Der Übergang vom schulischen Alltag umgeben von Gleichaltrigen hin zu einer Lehre in der Welt der Erwachsenen ist für viele Schüler nicht leicht. Damit sie sich besser auf diesen Wechsel vorbereiten können, startet die Sekundarschule Birmensdorf gemeinsam mit dem örtlichen Gewerbeverein eine Zusammenarbeit mit dem Projekt Lift. Dabei geht es darum, Jugendliche ab der 7. Klasse beim Einstieg in die Arbeitswelt zu unterstützen.

Doch nicht alle 150 Jugendlichen der Sek Birmensdorf sind auf das Angebot angewiesen. Man spreche jene mit einer «erschwerten Ausgangslage» an, sagt Hansruedi Hottinger – er ist beim Projekt Lift für den Kanton Zürich zuständig. Darunter versteht man etwa schlechte Schulleistungen, ein problematisches oder ein wenig unterstützendes Umfeld oder auch ein Migrationshintergrund. Sprich: «Es werden Jugendliche angesprochen, die Gefahr laufen, den Berufseinstieg nicht zu schaffen», sagt Hottinger.

Diese Schüler werden für regelmässige Kurzeinsätze in Gewerbebetrieben – meist in handwerklichen Berufen – eingesetzt. Alles erfolgt auf freiwilliger Basis in der schulfreien Zeit und der Projektstart in Birmensdorf erfolgt im Sommer 2018.

Unternehmen gesucht

«Dafür suchen wir mehrere Unternehmen, die einen solchen Platz anbieten», sagt Schulleiterin Iris Hochschorner. Neben den Einsätzen bietet der Schulsozialarbeiter begleitend Lektionen in Auftrittskompetenz. «Schüler, die nicht ausreichend mit den gesellschaftlichen Umgangsformen in Kontakt kamen, können sich diese aneignen.»

Die Einsätze werden entweder am Mittwochnachmittag oder Samstagmorgen durchgeführt und sollen einfache Arbeiten beinhalten. Mit zwischen fünf und acht Franken pro Stunde werden die Einsätze vom Arbeitgeber entgolten. «Doch viel wertvoller sind die Arbeitszeugnisse, die am Ende der mindestens ein Quartal andauernden Einsätze ausgestellt werden. Bei der Lehrstellensuche», so Hottinger, «sind diese wahres Gold wert, da Arbeitgeber viel auf die Meinung anderer Arbeitgeber geben.»

Im Bezirk Dietikon bisher erst in Urdorf

Schweizweit wird «Lift» an über 200 Standorten angeboten – knapp 60 davon sind im Kanton Zürich. Mit Ausnahme der Schule Urdorf gibt es das Angebot im Bezirk Dietikon noch nicht. «Im zürcherischen Limmattal wäre also noch Lift-Potenzial vorhanden», wie Hottinger sagt. Dies hängt wohl auch mit dem hohen Anteil der Wohnbevölkerung mit Migrationshintergrund zusammen. Von den Teilnehmer-Schulen würden etwa rund 10 Prozent der Schüler an Lift teilnehmen.

Das Projekt Lift wurde im Jahr 2006 vom Netzwerk für eine sozialverantwortliche Wirtschaft (NSW/RSE) gegründet und führte bis zum Jahr 2009 das Angebot in lediglich vier Schulen durch. «Seither haben zwischen 8000 und 9000 Schüler einen Lift-Kurs absolviert, was wir uns bei Projektstart nicht hätten erträumen lassen», sagt Hottinger. Seit vergangenem Jahr ist Lift ein unabhängiger Verein.

Einsatz führt auch zur Lehre

Dass ein Einblick in den Berufsalltag den Schülern guttut, zeigt ein Blick in die Statistik. So finden rund 60 Prozent der Lift-Schüler anschliessend an die Beendigung der Schule eine Lehrstelle. «Darauf sind wir sehr stolz», so Hottinger. Und die Lehrabbruchquote ist tiefer als bei Schülern, die nicht am Programm teilgenommen haben. «Während der ersten drei Monate bleiben sogar 100 Prozent unserer Schüler bei ihrer Lehrstelle, da ihnen die Berufswelt nicht mehr fremd ist», sagt Hottinger.

Nicht selten komme es vor, dass Schüler auch gleich bei den Unternehmen, bei denen sie Arbeitseinsätze verrichtet haben, eine Berufslehre absolvieren.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Gewerbe und der Schule ist keineswegs neu. «Hatten wir das Gefühl, ein Schüler braucht Abwechslung, verschafften wir ihm ein sogenanntes ‹Time-out›. Dabei absolviert er einen Arbeitseinsatz im lokalen Gewerbe», erklärt Hochschorner. Hier hätten die Gewerbetreibenden stets Hand geboten und man hoffe, bei «Lift» sei es ebenso.