Es sieht leicht kurios aus: An einer Leine schleift Wachtmeister Niedermann ein weisses Netzsäckchen mit Wurststücken über das Rüti-Feld in Unterengstringen. Der Grund dafür ist der Rottweiler-Rüde Gysmo, der in einem Kastenwagen am Waldrand auf seinen Einsatz wartet, während Niedermann für ihn die Fährte legt.

Gysmo, der mit vollem Zuchtnamen Gysmo vom Holzbrünneli heisst, ist der neuste und mit dem zarten Alter von vier Monaten auch der jüngste Ordnungshüter im Team der Polizei rechtes Limmattal, die seit zwei Jahren in Oetwil, Weiningen und Unterengstringen zum Rechten schaut.

Nachfolger von Fox vom hohen First

Wachtmeister Niedermann durfte Gysmo Ende September aus der Holzbrünneli-Zucht in Würenlingen abholen, die auf Leistungs- und Sporthunde spezialisiert ist. Nun liegt es an ihm, Gysmo so auszubilden, dass die beiden in etwas mehr als zwei Jahren ihre grosse Einsatzüberprüfung mit Erfolg absolvieren.

Die Chancen dafür stehen gut, denn Niedermann hat Erfahrung mit Diensthunden: Gysmo ist schon sein zweiter tierischer Einsatzpartner. Zuvor hatte er einen Deutschen Schäferhund zum Schutz- und Betäubungsmittelspürhund ausgebildet. Der Schäferhund heisst mit vollem Namen Fox vom hohen First und geniesst jetzt als elfjähriger Rentner das Leben als Familienhund, bei den Niedermanns zuhause.

Niedermann öffnet den Kastenwagen und nimmt Gysmo an die Leine. Nach einem kurzen Abstecher in den Wald – Gysmo muss vor der Übung noch kurz seine Blase entleeren –, zeigt er seinem Hund, wo die Fährte beginnt. Gysmo schnuppert los und verfolgt die Wurstspur.

Dabei ist er nicht nur zielstrebig, sondern auch ziemlich fotogen. Als die Fotografin aus Versehen die Wurstspur kreuzt, lässt er sich nicht beirren. «Das ist eigentlich erst das nächste Level, dass sich der Hund von Zweitspuren nicht ablenken lassen darf. Das haben wir noch gar nicht geübt», sagt Niedermann und freut sich.

Vom Milchzahn bis zum Ehering

Trotzdem: Bis zum voll ausgebildeten Schutzhund muss Gysmo noch viel lernen. Denn Schutzhunde sind die Allrounder unter den vierbeinigen Polizisten: Stellt sich der Einbrecher nach einem Alarm den angerückten Polizisten nicht, dann wird Gysmo dessen Versteck suchen und bellen, wenn er ihn findet. Zudem überwachen Schutzhunde Gelände und Menschen oder werden im Ordnungsdienst eingesetzt. Mit seiner feinen Nase wird Gysmo aber auch nach verlorenen Gegenständen suchen.

Sein Vorgänger Fox war darin ein Vollprofi: «Als einem Arbeitskollegen einst beim Schneeballwerfen der Ehering abhanden ging, hat Fox ihn gefunden. Einmal hat er auch einen Milchzahn aufgespürt, den ein Mädchen in einem Kiesbett verloren hatte. Damit haben wir ihrer Mutter eine grosse Freude gemacht», erinnert sich Niedermann. «Wir Menschen würden solche kleinen Dinge nicht finden, auch wenn wir uns mit einer Hundertschaft auf die Suche machen. Es ist einfach unglaublich, was so ein Hund alles leisten kann.»

Doch wie findet ein Hund überhaupt solche Gegenstände, von denen er gar nicht weiss, wie sie riechen? Niedermann erklärt es: «Jeder Boden hat seinen Eigengeruch. Der Hund sucht dann nach Stellen oder Gegenständen, die anders riechen.» So wie die Wurstspur auf dem Rüti-Feld.

Niedermanns Karriere als Schutzhunde-Führer begann, als er noch bei der Zürcher Stadtpolizei arbeitete. Bevor er einen eigenen Diensthund führen durfte, musste er eine einmonatige Stage bei der Hundestaffel der Stadtpolizei absolvieren.

Später war er für die Stadtpolizei Bülach im Einsatz, bevor er zur neu gegründeten Polizei rechtes Limmattal wechselte. Diese hat ihren Posten in Weiningen und umfasst total vier Polizisten.

Gemeinderäte mussten Segen geben

So kleine kommunale Polizeikorps sind äusserst selten mit Diensthunden ausgerüstet. Niedermann musste zuerst einen Antrag stellen, bevor er nach einem passenden Rottweiler suchen durfte. Denn so ein Hund führt zu leicht höheren Kosten, da üblicherweise das Polizeikorps einen Teil der Haltungs- und die Ausbildungskosten zahlt. «Der Polizeichef hat mich aber von Anfang an unterstützt», sagt Niedermann.

Und die zuständigen Gemeinderäte haben den Antrag bewilligt. Es dürfte sich lohnen: Laut einer Statistik des nationalen Polizeihundeführer-Verbands wurden alleine im letzten Jahr 253 Personen nur dank Polizeihunden festgenommen, dazu kommen 486 gefundene Gegenstände; und 2033 Mal hatten Betäubungsmittelspürhunde Erfolg.

Doch alleine würden das die Hunde nicht schaffen. Es sind all die Übungen wie jene mit der Wurst, die Niedermann tagtäglich abhält, welche die späteren Einsätze überhaupt ermöglichen. An durchschnittlich drei Halbtagen pro Monat muss er zudem an Kursen des Diensthunde-Zentrums Dübendorf teilnehmen, das zur Kantonspolizei gehört.

Auch auf Gysmos Umgang mit Menschen muss Niedermann achten: «Er ist kein Spielzeug, sondern ein Einsatzmittel. Gysmo darf nicht von allen gestreichelt werden, sondern braucht eine gesunde Skepsis gegenüber anderen Menschen.»