Zürich
Parkplatzstreit in Zürich: Autofrei steigert Lebensqualität

Der Stadtzürcher Parkplatzstreit könnte nun beigelegt werden. Bei genauerem Hinsehen ist damit aber nicht zu rechnen. Die Bevölkerung machte unlängst deutlich: Sie will mehr Lebensqualität.

Jürg Krebs
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Parkhaus-Baustelle beim Opernhaus Zürich (Archiv)

Parkhaus-Baustelle beim Opernhaus Zürich (Archiv)

Keystone

Zwar haben zwei Rechtsanwälte die Vorwürfe der IG Pelikan untersucht und sind zum Schluss gekommen: Der Zürcher Stadtrat hat den historischen Parkplatzkompromiss von 1990 korrekt umgesetzt. Die Parkplatzzahl ist heute also noch genau so hoch wie vor 21 Jahren, und jeder oberirdisch aufgelöste Parkplatz wurde unterirdisch kompensiert. Die Interessengemeinschaft – ein Zusammenschluss von Geschäftsleuten aus der Innenstadt – wird dies kaum besänftigen.

Anhaltender Unmut ist programmiert: Die Stadtzürcher haben am 4.September die Städte-Initiative «Umverkehr» angenommen, die einen Ausbau von öV, Fuss- und Veloverkehr verlangt. Die Bevölkerung machte deutlich: Sie will mehr Lebensqualität. Die Stadtregierung wird, wenn sie an die Umsetzung des Volkswillens geht, um die Parkplatzfrage nicht herumkommen. Widerstand wird dem Stadtrat aus Gewerbekreisen erneut gewiss sein.

Der Parkplatzkompromiss könnte somit je länger, je mehr zum Schauplatz eines angeheizten Richtungskampfes werden, dessen Positionen längst bezogen sind. Den einen geht es in Zürich um mehr Lebensqualität in Form einer autofreien Innenstadt. Den anderen um wirtschaftliche Freiheit und die Möglichkeit, von Parkplätzen profitieren zu können.

Die Diskussion pro öV, Fuss- und Veloverkehr und kontra Autoverkehr wird nicht nur in der Stadt Zürich geführt. Sie ist auch im Limmattal entflammt. Kein Wunder: Die Steigerung von Lebensqualität ist in Dietikon und Schlieren das Thema und der Verkehr ein Schlüssel zum Erfolg.

Beispiel Schlieren: Hier geht es um ein Zentrum, in dem Fussgänger und Velofahrer dem Autoverkehr vorgezogen werden sollen. Gegenstand des Streits ist der geplante, verkehrsberuhigende Zentrums- und Stadtplatz. Das Gewerbe befürchtet Stau und somit eine Behinderung seiner Geschäftsinteressen.

die Angst vor autofreien Innenstädten und Stau ist grösser als angebracht. Die Europäische Kommission hat 2004 eine Studie erstellt, die anhand von Beispielen in England, Frankreich und Deutschland aufzeigte, dass sich der Stau, obwohl von Modellrechnungen prognostiziert, nach einer Eingewöhnungszeit in Luft aufgelöst hat.

Auch die Sache mit den umsatzversprechenden Parkplätzen hat einen Haken. Zwar hat das Stadtzürcher Tiefbauamt im Mai eine Studie vorgestellt, wonach ein Parkplatz direkt an der Strasse den Geschäften im Schnitt tatsächlich satte 328000 Franken einbringt. Allerdings – und das ist bei der Diskussion wesentlich – sagt die Studie nichts darüber aus, wie viel Umsatz dem Gewerbe öV, Fuss- und Veloverkehr einbringen.

Klar ist jedoch: Eine autofreie Innenstadt fördert die Lebensqualität. Und weil dadurch der Zufahrtsverkehr abnimmt, profitieren nicht nur die Innenstädte.