Dietikon
Parkettboden freigelegt: Es glänzt wieder heller in der alten Villa

Im Ortsmuseum wurde im Erdgeschoss ein Parkettboden freigelegt. Künftig sollen in dem Raum Konzerte und Lesungen stattfinden. Das passt zur ehemaligen Villa Strohmeier, die selber einige Geschichten zu erzählen hat.

Sandro Zimmerli
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Ortsmuseum Dietikon
8 Bilder
Im Eingangsbereich des Museums wird einem sofort klar, was das Thema im Haus ist.
Die Villa mit dem Walmdach wurde 1927 erstellt. Sie befindet sich mittlerweile im Besitz der Stadt Dietikon und beherbergt seit 1978 das Ortsmuseum.
Im ehemaligen Wohn- und Essbereich des «Strohmeierhauses» befinden sich derzeit nur noch ganz wenige Ausstellungsstücke.
Auch der öffentlich zugängliche Garten des Ortsmuseums mit den Bruno-Weber-Stühlen ist ein Schmuckstück.
In der Villa wurden auch andere Räume mit einem Parkettboden ausgestattet.
Das Foto zeigt Trudi und Walter Strohmeier um 1947 im Garten.
Dietikon 1930: Im Vordergrund links ist Villa Strohmeier zu sehen.

Ortsmuseum Dietikon

Severin Bigler

Es ist ein altehrwürdiges Haus, die Villa an der Schöneggstrasse 20 in Dietikon. Gewohnt wird in dem über 90 Jahre alten Gebäude schon lange nicht mehr. Mit Leben erfüllt ist es dennoch. Seit 40 Jahren ist dort das Ortsmuseum untergebracht, das mit umfangreichen Ausstellungen zur Geschichte Dietikons aufwartet. Seit einigen Tagen ist es um ein Schmückstück reicher. Eines, das schon immer da war, aber von einem Teppich jahrelang verdeckt wurde. Im Erdgeschoss des Hauses hat die Museumskommission in den beiden Haupträumen, die wohl einst als Wohn- und Esszimmer gedient hatten, einen schönen alten Parkettboden freilegen lassen, als sie den abgenutzten Teppich entsorgte.

«Wir wussten, dass sich unter dem Teppich ein solcher Boden befindet», sagt Ueli Tobler von der Museumskommission. Als Schreiner schlage sein Herz höher, wenn er so etwas sehe. Auch seine Kommissionskollegin Julia Hirzel findet den Boden toll. «Überhaupt mag ich solche alten Häuser», sagt sie. Weil gleichzeitig mit dem Teppich auch ein Gestell entfernt wurde, das den Durchgang zwischen den beiden Räumen teilweise versperrte, bieten sich dem Museum nun neue Perspektiven für die Nutzung des Raums. «Wir können uns vorstellen, hier kleine klassische Konzerte und Lesungen zu organisieren. Das wäre dem Raum angemessen», sagt Hirzel. Zudem werde im Ortsmuseum auch die nächste Ausgabe der Gesprächsreihe «Mis Dietike» stattfinden.

Besuch der Familie

Der Anlass, an dem die Dietiker Journalistin Helene Arnet jeweils mit alteingesessenen Dietikern über deren Leben spricht, passt gut in das alte Gebäude, das ebenfalls einiges über Dietikons Geschichte zu erzählen weiss. Erbaut wurde es 1927 von Bankier Walter Strohmeier, dessen Familie als reichste in Dietikon galt. Noch heute wird die im neuklassizistischen Stil erstellte Villa «Strohmeierhaus» genannt. Abgesehen von den fehlenden Möbeln und der neuen Beleuchtung hat sich im Haus bis heute nicht all zu viel verändert.

Am markantesten dürfte der Wandel im Keller gewesen sein, wie der vergangenes Jahr verstorbene Dietiker Ehrenbürger Karl Klenk in seinen Tagebüchern schreibt. Anlässlich eines Besuchs von rund 20 Mitgliedern der Familie Strohmeier 2004 in Dietikon stand natürlich auch die Besichtigung der Villa auf dem Programm. Laut Klenk, der beim Rundgang dabei war, wurde ihm versichert, dass im Keller, dort wo heute der Kachelofen steht, Kohle gelagert wurde. Der Raum, der mittlerweile die Schmitte beheimatet, diente früher als Grümpelkammer. Auch der Garten des Hauses hat im Laufe der Zeit einige Änderungen erfahren. Die zu gross gewordenen Kastanienbäume mussten vor einigen Jahren entfernt werden. Und auch die von Strohmeier gepflanzten Zwetschgenbäume sind verschwunden. Dafür stehen mittlerweile grosse Betonstühle des 2011 verstorbenen Dietiker Künstlers Bruno Weber im Garten.

Tennisplatz als Attraktion

In Erinnerung ist das prächtige Haus vielen alteingesessenen Dietikern jedoch aus einem anderen Grund. 1947 wurde im Garten hinter der Villa ein Tennisplatz erstellt, eine aussergewöhnliche Anlage für die damalige Zeit. Zutritt hatten nur handverlesene Gäste, wie Hans Peter Trutmann im Dietiker Neujahrsblatt von 2015 schreibt. Zu ihnen gehörte Max Maag, der am Kirchplatz einen Laden besass, wo sich die Landwirte mit neuen Mist- oder Heugabeln eindecken konnten, und wo man Schrauben und Nägel noch einzeln erwerben konnte.

Weisse Kleidung war Pflicht für jene, die an schönen Sonntagen den Schläger schwingen wollten. Das galt auch für die Balljungen. «Der aus der Nachbarschaft rekrutierte Ballbube hatte nur eine Chance auf Berücksichtigung, wenn es ihm gelang, seine blauen Turnschuhe in weisse umzuwandeln. Dafür fehlte aber zu Hause Motivation und Geld. So musste er jedes Mal vor dem Antritt seine blauen Schuhe tüchtig mit weisser Kreide einreiben, um farblich der gepflegten Gesellschaft zu entsprechen», schreibt Trutmann. Der Aufwand wurde allerdings nicht gerade üppig entschädigt. Ein Apfel und ein Schwarzbrot gab es für den Einsatz.

Vom Tennisplatz ist heute nichts mehr zu sehen. Und auch die Besitzverhältnisse haben sich inzwischen geändert. 1968 kaufte die Stadt die Villa, um eine Arrondierung des Gemeindebesitzes in dieser Zone zu erreichen. Das Haus wurde eine Weile weiter vermietet und dann 1978 dem Ortsmuseum zur Verfügung gestellt. Dieses war schon länger auf der Suche nach geeigneten Räumen. Die Idee eines Ortsmuseums geht auf Karl Heid zurück. Er hatte bereits in den 1920er-Jahren damit begonnen, sich mit der Geschichte Dietikons auseinanderzusetzen, und dabei bereits viele Dokumente zusammengetragen. An der Generalversammlung des Verkehrsvereins (heute Stadtverein) 1931 regte der Posthalter an, eine Kommission für Heimatkunde zu gründen. Der Wunsch ging bald in Erfüllung. Das erste Ortsmuseum konnte jedoch erst 1958 im Färberhüsli an der oberen Reppischstrasse 16 eröffnet werden. 20 Jahre später zog es dann ins «Strohmeierhaus».

Auf dem Turnplatz fühlte er sich wohl

Walter Strohmeier hat in Dietikon Spuren hinterlassen. Geschätzt wurde er auch für seine Geselligkeit.

Politiker, Schulpfleger, Turner: Walter Strohmeier engagierte sich in Dietikon in ganz verschiedenen Bereichen. 1898 in Zürich geboren, zog er 1909 mit seinen Eltern in den heutigen Bezirkshauptort, weil sein Vater dort die Stelle des Postverwalters antrat. Strohmeier arbeitete nach seiner Ausbildung zuerst in der Bank Leu, wo er im Devisenhandel tätig war und bis zum Vizedirektor aufstieg, wie Hans Peter Trutmann im Dietiker Jahrheft 2015 schreibt. 1938 zog es Strohmeier weiter. Er wechselte zur Privatbank Schoop Reiff & Co. in Zürich.

Bereits 1927 liess er die Villa an der Schöneggstrasse 20 erstellen, die heute das Ortsmuseum beherbergt. Dort wohnte Strohmeier mit seiner Gattin Trudi und den drei Kindern Marga, Fritz und Walter. Der Einstieg ins politische Geschehen Dietikons gelang ihm 1928, als er Mitglied der Rechnungsprüfungskommission wurde. Sieben Jahre später wechselte Strohmeier in die Sekundarschulpflege Dietikon-Urdorf.

"Saftige Witze"

Sein dortiges Engagement wurde von den Lehrern geschätzt, wie Karl Klenk in seinen Tagebüchern schreibt. Der letztes Jahr verstorbene Ehrenbürger der Stadt Dietikon kam 1934 als damals jüngster Sekundarlehrer des Kantons Zürich nach Dietikon und konnte bei seinem Wirken auf die Unterstützung Strohmeiers zählen. «Herr Strohmeier unterstütze mich stets erfolgreich bei meinen sportlichen Unternehmungen mit den Schulklassen», heisst es in einem Kapitel des Tagebuchs. Lebhafte Erinnerungen hat Klenk auch an Sitzungen, die mitunter in eine Wirtschaft verlegt wurden. Dort seien bisweilen «saftige Witze» zu hören gewesen.

Auch Trutmann beschreibt Strohmeier als fröhlichen und trinkfesten Turnkameraden, der sich als Vereinspräsident und Festorganisator hervortat. Auf dem politischen Parkett war Strohmeier ab Einführung des Grossen Gemeinderats im Jahre 1958 im Parlament für die FDP tätig. 1961/62 präsidierte er das Gremium. Strohmeier war überdies auch ein grosser Förderer des Männerchors.