Dietikon
Rapaglià vom Boccia-Club Dietikon: «Es ist ein taktischer Sport»

Lange Zeit war Giovanni Rapaglià Fussballtrainer. Doch als er Drillinge bekam, musste er sein Hobby aus Zeitgründen an den Nagel hängen. Einige Jahre lang ging er keiner sportlichen Betätigung nach, bis er 1995 seinen Bruder zum Boccia-Training begleitete.

Manuel Reisinger
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Giovanni Rapaglià nimmt gern an Boccia-Turnieren teil.

Giovanni Rapaglià nimmt gern an Boccia-Turnieren teil.

Manuel Reisinger

«Mein Bruder war schon einige Jahre beim Boccia-Club Dietikon. Er fragte mich, ob ich auch mitkommen möchte», so Rapaglià. Der Sport und der Zusammenhalt im Verein überzeugten ihn: «Es hat alles gepasst.» Und so kam er zum Boccia-Club Dietikon.

Beeindruckt vom Vereinsleben trat der gebürtige Italiener schon nach kurzer Zeit dem Vereinsvorstand bei – zunächst als Sekretär. Seit zwölf Jahren ist er Präsident des Boccia-Clubs. Dieses Amt nimmt einen grossen Teil seiner Freizeit ein. Tagsüber arbeitet der 61-jährige Dietiker als Hauswart an der Oberstufe Weiningen, abends kümmert er sich um diverse Vereinsangelegenheiten wie zum Beispiel die Instandhaltung des Dietiker Bocciodromo, der Bocciahalle mit vier Bahnen.

«Zeit für intensives Training habe ich nicht wirklich. Doch ich spiele sehr gerne ein paar Runden.» Zudem nimmt er auch immer wieder an regionalen und nationalen Turnieren teil. Gewonnen hat Rapaglià aber noch nie. Ihm fehle die Ausdauer, die für längere Runden nötig sei. «Ein Spiel kann zehn Minuten dauern, aber auch mehrere Stunden. Und bei einem Turnier muss man den ganzen Tag lang hoch konzentriert sein», sagt der Dietiker. Zudem findet fast jedes Wochenende ein Turnier statt. So ist Rapaglià an vielen Wochenenden unterwegs. Das stört ihn aber nicht: «Wenn man den Sport liebt, geht man überallhin.»

Für Rapaglià ist Boccia die ideale Sportart: «Es ist ein taktischer Sport, der trotzdem viel Bewegung bietet.» Ausserdem sei es ein gesunder Sport, den auch ältere Menschen problemlos ausüben können. «Es ist die einzige Sportart, bei der drei Generationen einer Familie gemeinsam an einem Turnier teilnehmen können.»

Sein Traum: Boccia als olympische Disziplin

«Bei uns kann jeder vorbeikommen, um Boccia zu spielen. Man muss nicht dem Verein beitreten», sagt der 61-Jährige. Er freue sich jedoch, wenn Spieler dem Club beitreten. Es sei ein gesunder und multikultureller Verein. So spielen Italiener, Schweizer, Kroaten und Spanier mit- und gegeneinander. Und auch einige Frauen sind dabei. Doch der Verein hat ein Problem: «Zwar fehlt es nicht an neuen Mitgliedern, aber an Nachwuchsspielern.»

Das sei allerdings ein Problem des gesamten Schweizer Boccia-Verbands. Deshalb habe man angefangen, mit Schulen zusammenzuarbeiten, um Jugendliche für den Sport zu begeistern. Rapaglià versucht nun, auch mit den Limmattaler Schulen zu kooperieren. Bisher habe er aber lediglich vereinzelte Klassen der Oberstufe Weiningen – seinem Arbeitsort – ins Bocciodromo Dietikon einladen können.

Ausserdem setzt sich der Dietiker aktiv für ein einheitliches Boccia-Reglement ein. «Viele Länder haben unterschiedliche Regeln. Durch eine Vereinheitlichung könnte Boccia zur olympischen Disziplin werden.» Rapaglià strebt an, dass an den Olympischen Spielen 2024 Boccia gespielt wird.