsprechend anstrengend.

«Unbezahlbare» Fahrt

«E-Rikscha fahren ist nicht wie Velo fahren», sagt Schwemmer, der das Gerät selbst ausprobierte. Das Lenken sei anders und da die Passagiere oft nicht mehr so mobil seien, müsse man noch vorsichtiger sein. Die Fahrer sind Freiwillige und Zivildienstleistende, die extra auf «Coco» geschult wurden. Sobald die Eisheiligen vorbei sind, steht den Ausflügen auf der E-Rikscha nichts mehr im Weg. Bereits im Anschluss an die Feier wagen sich zwei spontan entschlossene Bewohnerinnen mit «Coco» auf eine Probefahrt. Sie setzen sich auf die E-Rikscha und verlassen singend und winkend den Apéro. Eine bereits erfahrene Passagierin des AGZ sagt: «Die Fahrt war unbezahlbar schön!»