Gleis 21

Passend zum Frauenstreik-Jahr: An diesem Podium sprachen keine Männer

Sie standen Red und Antwort: Die Dietiker Nationalratskandidatinnen am Podiumsgespräch mit Bettina Wolfgramm (ganz rechts). Von links: Kerstin Camenisch (SP), Manuela Ehmann (EVP), Jeanne Pestalozzi (GLP), Christiane Ilg-Lutz (EVP) und Christa Maag (EVP).

Sie standen Red und Antwort: Die Dietiker Nationalratskandidatinnen am Podiumsgespräch mit Bettina Wolfgramm (ganz rechts). Von links: Kerstin Camenisch (SP), Manuela Ehmann (EVP), Jeanne Pestalozzi (GLP), Christiane Ilg-Lutz (EVP) und Christa Maag (EVP).

Die Dietikerinnen wollen ihre eigenen Nationalratskandidatinnen aus verschiedenen Parteien unterstützen, deshalb veranstalteten sie ein Podiumsgespräch mit einer Filmvorführung.

Ein Haufen hellviolette Armbänder lagen in einer Schale im Konferenzraum des Gleis 21 bereit. Darauf war in weisser Schrift zu lesen: Dietikerin wählt Dietikerin. Unter diesem Motto trommelte der Verein Dietikerin.net alle Dietiker Nationalratskandidatinnen für die Wahlen im Herbst zusammen. Von den zehn Kandidatinnen erschienen fünf. Sämtliche zur Wahl stehenden Dietikerinnen wurde auf einer Powerpoint-Folie während der Diskussion an die Wand projiziert. «Wir gründeten den Verein, als wir vor einem Jahr merkten, dass keine einzige Frau für den Stadtrat kandidiert», sagte Muriel Pestalozzi. Sie rief Dietikerin.net gemeinsam mit Kathrin Kuster, Catherine Stocker, und Bettina Wolfgramm ins Leben, um die Mitsprache von Frauen in der Stadt zu fördern.


Gleich zu Beginn des Podiums erklärte Bettina Wolfgramm, dass es bei gleichbleibendem Tempo noch 962 Jahre gehe, bis Frauen und Männer in Politik und Unternehmen gleich häufig vertreten seien. Danach drehte sie sich um zu den Frauen, die bereits heute etwas verändern wollen. In einer kurzen Vorstellungsrunde erzählten die fünf anwesenden Nationalratskandidatinnen, wie sie den Wahlkampf erleben. «Der Wahlkampf ist auch ein wenig Weiterbildung, beispielsweise in den sozialen Medien», sagte Jeanne Pestalozzi-Racine von der GLP. Friedensrichterin Christa Maag (EVP) gab ihr recht. Der Aufwand sei schnell grösser als man denke. Doch das Engagement sei ja für einen guten Zweck: «Als ich gehört habe, dass die EVP im Kanton Zürich eine Frauenliste zusammenbringen will, war ich dabei», sagte sie.

Der Wahlkampf sei anstrengend aber auch spannend

SP-Gemeinderätin Kerstin Camenisch erzählte von Hausbesuchen bei potenziellen Wählern und dem Gefühl, wenn man sich selbst auf dem Plakat entgegenblickt. «Ich habe mich bereits daran gewohnt, doch meine Söhne eher nicht.» Wahlkampf sei anstrengend aber spannend. EVP-Gemeinderätin Manuela Ehmann bestätigte, dass es immer wieder Mut brauche, um auf die Leute zuzugehen, «doch schliesslich ist es bereichernd, dass man näher an die Bevölkerung ran muss.» Die EVP stellt gleich fünf der zehn Dietiker Nationalratskandidatinnen. «Von einer Frauenquote halten wir nicht viel», sagte Ehmann. Es brauche fähige Frauen, die fundiert und mit Herzblut politisieren können.
Auch wenn die Nationalratskandidatinnen wissen, dass sie weit hinten auf den Listenplätzen stehen, so ist es ihre erklärte Mission, durch ihre Präsenz den einen oder anderen Politmuffel an die Urne zu bringen. Maag zählte als Stimmenzählerin schon einmal die Wahlzettel, damals sei die Beteiligung so tief gewesen, dass sie nach kurzer Zeit bereits habe gehen können. «Nun hoffe ich fest, dass ich dieses Mal länger arbeiten muss.» EVP-Gemeinderätin Christiane Ilg-Lutz erklärte, dass sie durch ihre Kandidatur mit Leuten ins Gespräch über Politik gekommen sei. «Ich probiere die Diskussion jeweils auf die sachliche Ebene zu bringen», sagte sie.
In der Zeit der personalisierten Wahlkämpfe sind die Frauen gefordert sich gut zu vermarkten. Das braucht Übung und manchmal Nachhilfe, wie bei GLP-Kandidatin Pestalozzi, die einen Facebook-Kurs besuchte, um sich besser in den sozialen Medien behaupten zu können.

Es braucht jemand, der die Anliegen des Limmattals vertritt

Nachdem ein SRF-Dokumentarfilm über die Bundesrätinnen, bis zum letzten Herbst waren es erst sieben, gezeigt wurde, gab es noch Zeit, sich persönlich zum Offline-Netzwerken im Bistro des Gleis 21 zu treffen. «Männer machen das natürlicherweise, im Militär oder in Klubs, doch bei uns Frauen muss das noch gefördert werden», sagte Pestalozzi.
Wenn man die Zuhörerinnen fragte, ob sie denn nun lokale Politikerinnen wählen würden, hörte man zustimmende Voten. «Es braucht jemand, der die speziellen Anliegen des Limmattals vertritt», sagte eine junge Frau. Das sei nicht das Gleiche, wie wenn jemand aus Zürich politisiere. Und eine Frau wählen, das sei sowieso wichtig. Da schaue sie auch mal, ob sie einen Mann von der Liste streichen könne, um dafür eine Frau zu kumulieren.

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