Wer auf Auslandreisen individuelle Unterkünfte den Hotels vorzieht, kann diese über die Zürcher Plattform Cryptocribs buchen. Was nun nach der Online-Buchungsplattform Airbnb klingt, ist ziemlich das Gleiche, aber in einem Punkt unterscheiden sich die beiden Plattformen wesentlich. Wer seine Übernachtung über Cryptocribs bucht, kann lediglich in Kryptowährungen bezahlen. Also mit Geld, das in barer Form inexistent und deshalb lediglich digital existiert. Im Gegensatz zum Zentralbankgeld werden diese Währungen ausschliesslich von Privaten geschöpft und existieren rein digital als Datei. Anstatt Münzen im Portemonnaie verwalten die Besitzer von Kryptogeld – die berühmteste Form der digitalen Währungen ist der 2009 erfundene Bitcoin – eine digitale Geldbörse.

Durch das erstellen eines Online-Kontos auf einer Krypto-Plattform erhält der Nutzer einen öffentlichen und privaten Schlüssel. Damit wird er Teil der entsprechenden Kryptowährungs-Netzwerks. Der öffentliche Schlüssel wird benötigt, um Transaktionen zuweisen und prüfen zu können. Das System gleicht ab, ob die Bitcoins auch tatsächlich dem gehören, der sie an einen anderen Nutzer schickt. Die Buchung wird in einem öffentlichen und damit für jedermann einsehbaren Buchungssystem hinterlegt. Mit dem privaten Datenschüssel wird der Vorgang signiert. Damit soll verhindert werden, dass während der Transaktion Änderungen vorgenommen werden können. Die Bestätigung einer Transaktion über das Netzwerk dauert zwischen ein paar Sekunden bis hin zu wenigen Minuten.

Ohne Einfluss von Banken

Auf Cryptocribs werden neben Bitcoins auch andere Zahlungswährungen wie Ethereum, Litecoin und Bitcoin Cash akzeptiert, wie Erasmus Elsner, einer der beiden Mitgründer von Cryptocribs sagt. Erst im vergangenen Sommer hatten der ETH-Doktorand und sein Mitgründer, ein Mathematiker von der ETH, die Idee, eine entsprechende Plattform zu lancieren. Vor rund drei Monaten ging die Website dann live. Mittlerweile können über die Website 800 Zimmer oder ganze Wohnungen in über 35 Ländern gebucht werden. «Wir haben monatlich zwischen 50'000 und 80'000 Website-Besucher und fast jeden zweiten Tag eine Buchung. In den letzten zwei Wochen hatten wir unter anderem Buchungen in Tokyo, London, Amsterdam und Los Angeles», sagt Elsner.

Im Unterschied zu Airbnb musste das Start-up für die Vermittlung von Wohnungsvermietern und Unterkunftssuchenden keine Bankbeziehungen in den unterschiedlichen Ländern der Welt aufbauen. «Mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen können sich Menschen ohne den Einfluss von Staaten und Grossunternehmen zu minimalen Transaktionskosten Wertbeträge zuschicken», erklärt Elsner die Ideologie der Kryptowährung. Mit der Buchungsplattform wird laut dem Jungunternehmer die Sharing-Economy-Idee – das private Vermieten von Wohnungen – mit dem Peer-to-Peer-Aspekt der Kryptowährung verbunden. «Wie ich von meinen Hosts in Afrika und Lateinamerika weiss, ist dies insbesondere in Ländern mit korrupten Regierungen von höchster Bedeutung», sagt Elsner.

Dennoch wurden bereits Plattformen, die digitale Währungen handeln, von Geldwäscherei und Korruption befallen, sodass sie geschlossen werden mussten. Auch sind die Plattformen der Gefahr von Hacking ausgesetzt. Dazu sagt Elsner: «Die User halten keine Kryptowährungen auf unserer Plattform selber, sie schicken uns die Buchungsbeträge jeweils über ihre persönlich verwalteten Konten. Die Gebühren die wir erhalten, landen direkt in unseren kryptographisch verschlüsselten digitalen Portemonnaies.»

Schon bald als Serie zu sehen

Gerade hinsichtlich der Gebühren gibt es beim Zürcher Start-up einen deutlichen Unterschied zum berühmten Konkurrenten: «Während Airbnb zur Zeit bis zu 20 Prozent Gebühren für die Buchungen auf ihrer Plattform verlangt, reduziert sich bei uns die Anfangsgebühr von fünf Prozent mit jeder positiven Gästebewertung um 0,2 Prozent», sagt Elsner. Demnach könnten Nutzer nach wenigen Buchungen direkt – ohne die Plattform Cryptocribs als Vermittler – eine Übernachtung buchen oder entgegen nehmen.

Wie Elsner sagt, sei ihre Firma zwar noch relativ jung, dafür aber in der Branche bereits sehr gefragt: «Wir haben kürzlich von einem anderen Projekt eine Kaufofferte von 1,5 Millionen US-Dollar für unsere Plattform erhalten», sagt Elsner. Das Angebot aber hätten sie abgelehnt, da sie an einer langfristigen Entwicklung ihrer Vermittlungsplattform interessiert seien. Elsners Interesse liegt konkret in den etablierten Firmen dieser aufstrebenden Branche, die ihnen bei der Weiterentwicklung der Plattform behilflich sein können.

«Wir wollen Kryptogeld der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen», so Elsner. So hätten sie bereits mit Coinbase, einem milliardenschweren US-Unternehmen, das eine Handelsplattform für digitale Währungen betreibt, eine Kooperation für die Cryptocribs-App gestartet. Weiter planen die Jungunternehmer mit einer Videofilmerin die Fernsehshow MTV Cribs – Stars und Sternchen zeigen der Welt ihre Wohnungen – als eigene Sendung für ihre Plattform zu adaptieren. «Wir wollen darin die Wohnungen unserer Hosts auf der ganzen Welt besuchen und mit ihnen über aktuelle Themen in der Kryptowelt sprechen», erklärt Elsner die Idee hinter dem Videoformat.