Bezirksgericht
Pädophiler Drogenkonsument angeklagt: Vor dem Missbrauch soll er Liquid Ecstasy verabreicht haben

Einem Pädophilen wird nächste Woche der Prozess gemacht. Er soll sich über längere Zeit hinweg an einem Mädchen vergriffen haben.

David Egger
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Der Angeklagte soll einem Mädchen mehrfach Drogen verabreicht und es anschliessend missbraucht haben. Nächste Woche urteilt das Bezirksgericht Dietikon über ihn.

Der Angeklagte soll einem Mädchen mehrfach Drogen verabreicht und es anschliessend missbraucht haben. Nächste Woche urteilt das Bezirksgericht Dietikon über ihn.

Bettina Hamilton-Irvine

Der mutmassliche Tatort ist ein Anwesen auf dem Mutschellen. In einem ruhigen Quartier, wo Reiche und Einflussreiche die Aussicht ins Reusstal geniessen und die Nähe zur benachbarten Schule schätzen. Die Briefkästen des stattlichen Hauses sind heute mit anderen Namen beschriftet. Aber hier wohnte der über 60 Jahre alte niederländische Staatsbürger, der einem Mädchen mehrfach Drogen verabreicht haben soll – vor allem Marihuana und Kokain, aber in einem Fall auch «einige Tropfen Ecstasy», wie es in der Anklageschrift heisst.

Dazu muss man wissen: Flüssiges Ecstasy hat mit Pillen-Ecstasy nichts zu tun. Es handelt sich um eine andere Substanz gleichen Namens, die je nach Dosis als K.-o.-Tropfen verwendet werden kann. Nach Verabreichung der Tropfen soll der Mann am Mädchen den Geschlechtsverkehr vollzogen haben. Das war im Dezember 2013.

Regelmässig Drogen verabreicht

Die anderen Drogen – Kokain und Marihuana – gab er dem Mädchen über einen Zeitraum von etwas mehr als zwei Jahren hinweg, heisst es in der Anklageschrift weiter. In dieser Zeit soll er dem Mädchen auch mehrmals unter ihr T-Shirt gegriffen haben, um sich an ihren Brüsten zu vergehen. Der Tatort soll jeweils das Bett des Beschuldigten gewesen sein, in dem die beiden gemeinsam lagen. So hat es die Zürcher Staatsanwaltschaft für Gewaltdelikte ermittelt.

Fallführend ist die gleiche Staatsanwältin, die im Mai schon den Limmattaler Kinderschänder erfolgreich hinter Gitter brachte, der zuerst in Dietikon und später in Stallikon zahlreiche Knaben jahrzehntelang missbraucht hatte. Dieser hatte den Knaben jeweils Alkohol, Marihuana und ein Schlafmittel verabreicht.

Erster Übergriff 2005 im Limmattal

Obwohl das Haus des nun beschuldigten Niederländers auf dem Mutschellen im Aargau liegt, ist der Kanton Zürich zuständig. Denn einen ersten Übergriff auf das Mädchen soll der Mann 2005 im Zürcher Limmattal begangen haben, als das Mädchen noch weit unter zehn Jahren alt war. Damals – die beiden sassen auf dem Sofa beim Mädchen zuhause – fasste er ihr laut Anklageschrift schon an die Brust sowie in den Schritt.

Vier illegale pornografische Filme...

...fanden die Ermittler auf den Festplatten des Beschuldigten. Hinzu kommt ein illegales pornografisches Bild. Das Material zeigt sexuelle Handlungen Erwachsener mit Tieren und solche mit Kindern.

Neben mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind und der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz ist der Mann auch wegen mehrfacher Pornografie angeklagt. Zwei der Filme, die auf seinen Festplatten gefunden wurden, zeigen explizite sexuelle Handlungen zwischen Nutztieren und Menschen. Hinzu kommt ein weiterer Film aus dem tierpornografischen Bereich, ein Kinderporno-Bild sowie ein Film, in dem ein weiteres Mädchen auf besonders brutale Weise seines Kindseins beraubt wird. Solches Material findet man nicht auf Google.

Die Dateien lud sich der Pädophile zwischen 2010 und 2015 herunter. Wie die Ermittlungen zeigten, soll der Mann zwischen 2013 und 2015 zudem täglich rund 0,2 Gramm Kokain konsumiert haben. Vom 20. August bis 28. September 2015 sass der Beschuldigte in Untersuchungshaft.* Am 28. September 2016 wurde dann die Anklage erhoben. Die Verhandlung am Bezirksgericht Dietikon ist für den 27. November angesetzt.

*Hinweis: Im am 21. November 2017 erschienenen Artikel hiess es, der Angeklagte sei vom 20. August bis 28. September 2016 in Untersuchungshaft gesessen. Laut Anklageschrift dauerte die Untersuchungshaft aber vom 20. August bis 28. September 2015, was nun im Artikel aktualisiert wurde.