Dietikon
Podium zur SLS-Vorlage: Es meldeten sich vor allem Kritiker zu Wort

Die Informationsveranstaltung der Stadt zur SLS-Abstimmung zeigte, wie umstritten das Thema ist. Die Kritiker rieben sich vor allem an den Themen Verkehr und Umwelt.

Bettina Hamilton-Irvine
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Nicht alle haben dieselben Vorstellungen für das Dietiker Industriegebiet SLS: Blick über die Reppisch auf die Heimstrasse. BHI

Nicht alle haben dieselben Vorstellungen für das Dietiker Industriegebiet SLS: Blick über die Reppisch auf die Heimstrasse. BHI

Limmattaler Zeitung

Dem Dietiker Industriegebiet Silbern-Lerzen-Stierenmatt, kurz SLS genannt, ist quasi sein eigener Erfolg zum Verhängnis geworden. Dies ist zumindest die Sicht von Stadtpräsident Otto Müller (FDP), der gemeinsam mit Finanzvorstand Rolf Schaeren (CVP) und Stadtplaner Jürg Bösch zu einem Informationsabend eingeladen hatte. Dabei sollte die Bevölkerung sich ein Bild über die SLS-Vorlage machen können, über die sie am 11. März an der Urne befinden kann.

Ein «begehrter Standort»

Für Müller ist klar: Vor allem die «hervorragende Lage» des «begehrten Standorts» habe schliesslich zu Verkehrsüberlastungen und regelmässigen Staus geführt. Dazu kam gemäss Bösch die Tatsache, dass die «äusserst liberalen Regelungen» der 60 Hektaren grossen Industriezone der Stadt keine Möglichkeit gegeben hätten, verkehrsintensive Nutzungen einzuschränken. Diese unbefriedigende Situation will man mit der aktuellen Vorlage – laut Müller letztlich «ein Kompromiss» – nun ändern.

Dass die Meinungen über die Vorlage durchaus auseinandergehen, wurde in der anschliessenden Publikumsdiskussion mehr als deutlich. So sagte AL-Gemeinderat Ernst Joss, es sei dringend nötig, eine «bessere und verträglichere» Vorlage auszuarbeiten, bei der verschiedene Anliegen einbezogen würden. Joss erklärte, dass der Stadtrat durchaus die Möglichkeit gehabt hätte, das heutige Verkehrschaos zu verhindern. Er verwies auf den Bauordnungsartikel, der besagt, dass Betriebe, die überdurchschnittlich viel Verkehr auslösen, nicht zwingend bewilligt werden müssen.

Dem widersprach SVP-Präsident Markus Erni: «Dass man die heutige Situation hätte verhindern können, stimmt nicht.» Denn erst ab einer Fläche von 5000 Quadratmetern könne bei einem Bau eine Umweltverträglichkeitsprüfung verlangt werden. Bei kleineren Gebäuden habe die Stadt in der Industriezone keine Möglichkeit, einzugreifen.

Naturschutz droht mit Rekurs

Kritisiert wurde aus dem Publikum auch, dass den Naturschutzmassnahmen im Gebiet nicht genügend Gewicht gegeben werde. So bemängelte Christa Glauser vom Natur- und Vogelschutzverein Dietikon, dass rund um die beiden Moore im Osten des Gebiets keine Pufferzone ausgeschieden worden sei, wie dies die Flachmoorverordnung verlange. Glauser kündigte diesbezüglich einen Rekurs an: «Wir werden das Ganze auf jeden Fall gerichtlich überprüfen lassen.» Sie bedaure, dass die Stadt Dietikon bei der Ausarbeitung der Vorlage nicht auf den Naturschutzverein zugekommen sei. Bösch erklärte, man sei diesbezüglich im Kontakt mit dem Kanton. «Mehr können wir als Gemeinde im Moment gar nicht machen.»

Ein weiterer Votant beanstandete, dass die Stadt sich nicht zum Grundwasser unter dem Gebiet äussere, welches von der Bautätigkeit beeinflusst werde. Dafür wolle man in neun verschiedenen Zonen Hochhäuser erlauben, was sich negativ auf das Grundwasser auswirken werde: «Man will immer mehr, aber unsere Ressourcen bleiben auf der Strecke.»

Bösch bestätigte, dass die Hochhäuser bei der Ausnutzung einen Bonus von 25 Prozent hätten. Mit Bezug auf das Grundwasser gelte aber für alle Bauten gleiches Recht: «Das Umweltgesetz wird nicht umgangen.»

«Mit zwei Ellen gemessen»

Äusserst kritisch äusserte sich auch der Dietiker alt SP-Gemeinderat und Schlieremer Stadtingenieur Manuel Peer. Dass die Höhe der Ausnutzung «so wahnsinnig reduziert» werde, wie der Stadtrat sage, sei «einfach nicht wahr», sagte Peer: Die Reduktion sei marginal. Die Vorlage sei für ihn als Bürger und Steuerzahler auch aus finanzieller Sicht unbefriedigend: «Für 13,5 Millionen bekommen wir eine Busspur und die anderen bekommen das Recht, weiterzubauen.»

An der Ausnutzung störte sich auch ein anderer Votant. Damit, dass die grossen Grundstückbesitzer eine höhere Ausnutzung bekämen, die kleineren jedoch «abgesägt» würden, habe er «echt Mühe», sagte er: «Hier wird mit zweierlei Ellen gemessen.» Dies sei nicht korrekt, entgegnete Bösch: Die unterschiedliche Höhe der Ausnutzung pro Baufeld sei rein verkehrstechnisch bedingt. Man habe die Höhe der Nutzung ausserdem absichtlich so beschränkt und auf die Baufelder verteilt, dass kaum neue Einkaufszentren möglich sein sollten.