«Wir sind der Ansicht, dass bei den Messungen die Witterung zu wenig berücksichtigt wurde», sagt der Spreitenbacher Gemeindeammann Valentin Schmid. Die Gemeinde hat sich, wie Dietikon, Geroldswil und Oetwil an der Vernehmlassung des Bundesamtes für Verkehr (BAV) zu den Lärmemissionen des Rangierbahnhofs Limmattal beteiligt.

Positiv findet Schmid, dass jetzt Messungen des Bundes vorliegen. «Sie sind neutral.» Schmid erwähnt insbesondere die Windlage: «Bei Ostwind sind unsere Bewohner viel stärker betroffen.» Dies ist ein Gegensatz zu den Zürcher Gemeinden, die vor allem bei Westwindlage beeinträchtigt werden.

Messkreise zufällig eingeteilt

Die Einteilung der Messkreise findet der Spreitenbacher Gemeinderat sehr zufällig. «Wenn deren Radius nur einige Meter vergrössert wird, fallen viele weitere Häuser ins belastete Gebiet.» Im Bericht würden zudem keine Schutzmassnahmen für die zusätzlich betroffenen Gebäude erwähnt. Problematisch bleibt seiner Ansicht nach, dass Mittelwerte massgebend sind: «Wenn es dreimal pro Stunde zu einem starken Knall kommt, erreichen wir Spitzenwerte, die sehr stark stören.» Im Weiteren sagt Schmid, entspreche die Stellungnahme der Gemeinde Spreitenbach denjenigen der Zürcher Gemeinden.

Oetwil habe einen Akustiker damit beauftragt, den Bericht genau unter die Lupe zu nehmen, sagt Rechtsanwalt Thomas Wipf, der die Gemeinde vertritt. Kritisiert werde insbesondere, dass im Messbericht dem Südwestwind zu wenig Rechnung getragen worden sei. «Bei diesen vorherrschenden Windverhältnissen ist es in Oetwil besonders schlimm. Das wurde im Bericht aber nur unzureichend berücksichtigt», so Wipf. Die Gemeinde fordere das BAV deshalb auf, den vorliegenden Messbericht sorgfältig zu prüfen.

Überdies beruft sich Oetwil auf das Vorsorgeprinzip, das gemäss Umweltschutzgesetz besagt, dass Emissionen unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen seien, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar sei. «Für die Gemeinde heisst das, dass selbst wenn die Grenzwerte nicht überschritten sein sollten, die SBB dafür sorgen müssen, dass der Rangierbahnhof möglichst wenig Lärm erzeugt», sagt Wipf.

Geroldswil folge Oetwil weitgehend, sagt Alexandra Deplazes, Gemeindeschreiber-Stellvertreterin. Zudem sei man der Ansicht, dass die Lärmreduktion durch die neuen Balkenbremsen für die Bevölkerung subjektiv kaum wahrnehmbar sei.

In Dietikon beruft man sich ebenfalls auf das Vorsorgeprinzip. «Bislang gibt es von den SBB keine Vorschläge zur Vorsorge», sagt Stadtplaner Jürg Bösch. Diese könnten bis zur Einhausung der Abrollhügel reichen.

Aargau fordert weitere Messungen

Womöglich sei den Messern auch in Spreitenbach ein Fehler bezüglich der Empfindlichkeitsstufen-Zuordnung unterlaufen, sagt Heiko Loretan, Sektionsleiter Luft und Lärm im Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. «Grundsätzlich sind die Messungen für uns aber plausibel und nachvollziehbar.» Man schätze es, eng mit Bund, den SBB und den Gemeinden zusammenzuarbeiten. «Wir fordern aber auch, dass das Lärmsanierungsprojekt rund um den Rangierbahnhof weitergeführt wird. Im äussersten Fall müssten Schallschutzfenster eingebaut werden, um die Anwohner vor Lärm zu beschützen.»

Auch aus Sicht des Kantons Zürich lieferten die Lärmmessungen plausible Resultate, sagt Thomas Maag, Mediensprecher der Baudirektion. «Die Einflüsse bei abweichenden meteorologischen Verhältnissen sind aber noch nicht geklärt.» Eine abschliessende lärmrechtliche Beurteilung sei noch nicht möglich.

Bei den SBB nehme man den Messbericht zur Kenntnis und warte die weiteren Lärmmessungen ab, sagt Mediensprecherin Lea Meyer.