Abstimmung

Provisorisches Schulhaus: Dietiker heissen 15-Millionen-Kredit gut

Das Dietiker Limmatfeld erhält ein provisorisches Schulhaus: Das Projekt ist bereits ausgesteckt.

Das Dietiker Limmatfeld erhält ein provisorisches Schulhaus: Das Projekt ist bereits ausgesteckt.

In Dietikon wird innert 13 Monaten ein provisorisches Schulhaus erstellt: Die Stimmberechtigten haben am Sonntag den dafür erforderlichen Kredit über 15,2 Millionen Franken mit 2056 Ja- zu 735 Nein-Stimmen klar gutgeheissen.

Der Dietiker Stadtrat zeigte sich gestern, als die eingegangenen Stimmzettel ausgezählt waren, erleichtert und zufrieden. Denn wegen des Coronavirus fand der Urnengang, der eigentlich am ordentlichen Abstimmungstermin vom Mai angesetzt war, nun an einem ausserordentlichen Termin statt – die Stimmbeteiligung blieb dabei mit 23,3 Prozent erwartungsgemäss tief. Zudem war es im Vorfeld ruhig geblieben – coronabedingt gab es keine Infoanlässe oder Standaktionen.

Dennoch kam kein Zufallsergebnis zu Stande: 2056 Dietiker legten ein Ja in die Urne, 735 ein Nein. Der Kredit über 15,219 Millionen Franken wurde also mit einem Ja-Stimmenanteil von knapp 74 Prozent gutgeheissen.

«Das Resultat ist klar ausgefallen», stellten Bauvorstand Anton Kiwic (SP) und Schulvorstand Reto Siegrist (CVP) fest. Und beide sprachen auch von einem Signal: «Die Dietikerinnen und Dietiker haben sich mit ihrem Votum für eine moderne Schule ausgesprochen», sagte Kiwic. Die Stimmberechtigten hätten erkannt, dass es sich um eine «vernünftige, gute Lösung» handelt, sagte Siegrist.

Es folgen weitere Schulbau-Projekte

Die gestrige Kreditannahme gilt auch als «Startschuss für einen Marathon», wie Siegrist weiter ausführte. Denn die Schule Dietikon steht vor grossen infrastrukturellen Herausforderungen. Gemäss zweier Studien werden die Schülerzahlen wegen des Bevölkerungswachstums in den kommenden 15 Jahren um knapp die Hälfte steigen: von derzeit rund 2800 auf über 4100.

Es gilt deshalb, zusätzlichen Schulraum zur Verfügung zu stellen sowie den bestehenden zu erneuern (das jüngste Schulhaus stammt aus dem Jahr 1972). Gemäss Finanzplanung wird die Stadt mit verschiedenen Projekten rund 300 Millionen Franken investieren müssen, durchschnittlich 20 Millionen im Jahr. «Das ist viel Geld», ist sich Siegrist bewusst. Das Ja zum Stierenmatt-Provisorium wertet er als Zeichen, dass die Stimmbürger gut begründete Projekte trotz der damit verbundenen Kosten auch unterstützen. Und der Bedarf an Schulraum sei ausgewiesen, sagte Siegrist.

Definitive Lösung folgt frühestens 2028

Im neu entstandenen Quartier Limmatfeld, in welchem inzwischen über 2000 Menschen leben, sind bislang zwar vier Kindergärten für rund 80 Kinder vorhanden. Für die 174 im Stadtteil wohnhaften Primar- und Oberstufenschüler fehlt es hingegen an nahen Schulräumen. Diese Kinder und Jugendlichen besuchen derzeit die anderen Schulhäuser der Stadt, die sich auf der anderen Seite der Bahngleise befinden und seit einiger Zeit an ihre Kapazitätsgrenzen stossen.

Die Schulpflege und der Stadtrat beabsichtigen deshalb seit geraumer Zeit, im Limmatfeld ein Schulhaus zu bauen. Bis allerdings auf dem Areal Stierenmatt, das der Stadt gehört, die geplante Anlage stehen wird, dauert es wegen ausstehender kantonaler Planungen noch mindestens acht Jahre; frühestens 2028 wird es gemäss den Erläuterungen in der Weisung zur Abstimmung soweit sein.

Deshalb entschieden sich Schulpflege und Stadtrat dazu, den im Limmatfeld fehlenden Schulraum vorerst mit einer temporären Lösung zu schaffen. Die Stadt übernimmt von den Eigentümern des Hunziker-Areals beim Unterwasserkanal und der Karl-Heid-Strasse ein 3175 Quadratmeter grosses Areal im Baurecht. Der Vertrag sieht eine Nutzungsdauer von acht Jahren vor, er ist einmalig um zwei Jahre verlängerbar.

Auf dem Gelände wird eine komplette Schulanlage entstehen. Es werden aus Holzmodulbauten zwei dreigeschossige Schulzimmertrakte erstellt. In diesen Pavillons gibt es Räume für neun Klassenzimmer, in denen 225 Primarschüler unterrichtet werden können. Im Weiteren gibt es Gruppenräume sowie Zimmer für eine Bibliothek und Handarbeit. Zudem wird auch gleich ein Turnhallentrakt erstellt. In diesem wird auch ein Ess- und Mehrzweckraum mit einer einfachen Küche für den Tagesschulbetrieb integriert.

In 13 Monaten soll die Anlage stehen

Der weitere Terminplan ist eng; die neue Schulanlage soll bereits auf das Schuljahr 2021/22 bezugsbereit sein.

Deshalb ist die ursprünglich auf Mai angesetzte, wegen des Coronavirus aber ausgesetzte Abstimmung nun auch vor den Sommerferien angesetzt und abgehalten worden. Zudem wurden bereits vor dem Vorliegen des Abstimmungsresultates – unter Vorbehalt einer Kreditannahme durch das Stimmvolk – das Baubewilligungsverfahren und das Submissionsverfahren in Gang gesetzt. «So können wir den Zeitplan einhalten», sagte Kiwic gestern. In den kommenden 13 Monaten liessen sich die Holzbaumodule herstellen und im Limmatfeld aufstellen.

Dass es nun im neuen Stadtteil rasch vorwärtsgeht, darüber zeigt sich der Quartierverein Limmatfeld «hocherfreut», wie er gestern mitteilte. Dies sei auch im Interesse der gesamten Stadt. «Wir freuen uns, wie Stadtrat und Verwaltung nach und nach Lösungen für die durch private Bauherren im Limmatfeld hinterlassenen Probleme suchen und umsetzen», wird Vereinspräsident und FDP-Gemeinderat Peter Metzinger in der Mitteilung zitiert.

Pavillons und Turnhalle werden weiter genutzt

Die Pavillons sowie der Turnhallentrakt werden zwar voraussichtlich nur acht bis maximal zehn Jahre im Limmatfeld stehen. Sie werden aber von der Schule Dietikon länger benutzt. Denn sie werden auf anderen Schulanlagen als Ausweichflächen zum Einsatz kommen, wenn diese saniert und erweitert werden.

Dies relativiert auch die auf den ersten Blick hohen Kosten: Die 15,219 Millionen Franken werden nicht nur für die temporäre Schulanlage im Limmatfeld aufgewendet. «Die Pavillons und der Turnhallentrakt werden sich im Besitz der Stadt Dietikon befinden», hiess es denn auch in der Weisung zur Abstimmung.

Aus diesem Grund hatte sich auch die Geschäftsprüfungskommission des Dietiker Parlaments für die Vorlage ausgesprochen. Sie hatte zwar zunächst wegen der Kosten gewisse Vorbehalte angebracht. Doch zerschlugen sich diese, als sie sich mit der Vorlage auseinandersetzte: «In den Gesprächen wurde klar, dass der Stadtrat sich ausführ­lich Gedanken zum Projekt gemacht hatte und dieses technisch gut vorbereitet ist.»

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