Urdorf
Pfarrwahl nicht korrekt – aber gültig

Pfarrer Max Kroiss hätte in geheimem statt in offenem Verfahren gewählt werden sollen. Die geheimniskrämerische Kirchgemeinde-Verordnung ging schlicht und einfach vergessen.

Flavio Fuoli
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Limmattaler Zeitung

«Wir sind aus allen Wolken gefallen», erklärte der katholische Kirchenpflegepräsident Christian Tomasi auf Anfrage der az Limmattaler Zeitung. Die Kirchenpflege hatte ein Gespräch mit Aschi Rutz, dem Leiter Kommunikation der katholischen Kirche im Kanton Zürich. Und der beschied ihr, dass die Wahl von Pfarrer Max Kroiss am Sonntag, 6.Februar (die az Limmattaler Zeitung berichtete), nicht ganz korrekt über die Bühne gegangen war. Tomasi liess nämlich damals die 82 Stimmberechtigten die Pfarrwahl in offener Abstimmung durchführen. Das war ein Fehler. Die Abstimmung hätte gemäss Zürcher Kirchenrecht geheim durchgeführt werden müssen.

«In geheimem Verfahren»

Wie Aschi Rutz gegenüber dieser Zeitung erklärte, richte sich das Verfahren für die Wahl der Pfarrer gemäss Kirchengesetz nach dem Gesetz über die politischen Rechte. Während dieses die Bestätigungswahl explizit regele, werde das Verfahren der Neuwahl den Regelungen der Kirchen überlassen.

Das Verfahren auf katholischer Seite sei in der Verordnung der römisch-katholischen Zentralkommission über die Neuwahl von Pfarrern vom 9.September 1964 geregelt. Dort stehe im Paragraf4: «Die Wahl des Pfarrers wird von der Kirchgemeinde in geschlossener Versammlung in geheimem Verfahren vorgenommen. Es gilt sinngemäss §49 Gemeindegesetz. Es kann nur über einen von der Kirchenpflege vorgeschlagenen Kandidaten abgestimmt werden. Wer den von der Kirchenpflege vorgeschlagenen Kandidaten annehmen will, hat mit Ja, wer ihn ablehnen will, mit Nein zu stimmen.»

In Urdorf kam diese Regelung nicht zur Anwendung. Zwar fragte der Kirchenpflegepräsident die Versammlung an, ob sie geheim abstimmen wolle. Diese lehnte eine geheime Wahl klar ab. Anschliessend wurde Pfarradministrator Max Kroiss in offener Abstimmung mit 72 zu 6 Stimmen deutlich gewählt.

«Nicht automatisch Konsequenzen»

Die Urdorfer waren der Ansicht, ihre Kirchgemeindeordnung sei für dieses Verfahren gültig. «In Urdorf wird grundsätzlich offen abgestimmt», erklärt Christian Tomasi, «es gibt aber in der Kirchgemeindeordnung einen Hinweis auf eine Regelung des Kantons. Diese kannte jedoch niemand. Sie ging vergessen.»

Die Urdorfer Katholiken erhielten erst im Januar Bescheid, dass ihre neue Kirchgemeindeordnung nun rechtskräftig sei. «Wir dachten auch deshalb an die Richtigkeit unseres Vorgehens, weil die uns in dieser Sache beratende Person uns erklärte, eine offene Abstimmung sei richtig. Wir haben im Unwissen gehandelt», beteuert Christian Tomasi.

Laut Aschi Rutz sei die Pfarrwahl in der Kirchgemeinde Urdorf nicht nach dem offiziell gültigen Verfahren erfolgt. Die Verletzung von Verfahrensschriften ziehe aber nicht automatisch Konsequenzen nach sich. Jemand, der in der Kirchgemeindeversammlung anwesend gewesen sei, müsste beim Bezirksrat Beschwerde einlegen.

Kein Rekurs eingegangen

Eine Beschwerde gegen das Wahlverfahren vom vorletzten Sonntag ist innerhalb der erforderlichen Frist bis Ende letzter Woche beim Bezirksrat nicht eingegangen, wie Kirchenpfleger Robert Eigenmann gestern erklärte. Damit ist die Wahl von Max Kroiss rechtsgültig. Eine kleine Konsequenz hat der Wahlsonntag: «Wir werden nun die Kirchgemeindeordnung abändern», sagt Eigenmann. Danach dürfte das Wahlverfahren klar sein.