Birmendorf
Pferde striegeln statt in der Sonne liegen

Während andere Kolleginnen in der Sonne liegen, arbeitet Tanja Grüter (16) in ihren Sommerferien auf dem Bauernhof der Familie Job in Birmensdorf. Der Hof ist der vielen Pferde und Pony wegen ein Paradies für Mädchen.

Katja Landolt
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Ponyhof Birmensdorf
5 Bilder
Freibergerstute Nadia und ihr Fohlen Nikita
Stefanie mit Warmblutstute Kira im Viereck hinter den Stallungen
Stefanie zäumt Kira auf
Stute Kira schaut Tanja und Stefanie beim Misten zu

Ponyhof Birmensdorf

AZ

Nikita will nicht raus. Sie ist zwar noch klein, erst drei Monate alt, aber sie hat Kraft. Und wenn das Fohlen was nicht will, gibt es nichts zu rütteln. Mama Nadia muss den ersten Schritt machen, aus der Box in den Hof. Nadia am Strick von Stefanie, Tochter des Hauses, Agriviva-Mädchen Tanja führt Nikita.

Agriviva - der neue Name für den altbekannten Landdienst. Für zwei Wochen arbeitet Schülerin Tanja Grüter (16) aus dem luzernischen Ballwil auf dem Sport - Zucht & Ausbildungsstall Grünau von Ursi und Hansueli Job in Birmensdorf mit. Morgens um halb sieben ist Tagwache, dann stehen Arbeiten wie Füttern, Misten, Pflegen und Bewegen der Tiere an. Vor allem für Mädchen ist der Hof ein Paradies, zehn Pferde, acht Ponys und acht Fohlen leben hier, dazu kommen Enten, Gänse, Katzen, einige Milchkühe und Hunde.

Ausreiten als Zückerchen

Freibergerfohlen Nikita muss laufen üben, für die Fohlenschau in zwei Wochen. «Sie darf nicht am Strick ziehen, sondern muss ruhig mitlaufen», mahnt Reitlehrer Stani Schwab, der die beiden Mädchen beobachtet. Nikita macht sich ganz gut. Aufmerksam läuft sie ihrer Mutter hinterher, die Strasse rauf bis zum Baum und wieder zurück. Das reicht für heute, für mehr ist es einfach zu heiss. Jetzt kommt Kira an die Reihe, eine hübsche Warmblutstute. Tanja darf sie heute zum ersten Mal reiten, auf Viereck hinter den Stallungen. Das ist eine grosse Ehre, normalerweise dürfen die Mädchen nur auf den Freibergern reiten. Kira sei etwas ganz Spezielles; ein gutes Sportpferd mit grossem Herz.

Rund ums Jahr helfen Mädchen auf dem Hof

Vor neun Jahren hat die Familie Job erstmals ein Mädchen zu sich auf den Hof genommen. «Meine Töchter waren während der Ferien einsam; da sorgten die Mädchen für Unterhaltung und gleichzeitig konnten sie uns bei der Hofarbeit unter die Arme greifen», sagt Ursi Job. Inzwischen leben rund ums Jahr Mädchen auf dem Hof. Manche bleiben eine Woche, manche bis zu drei Monate. Ursi Job möchte ihre Agriviva-Mädchen nicht missen. «Ohne sie würde es ja noch langweilig hier draussen.»

Die Hitze auf der Wiese ist kaum auszuhalten, man glaubt, die Glutsonne fresse sich durch die Haut. Tanja dreht mit Kira im Viereck ihre Runden, Schwab gibt Anweisungen. «Zügel annehmen» - «etwas mehr Schub entwickeln» - «nicht mit den Zügeln steuern, sondern mit den Beinen.» Die Zuschauer haben sich in den Schatten verzogen; ein Apfelbaum, der Hagel hat Blätter und Obst übel zugerichtet. «Es reicht nicht, einfach draufzusitzen», erklärt ihnen Schwab. Ein Pferd merke sofort, ob der Reiter wisse, was er will. «Ein Pferd muss wissen, wer der Chef ist.»

«Es ist nie langweilig»

Es ist kurz vor 16 Uhr, in wenigen Minuten kommen Feriengäste aus dem Tessin, die ein paar Tage in der Wohnung unter dem Dach wohnen werden. Ursi Job braucht Hilfe, um die Ferienwohnung fertig vorzubereiten und sucht nach den Mädchen. Tanja fasst den Job, auch Staubsaugen gehört auch zu den Aufgaben eines Agriviva-Mädchens. Ob ihr die Hausarbeit Spass mache? Tanja nickt und schiebt den Staubsauger über den Teppich. «Wenigstens ist es nie langweilig.»

Von topmotiviert bis Totalausfall - Ursi Job erlebt mit ihren Agriviva-Mädchen alles. «Wir mussten schon Einsätze abbrechen, weil Mädchen von Eltern zum Hof-Aufenthalt gezwungen wurden.» Die Mädchen sollten freiwillig herkommen, dann können sie viel lernen, sagt Job. Alles andere mache keinen Sinn und sorge nur für schlechte Stimmung.

Nur eine kurze Pause

Auch Tanja ist auf Initiative ihrer Eltern auf dem Hof der Familie Job gelandet. «Mein Vater hatte die Idee, weil ich etwas Vielseitigeres machen wollte als einen normalen Ferienjob.» Sonst habe sie jeweils tagelang Fensterrahmen zusammengesteckt, jetzt kann sie den ganzen Tag draussen sein, sich um die Pferde und Kinder kümmern. «Mir gefällt es sehr gut hier», sagt sie. Und in Stefanie und Ferienmädchen Sarah hat sie zwei Freundinnen gefunden.

Zum Zvieri gibt es Glace. Die Mädchen sitzen im Schatten und lassen die Beine baumeln. Doch nur kurz, dann springen sie wieder auf. Die Boxen müssen ausgemistet und die Pferde gefüttert werden.