Bei der Gegend rund um den Bahnhof handle es sich um das Herz Schlierens, sagte Pascal Leuchtmann gestern Vormittag anlässlich der Übergabe von 300 Unterschriftenbögen. So viele Schlieremerinnen und Schlieremer unterzeichneten das Anliegen des überparteilichen Komitees «Begegnungszone im Bahnhofsbereich», das Leuchtmann präsidiert. Für Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) gab es neben den Signaturen noch ein Herz aus Schokolade. Es handelte sich also in doppelter Weise um eine Herzensangelegenheit.

Ende Dezember sprach das Schlieremer Parlament einen Kredit für eine Tempo-20-Zone auf der Güterstrasse zwischen Bahnhof- und Neuer Fossertstrasse. Dabei handelt es sich um eine Kompromisslösung, denn der ursprüngliche Vorschlag des Stadtrates sah vor, die Begegnungszone bis zur Personenunterführung West zu führen, also rund 50 Meter weiter westlich. Dieser Bereich beinhaltet den Strassenraum vor den beiden SBB-Neubauten, in die dereinst eine Postfiliale, ein Fitnesscenter und ein Detaillist einziehen werden. Die bürgerliche Ratsseite befürchtet einen Spiessrutenlauf für Automobilisten, da in einer Tempo-20-Zone Fussgänger immer Vortritt geniessen und es keine Trottoirs hat.

Die Initianten von links: Leila Drobi, Beat Rüst, Stadtschreiberin Ingrid Hieronymi, Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin, Pascal Leuchtmann, Songül Viridén, Robert Horber, Walter Jucker und Dominik Ritzmann.

Die Initianten von links: Leila Drobi, Beat Rüst, Stadtschreiberin Ingrid Hieronymi, Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin, Pascal Leuchtmann, Songül Viridén, Robert Horber, Walter Jucker und Dominik Ritzmann.

 Als dieselben Parteien Unterschriften für eine freie Geissweid sammelten, kamen rund doppelt so viele zusammen. Stösst die Begegnungszone auf weniger Zuspruch? «Keineswegs. Viel eher legten wir den Start der Sammlung auf ein ungünstiges Datum und wurden wegen einer Aufsichtsbeschwerde der Bürgerlichen ein wenig zurückgeworfen», so Leuchtmann.

Kommt Forderung zu spät?

Wie die Chancen stehen, dass das Parlament der Forderung nachkommt, kann Leuchtmann nur schwer einschätzen. Sollte die Initiative jedoch an die Urne kommen, ist er optimistisch: «Entscheidet das Volk, kommt die lange Begegnungszone. Da bin ich mir sicher.» Dies unter Vorbehalt der definitiven Vorlage des Stadtrates.

Doch kommt die Forderung der Initianten nicht zu spät? Die Umgebungsarbeiten um die beiden SBB-Bauten sind in vollem Gange. «Dem ist so. Für eine gleichzeitige Realisierung der Projekte ist es zu spät», sagt Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) auf Anfrage. Voraussichtlich werde die Verkehrsfläche vor den SBB-Bauten mittels Bodenbemalung signalisiert, Bäume werden keine gepflanzt und anstelle von Quer- baue man nun Längsparkplätze. «Dabei handelt es sich um eine Zwischenlösung, bis die Stadt weiss, was genau erstellt werden solle», so Bärtschiger. Diese sei für Fussgänger keinesfalls sicherer, betont er.

So ergeben sich zwei mögliche Szenarien. Stösst die Initiative beim Parlament oder beim Stimmvolk auf Anklang, würde eine kleinere Umgestaltung nötig. «Wir müssten die Parkplätze umarrangieren und Bäume pflanzen», so Bärtschiger. Entscheidet sich das Stimmvolk aber für die verkürzte, von den Bürgerlichen bevorzugte Variante, müsste im Nachhinein wahrscheinlich noch ein Trottoir vor den beiden SBB-Bauten erstellt werden. «Dies erfordert eine neue Planungsphase. Mehrkosten werden so sicherlich entstehen», sagt Bärtschiger.

Initianten neu im Stadtrat

Die Verzögerung hat jedoch nicht nur Nachteile. Die SBB sei derzeit daran, einen neuen Pavillon-Bau auf der Ostseite des Bahnhofplatzes zu planen. «Optimal wäre es natürlich, wenn sämtliche Arbeiten zeitlich nahe beieinander realisiert werden könnten, da die Kosten so reduziert würden», so Bärtschiger.

Wie schätzt Leuchtmann die Chancen der Vorlage in Anbetracht des neuen Parlaments und des neuen Stadtrats ein? Neben Sitzgewinnen der SP, Grüne und GLP, zogen mit Andreas Kriesi und Leuchtmann selbst gleich zwei Mitglieder des Initiativ-Komitees in die Exekutive ein. «Dies unterstreicht natürlich unsere Forderung», so Leuchtmann. «Doch reicht es der Fraktion SP/Grüne gemeinsam mit der GLP noch immer nicht zu einer Mehrheit – weder im Stadt- noch im Gemeinderat». Daher sei der Ausgang völlig offen.