Feierlich sollen sie sein, sicher geistreich und im besten Fall auch witzig. Die 1.-August-Ansprachen bilden einen festen Programmpunkt in den Bundesfeiern aller Limmattaler Gemeinden. Dieses Jahr fällt die Wahl der Rednerinnen und Redner sehr einheitlich aus: Es handelt sich fast ausschliesslich um Politiker, die grösstenteils in der Region und manchmal sogar in der Gemeinde, in der sie auftreten, tätig sind.

Innerhalb der Gemeinde gesucht

Am einfachsten hatten es auf der Suche nach einem Redner wohl die Organisatoren in Schlieren, Uitikon und Oetwil, wo mit Parlamentspräsident Lucas Arnet (FDP), Gemeinderätin Barbara Furrer (FDP) und Gemeinderat Urs Landis (parteilos) Personen aus der politischen Kaste der eigenen Gemeinde auftreten werden. Auch in Urdorf wird eine Mitbürgerin eine Rede zu Ehren der Nation halten. Doch mit der Skiakrobatin Tanja Schärer hat man sich dabei für die einzige Nichtpolitikerin unter allen Limmattaler Rednerinnen und Rednern entschieden. Ein fast verwegener Schritt, wenn man das Schema der Auswahl bei den anderen Gemeinden betrachtet.

In Unterengstringen und Bergdietikon kommen Politiker aus den jeweiligen Nachbargemeinden zum Zuge. Dabei handelt es sich um den Schlieremer Sozialvorstand Robert Welti (EVP) und Valentin Schmid (FDP), Gemeindeammann in Spreitenbach.

Grosse politische Kaliber referieren dieses Jahr in Oberengstringen und Weiningen, wo mit Hans Egloff (SVP) und Thomas Hardegger (SP) zwei Nationalräte verpflichtet werden konnten. In Birmensdorf spricht der FDP-Alt-Stände- und Regierungsrat aus dem Kanton Glarus, Kaspar Rhyner. Der Kantonsrat ist mit der Urdorferin Brigitta Johner (FDP) in Dietikon und dem Schlieremer Pierre Dalcher (SVP) in Geroldswil an den Rednerpulten vertreten. Ein Bundesrat liess sich nicht ins Limmattal locken.

Aesch ist die einzige Gemeinde, die auf einen CVP-Vertreter setzt. Dabei handelt es sich um den Dietiker Sozialvorstand Johannes Felber.

Dass die Limmattaler Gemeinden grösstenteils Politikerinnen und Politiker aus der Region für ihre Festreden wählen, ist aus verkehrsökologischen Gründen zwar lobenswert. Es stellt sich aber die Frage, ob die Attraktivität einer Feier nicht gesteigert werden kann, wenn jemand aus einem anderen Teil des Kantons oder gar des Landes dem Publikum seine Sichtweisen vermittelt.

Dieser Ansicht sind offensichtlich doch einige Gemeinden im Kanton, wie ein Blick auf ihr Bundesfeier-Programm beweist. So lockte etwa die Gemeinde Wald im Bezirk Hinwil den Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank an ihre Feier. Und Illnau-Effretikon im Bezirk Uster wählte Jörg Köhler, den Leiter des Amts für Militär und Zivilschutz im Kanton St. Gallen.

Dass sich Urdorf dazu entschlossen hat, eine Rednerin zu engagieren, die nicht politisch aktiv ist, hat für das Publikum einen besonderen Reiz. Egal ob Sportlerinnen, Kulturschaffende oder etwa auch Wirtschaftsvertreter: Sie alle vertreten Meinungen und Sichtweisen, die seltener geäussert werden als diejenigen von Politikern, deren Aufgabe das Vertreten eines Standpunktes in der Öffentlichkeit ist.

Kommandanten und Kantonsschüler

Beispiele für solche nicht politischen Reden gab es auch an Limmattaler Bundesfeiern vergangener Jahre: So etwa als letztes Jahr in Oetwil mit Jürg Bolleter ein Unternehmer ans Rednerpult trat, oder als 2009 in Birmensdorf gleich Vertreter dreier Generationen aus einer Familie zur Bevölkerung sprachen.

Die Eidgenossenschaft besteht nicht nur aus der Classe politique. Sie zeichnet sich durch ihre – in Bundesfeier-Ansprachen oft gelobte –Vielfältigkeit aus. Wenn man ihr gerecht werden will, sollte man Stimmen aus allen Bereichen der Gesellschaft zur Sprache kommen lassen, so wie das im Limmattal an vergangenen Bundesfeiern auch schon geschehen ist.