Schon von weitem sieht man Melina an, für welche Mannschaft ihr Herz schlägt. In Vollmontur der deutschen Fussball-Nationalmannschaft springt die junge blonde Frau aus Arni mit ihrem schwarz-rot-goldenen Kopftuch von ihrem Sitz auf und traut ihren Augen nicht. Schon wieder haben die Stürmer Mario Gomez oder Miroslav Klose eine Chance zum Torerfolg nicht genutzt.

Trotz des Ausbleibens der Tore ist in der «Böllebar» in Urdorf, wo während der Europameisterschaften noch bis zum 1. Juli 2012 das Fussballfieber grassiert, die Stimmung sehr gut. «Ich liebe es, mit den vielen anderen Fussball-Fans die Stimmung hier im Zelt zu geniessen. Und jeder darf auch sehen, wem ich die Daumen drücke», lacht die junge Besucherin mit deutschen Wurzeln.

Nicht ganz so euphorisch sind am Ende der Samstagsspiele die Anhänger von Holland und Portugal. Trotz der Niederlagen wird aber gemeinsam gefeiert. Auch Thomas aus Urdorf geniesst die Stimmung im 200-plätzigen «Böllebar»-Zelt: «Es macht viel mehr Spass mit vielen Fans die Spiele live zu erleben und mit zu fiebern.»

Damit möglichst viele Limmattaler Fussball-Fans das Public Viewing in Urdorf geniessen können, verzichten die Organisatoren für einen Besuch im Zelt Eintritt zu verlangen. «Uns ist lieber, wenn die Fans mehrmals zu Besuch kommen um die Fussballspiele gemeinsam zu geniessen», erklärt Mit-Organisatorin Sabrina Peter. In Urdorf geniesst die «Böllebar» bei der Bevölkerung grosse Unterstützung. Nur dank Gönnern und Sponsoren ist die Finanzierung dieser Begegnungsstätte überhaupt erst möglich.

Auch weibliche Gäste seien in der «Böllebar» jederzeit herzlich willkommen sagt Peter schmunzelnd: «Bei uns kann man einfach auch nur etwas Trinken und Essen, ohne dass man die Abseitsregel im Schlaf beherrscht.»

Kalkuliertes Risiko

Sie seien von vielen Freunden und Kollegen motiviert worden, wieder eine Fussball-Begegnungsstätte auszurichten, erklären Peter und ihre Teamkollegen Michael Pauli, Andy Schinkel sowie Marcel Peter. Das Quartett aus Urdorf beweist Mut: Immerhin liegt das Budget in einem mittleren fünfstelligen Bereich. «Wir sind uns bewusst, dass nur mit viel Engagement von unserer Seite am Ende eine ausgeglichene Rechnung möglich sein wird», sagt Pauli.

Aber nicht nur die Organisatoren sind im ständigen Einsatz. Insgesamt sind für Buffet und Grill sowie den Auf- und Abbau sechzig freiwillige Helfer nötig, erklärt Peter: «Im Herbst werden wir als Dankeschön alle Freiwilligen zu einem Helferessen einladen». Für das vierköpfige Bölle-Bar-Team war es ein guter Turnierstart, auch punkto Umsatz. «Die gute Stimmung in der Böllebar entschädigt uns für die viele geleistete Arbeit», sagen die vier Urdorfer übereinstimmend.