Dietikon

«Rap ist in erster Linie Entertainment. Und dazu gehören auch Waffen»

Milan Bozic

Milan Bozic

Milan Bozic singt «Grüezi Herr Blocher» und wird dafür kritisiert. Der junge Rapper war sich bewusst, dass er provoziert. Im Interview mit der az Limmattaler Zeitung spricht er über seine Beweggründe und seine Erfahrungen mit Rassismus.

Herr Bozic, in ihrem Song «Grüezi, Herr Blocher» rappen Sie darüber, dass Secondos vom Leben hier in der Schweiz «in den Arsch gefickt» würden. Diese Provokation löste auf einem Blog Angriffe gegen Sie aus. War das alles Kalkül?

Milan Bozic: Nein, aber es macht mir wenig aus. Bereits als ich das Stück aufgenommen habe, war ich mir bewusst, dass ich mich auf Kritik gefasst machen muss.

(Quelle: youtube.com/uslaender54)

Grüezi Herr Blocher

Wie reagieren Sie auf diese Kritiker?

Das kommt darauf an. Ich bin für Diskussionen offen. Aber so wie ich das gelesen habe, hat der fragliche Blogger eine sehr gefestigte Meinung. Ich bin kompromissbereit, aber wenn jemand stur auf seiner Meinung beharrt, macht eine Diskussion wenig Sinn.

Welche Erfahrungen machten Sie in Ihrem bisherigen Leben mit Rassismus?

Ich machte die Erfahrung, dass man sich bemühen kann, wie man will, und damit doch keinen Erfolg hat. Ich muss voraus schicken, dass ich hier geboren wurde und in Dietikon aufgewachsen bin. Ich habe einen Sek-A-Abschluss. Dennoch habe ich Dutzende Bewerbungen geschrieben, und sehr lange keine Lehrstelle erhalten. Da beginnt man sich natürlich zu fragen, woran es liegen könnte.

An ihrem Nachnamen?

Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen. Aber mein Abschluss und meine Bewerbung waren gut. Ich sehe also keinen anderen Grund für diese vielen Absagen.

Was gab Ihnen den Anlass dazu, den Song «Grüezi, Herr Blocher» zu schreiben?

Es handelte sich um eine Plakat-Kampagne, auf denen Worte wie «Drecksjugos» und «Sautürken» zu lesen waren. Darauf folgten heftige Reaktionen auf Facebook und anderen Portalen. Da dachte ich mir, dass ich Rap auch nutzen könnte, um mich zur Polemik der SVP zu äussern.

In ihren Videos hantieren Sie mit Waffen und geben sich als Gangster. Damit bedienen Sie genau jenes Bild des kriminellen Ausländers, das Blocher und die SVP in ihren Plakatkampagnen reproduzieren.

Das mag sein, aber es hat für mich mehr mit dem Musikstil zu tun. Rap ist in erster Linie Entertainment. Und dazu gehören auch Waffen. Aber ich trete längst nicht in allen meinen Videos so auf.

Die Öffentlichkeit wird diesen Auftritt aber nicht ohne weiteres als Entertainment zu interpretieren wissen.

Ich denke schon. Auch in Filmen und Videogames sieht man Waffen. Da käme auch niemand auf die Idee, zu behaupten, es sei die Realität. Weder ich noch meine Freunde laufen auf der Strasse bewaffnet umher.

Sie fanden schliesslich doch noch eine Lehrstelle.

Ja, als Koch. Von dem Moment an lief es mir sehr gut, und ich habe die Lehre auch abgeschlossen.

Sie haben das Schweizer Wahlrecht. Nutzen Sie es?

Meist nicht. Ich interessiere mich nicht so sehr für Politik. Wenn es allerdings um Themen geht, die mich selbst betreffen, dann gehe natürlich auch ich an die Urne.

Auf Youtube wurde Ihr Video mittlerweile über 400 000 Mal angeschaut. Haben Sie daran gedacht, beruflich auf Musik zu setzen?

Nein. Es ist nicht das, was ich will. Ich bin nicht an der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit interessiert, auch wenn ich das positive Feedback, das ich für meine Musik bislang erhalten habe, sehr geniesse.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Mein Ziel ist es, als Koch Erfolg zu haben. Ich will nicht unbedingt ein eigenes Restaurant führen, aber mir mit meiner Küche einen Namen machen. Und natürlich viel Geld damit verdienen (lacht).

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